Ausgabe Nummer 31 (2009)

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Gelegenheit macht Diebe

Gastkolumne

Vielleicht verkaufen Sie Ihre Kirschen zur Zeit an einem unbemannten Stand vor Ihrer Anlage. Oder Sie bieten Ihre Blumen entlang einer gut befahrenen Hauptstrasse zum selber Schneiden an. Möglicherweise besitzen Sie gar, wie wir auch, einen kleineren oder grösseren Hofladen mit Selbstbedienung. Dann haben Sie sich sicher auch schon über die Zahlungsmoral Ihrer Kunden gewundert. Damit meine ich natürlich nicht den Grossteil Ihrer Kunden, die ehrlich sind und den vollen Preis bezahlen und manchmal sogar noch grosszügig aufrunden. Nein, ich meine die einzelnen schwarzen Schafe, die nichts oder nur einen Teil dessen bezahlen, das Sie mitnehmen. Vielleicht sind Ihnen diese Kunden gänzlich unbekannt und vielleicht kennen Sie diese Kunden sogar mit Namen. Vielleicht waren die Umstände bisher immer unglücklich, so dass Sie deren Verfehlungen nicht schwarz auf weiss belegen konnten. Oder vielleicht fehlte Ihnen auch der Mut dazu, diese Personen direkt anzusprechen.

Vor ein paar Wochen verwickelte eine mir unbekannte Kundin mich in ein nettes Gespräch und lobte unseren Butterzopf, den wir samstags verkaufen, über alles. Ich bot ihr vor dem Weggehen noch an, allenfalls Geld zu wechseln, falls sie nicht genügend Kleingeld dabei habe. Nach ihrer Wegfahrt beschloss ich, aus einer inneren Neugierde heraus, die Kasse, die ich zufälligerweise vor dem Besuch ebendieser Kundin geleert hatte, zu kontrollieren. Und siehe da: die «Kundin» hatte nur knapp die Hälfte, dessen sie mitgenommen hatte, bezahlt. Natürlich war es zu spät, mir die Autonummer zu merken, nur an den rassigen schwarzen Sportwagen mochte ich mich erinnern. Aus dem Gespräch wusste ich ja, dass sie besonders auf Zopf steht und deshalb beschloss ich, ihr am nächsten Samstag eine Falle zu stellen. Zwei Wochen später tappte sie dann hinein. In der Zwischenzeit mutiger geworden, hatte sie nur einen Zehntel des Verkaufspreises bezahlt. Als ich die Frau, die sich in ihrem offenen Cabrio zur Abfahrt bereit machte, bat auszusteigen, gab sie Gas und fuhr davon. Diesmal hatte ich genügend Zeit, mir die Autonummer zu merken und schaltete die Polizei ein. Die mobile Polizeipatrouille griff sie zu Hause auf, wo sie geständig war und eskortierte sie auf unseren Hof, wo sie ihre Schulden sowie eine Umtriebsentschädigung begleichen und ich ihr das Ladenverbot persönlich aussprechen konnte. Gleichzeitig machte ich eine Anzeige wegen Diebstahl. In der Zwischenzeit haben wir unsere Videoüberwachung im Hofl aden modernisiert, so dass wir mit den aufgezeichneten Bildern direkt zur Polizei gehen können. Denn nicht immer sind die Umstände so glücklich wie im obigen Beispiel. Mit dieser Geschichte möchte ich Ihnen, liebe Direktvermarkterin, lieber Direktvermarkter, Mut machen, für Ihre Produkte und Dienstleistungen einzustehen. Es kann nicht sein, dass einzelne schwarze Schafe uns die Freude an der Direktvermarktung nehmen. Geben wir diesen Dieben also keine Gelegenheit mehr, ohne Konsequenzen ihrem «Handwerk» zu frönen.

Andrea Heimberg Müller Eidg. dipl. Bäuerin HFP, Hörhausen