Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
2. August 2019


Geld für zielgerechtete Massnahmen eingesetzt

Ausgabe Nummer 19 (2019)

56. GV der Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (GLIB)

Der Gesuchseingang 2018 bei Investitionskrediten zeigte, dass die Landwirte nach den beiden letzten Jahren mit schwierigeren klimatischen Bedingungen zurückhaltender investieren.

Markus Gubler, Präsident der GLIB, thematisierte in seiner Eröffnungsrede anlässlich der 56. GV von Ende April im Restaurant Linde in Wängi seine Befürchtungen über die zahlreichen Initiativen, welche die Land- und Ernährungswirtschaft betreffen. Als positives Signal bewertete er es, dass die Thurgauer Regierung einen Marschhalt bei der AP22+ forderte. Die GLIB erwartet, dass auch 2019 trockenheitsbedingte Gesuche für Betriebshilfedarlehen gestellt werden, falls sich der Vegetationsbeginn im Frühjahr verzögert. Ebenfalls rechnet sie im Verlaufe dieses Jahres mit einigen Gesuchen für Beiträge an Füllund Waschplätze von Spritz- und Sprühgeräten. Im Thurgau werden, nebst baubewilligungspflichtigen, auch mobile Anlagen mit Investitionshilfen unterstützt. Das Investitionsvolumen der 2018 mit einem Investitionskredit unterstützten Betriebe beläuft sich auf 35 Mio. Franken. Davon wurde ein Viertel mit Investitionskrediten finanziert. «Die Wirkung der zinslosen Darlehen geht weit über die Landwirtschaft hinaus und dokumentiert die volkswirtschaftliche Bedeutung der Thurgauer Bauernfamilien», so Markus Gubler. 2018 behandelten der VR der GLIB und die Geschäftsstelle 51 Gesuche. Dies ist eine merklich tiefere Anzahl als in Vorjahren, stellte Werner Aus der Au, Geschäftsführer der GLIB, fest. Im Berichtsjahr bewilligte die Geschäftsstelle zehn Stundungen von Rückzahlungen, die vor allem Milchwirtschafts- und Gemüsebaubetriebe betrafen.

Bewilligte Massnahmen und Gesuche
Mit 17 bewilligten Massnahmen bei Ökonomiegebäuden (gegenüber dem Vorjahr mit 26) war ein spürbarer Rückgang der Investitionstätigkeit zu verzeichnen. Mit 15 unterstützten Wohnbauten wurde 2018 deutlich weniger investiert. Der Gesucheingang bei den Starthilfen lag leicht unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. 23 Junglandwirte stiegen als Eigentümer, einer als Pächter sowie drei über eine Generationen-Gemeinschaft in die Landwirtschaft ein. «Die Differenz gegenüber dem Vorjahr (mit 32 bewilligten Gesuchen) ist unseres Erachtens darauf zurückzuführen, dass wegen der auf 1. April 2018 in Kraft gesetzten Änderungen in der Ertragswertschätzung einige Hofübergaben um ein Jahr vorgezogen wurden», erörterte Werner Aus der Au. Als Massnahmen zur Diversifizierung wurden zwei Biogasanlagen sowie ein Wärmeverbund mit einem Darlehen unterstützt. Im Berichtsjahr wurden zwei Gesuche um Betriebshilfe gestellt. Dabei geriet ein Betrieb wegen Frostschäden 2017 in eine finanzielle Notlage. Mit dem zweiten Darlehen konnte eine Notlage durch anderweitige Verpflichtungen aufgefangen werden. Hinsichtlich der Trockenheit versuchten die Betriebe die Ausfälle meist durch Reserven zu decken. Umschulungsbeihilfen wurden schweizweit (und auch im Thurgau) in den letzten Jahren kaum genutzt: Diese 2004 eingeführte Massnahme für Betriebsleiter unter 52 Jahren ist bis Ende dieses Jahres befristet.

Neuwahlen im VR
Markus Hausammann, Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft, benutzte die Fragerunde: Ihn interessierte, was jene Betriebe, die ebenfalls von Frostschäden betroffen waren, «anders» gemacht hätten, sodass sie keine Betriebshilfe beantragen mussten. Er betonte, die Betriebshilfe dürfe kein wettbewerbsverzerrendes Instrument sein. Und dass betriebliche Reserven gebildet werden sei als Selbstverständlichkeit zu erachten. Werner Aus der Au beantwortete die beiden Fragen und erklärte, dass bei den Frostschäden der «Fonds Suisse» den betroffenen Betrieben massgeblich helfen konnte. Und die Gewährung eines Aufschubes (Stundung) der Rückzahlung der Amortisationsrate des Darlehens erwies sich als richtige Massnahme, weil damit eine Notlage durch anderweitige Verpflichtungen aufgefangen wurde. Wahl des VR: Markus Gubler informierte, dass es aufgrund veränderter gesetzlicher Vorgaben nicht mehr notwendig sei, dass eine bäuerliche Vertretung bei der Revision der Jahresrechnung zugegen sei: Deshalb hatte Susanne Harder, Bäuerin, auf die GV 2019 hin ihren Rücktritt erklärt. Als VR-Mitglieder traten Beat Schwager und Jürg Hess zurück. Als ihre Nachfolger wurden Daniel Schärer, Landwirt / Zimmermann, und Josef Maier, Kundenberater bei der Raiffeisenbank Tägerwilen, gewählt. Das bisherige VR-Mitglied Roger Hess sowie Markus Gubler, Präsidium, wurden wiedergewählt. Als Vertreter der Regierung wurden Ueli Bleiker, Chef Landwirtschaftsamt und Walter Schönholzer, Regierungsrat und Vize-Präsident GLIB, vom Kanton bestimmt. Erika Sonderegger arbeitet seit 25 Jahren auf der Geschäftsstelle der GLIB mit und wurde hierfür geehrt.


Isabelle Schwander







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