Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Gemeinsam für die produzierende Landwirtschaft einstehen

Ausgabe Nummer 16 (2015)

Ordentliche Generalversammlung Verband Thurgauer Landwirtschaft

An der Generalversammlung wurde Bilanz über ein bewegtes Landwirtschaftsjahr 2014, das unter anderem von der Umsetzung der AP 2014 bis 2017 geprägt war, gezogen. Gastreferent Ueli Bleiker nahm in seinem Referat den Rück- und Ausblick auf die AP vor.

Markus Hausammann, Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft VTL, begrüsste 124 Stimmberechtigte und zahlreiche Gäste zur Generalversammlung vom 9. April 2015 im Auholzsaal in Sulgen.
Regierungsrat Kaspar Schläpfer überbrachte die Grussworte und besten Wünsche der Regierung. Er sagte unter anderem, dass alle Interessensgruppen und Kantone, die aus ihrer jeweiligen Sicht bei der Agrarpolitik 2014 bis 2017 nicht fair berücksichtigt wurden, alles daran setzen werden, dies möglichst schnell zu korrigieren. Aus Thurgauer Sicht gehe es dann sicher darum, dass produktionsstarke Gebiete im Flachland, die einen grossen Beitrag zur Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Schweiz leisten, nicht schlechter gestellt sind als Bergkantone. Kaspar Schläpfer betonte, dass es ihm wichtig ist darauf hinzuweisen, dass Bund und Kantone für die Landwirtschaft immer verlässliche Partner waren: «Bei den Verträgen für verschiedene Massnahmen, zum Beispiel in der Vernetzung oder in Landschaftsqualität, wird sogar die bisherige Vertragsdauer von sechs auf acht Jahre erhöht, was auch als Planungssicherheit verstanden werden soll. Industrie und Gewerbe kennen keine vergleichbare Planungssicherheit auf die kommenden vier, sechs oder acht Jahre.» Kaspar Schläpfer appellierte an die Bäuerinnen und Bauern, auch das Positive zu sehen: Die Schweizer Landwirtschaft habe gute Voraussetzungen im Hinblick auf die wichtigen Herausforderungen der Zukunft.
Urs Schneider, stellvertretender Direktor des SBV, überbrachte der Versammlung seine Grussworte.

Grösse allein ist nicht Baustein zum Erfolg
Er bedankte sich bei den Bäuerinnen und Bauern für ihren Einsatz für die Unterschriftensammlung zur Ernährungssicherheits-Initiative. Es wurden in kürzester Zeit 150 000 Unterschriften gesammelt, ein Umstand, der sicher auch als ein starkes politisches Manifest verstanden werden dürfe. Markus Hausammann fügte seinem Jahresbericht 2014 einige Ergänzungen an und sagte: «Die Situation der Thurgauer Landwirtschaft sieht momentan tatsächlich nicht rosig aus, es geht da und dort um betriebliche und familiäre Existenzen. Da ist rechtzeitiges Handeln von uns Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern gefragt. Wir müssen nur produzieren, womit wir etwas verdienen, nicht um dem Abnehmer einen Gefallen zu erweisen.» Er appellierte an die bisherigen und angehenden Politiker sowie die Vertreter der Geldinstitute, von der Idee abzukehren, dass allein in der Grösse der Baustein zum Erfolg eines Unternehmens liegt. Dies gelte in der Landwirtschaft so wenig wie in der übrigen Wirtschaft. «Beachten Sie bei der Festlegung der Rahmenbedingungen die Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Dann sind ganz automatisch der Überproduktion auch gewisse Grenzen gesetzt. Und kehren Sie ab von der Idee, dass eine funktionierende Schweizer Landwirtschaft ohne Grenzschutz auskommt. In bilateralen Freihandelsabkommen muss man dem in sensiblen Bereichen Rechnung tragen. Genereller Agrarfreihandel oder die Öffnung der ‹weissen Linie› hingegen sind tabu.»

Insgesamt eine positive Rechnung
Markus Hausammann bedankte sich bei den Vorstands- und Kommissionsmitgliedern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle des VTL für deren Einsatz.
Jürg Fatzer, Geschäftsführer des VTL, hob einige Themen aus den Arbeitsschwerpunkten 2014 hervor. Dazu zählte er unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit «Anti-Littering» mit der Säuberungsaktion am «Clean-up-Day» sowie der Auftritt an der WEGA. An dieser Publikumsmesse zeigten VTL und Jagd Thurgau in einer Sonderschau auf, welche Herausforderung Wildschweine darstellen. Es stünden weiterhin verschiedene politische Geschäfte zur Debatte, bei welchen sich der Vorstand VTL aktiv engagieren wird.
Jörg Streckeisen, Vorstandsmitglied, präsentierte die Jahresrechnung 2014 und das Budget 2015. Markus Hausammann fügte an, dass die Rechnung insgesamt positiv bewertet werden kann. Die schwierigen ersten Jahre nach der Umstrukturierung des Verbandes seien nun weitgehend bewältigt. Für einen leichten Verlust in der Betriebsrechnung sicherte er zu, dass sich der VTL im Verlaufe des Jahres bemüht, auch hier schwarze Zahlen zu erreichen. Den Anträgen des Vorstandes zur Genehmigung der Rechnung 2014 und Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsleitung wurde stattgegeben. Die Mitglieder stimmten dem Antrag des Vorstandes zur Reduktion des Flächenbeitrags von 8 auf 6 Franken pro Hektare zu. Betriebs- und Intensitätsbeitrag bleiben unverändert.

Neu in den Vorstand gewählt: Maja Grunder
Ebenfalls Zustimmung erhielt der Antrag der Berufsbildungskommission VTL, den maximalen Bildungsbeitrag von 2.50 Franken pro Hektare auf 3 Franken zu erhöhen.
Wahlen: Als Nachfolgerin für Therese Huber-Hirschi, die auf die Generalversammlung hin ihren Rücktritt aus dem Ressort «Frauen in der Landwirtschaft» eingereicht hatte, schlug der Vorstand Maja Grunder aus Oberneunforn zur Wahl vor: Die Bäuerin und Mutter zweier Kinder in der Ausbildung bewirtschaftet mit ihrem Mann Bruno auf 24 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau. Als betriebliche Spezialität bezeichnet sie es, dass ihre Familie die Tradition des Mühlenbetriebes «Entenschiess» weiterführt. Sie bieten den Kunden diverse Backmehle sowie die Vermahlung von Getreide an. Nach ihrer Wahl in den Vorstand bekräftigte Maja Grunder, sie wolle die unterschiedlichsten Interessen ihrer Berufskolleginnen und -kollegen vertreten.
Ersatzwahl Delegierte beim Schweizer Bauernverband (SBV): Auf Antrag des Vorstandes wurden Eveline Bachmann, Frauenfeld, als Ersatz für Ursula Monhart, Schlatt, und Maja Grunder, Oberneunforn, als Ersatz für Therese Huber, Hefenhofen, gewählt. Dem Antrag des Vorstands, das Ressort Paralandwirtschaft in «Landwirtschaftsnahe Tätigkeiten» umzubenennen, wurde stattgegeben. Bei den Verabschiedungen wurden zurückgetretene Mitglieder aus Gremien des VTL sowie den Agroberatungsvereinen für ihre geleistete Vorstandsarbeit verdankt.

Therese Huber erhält Ehrenmitgliedschaft
Markus Hausammann ehrte in seiner Dankesrede die Verdienste von Therese Huber-Hirschi und ihre Vorstandsarbeit im VTL. Er bedankte sich insbesondere für ihren Einsatz während der anspruchsvollen Zeit der Reorganisation des Verbandes, den sie mitbegleitete und lobte ihr diplomatisches Geschick im Umgang mit unterschiedlichsten Personengruppen. Im Namen des Vorstandes überreichte Markus Hausammann Therese Huber einen Gutschein für die «Glasi Hergiswil» und einen weiteren für eine Reise am Vierwaldstättersee für zwei Personen. Die Geschenke wurden gekrönt mit ihrer Wahl zum Ehrenmitglied des VTL.
Unter «Diverses und Umfrage» nutzte Vorstandsmitglied Urban Dörig die Gelegenheit, um auf den Wahlherbst 2015 und die Bedeutung des Urnenganges im Sinne von «wer stimmt, bestimmt!» hinzuweisen. Jakob Hug, Vorstandsmitglied, informierte über die kürzlich erfolgte Gründung der Junglandwirte-Kommission. Es sei begrüssenswert, wenn junge Leute mitreden und mitbestimmen.
Markus Hausammann thematisierte den geplanten Neubau der Stallungen am BBZ Arenenberg und appellierte, dass zuerst die Planungsphase abgewartet werden soll, bevor Pläne gleich zunichte gemacht würden. Nach dem statutarischen Teil der Generalversammlung folgte ein Referat von Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamts, mit Rück- und Ausblick auf die Agrarpolitik. Eingangs veranschaulichte er, dass im Thurgau die Landwirtschaft einen hohen Stellenwert hat und die Land- und Ernährungswirtschaft sowie nachgelagerte Betriebe eine beachtliche Anzahl Arbeitsplätze stellen.

Monitoring der AP
Das Resultat von 77 Prozent Ja-Stimmen im Nationalrat zur AP 2014 bis 2017 sei auch ein Ja zu den gemeinwirtschaftlichen Leistungen und deren Anerkennung. Stellvertretend für zahlreiche ähnliche Umfragen präsentierte er Ergebnisse der gfs.zürich, Markt- und Sozialforschung, von 2012 zu Erwartungen der Bevölkerung und der Wichtigkeit der Aufgabenbereiche der Landwirtschaft. Als die wichtigsten Bereiche wurden Produktion von Lebensmitteln, tierfreundliche Haltung, gesicherte Ernährung in Krisenzeiten und umweltfreundliche Bewirtschaftung genannt. Viele Landwirte, so Ueli Bleiker, haben den Eindruck, die neue AP habe eine zu hohe Gewichtung auf Landschaftsschutz. Dabei sei die Multifunktionalität eher ein «Nebenprodukt» der Nahrungsmittelproduktion. Er zeigte auf, dass der grösste Teil der im Jahr 2014 ausbezahlten Direktzahlungen in die Produktion fliesst. Die Verbesserung der Markterlöse und Kostensenkung seien für die Einkommen der Betriebe so wichtig wie die Optimierung der Direktzahlungen. In seinem Ausblick thematisierte er unter anderem das Monitoring der AP. Nach der Evaluation sei es nötig, in der Weiterentwicklung der AP zu korrigieren und zu konsolidieren. Als Appell und Wunsch fügte er an: «Lassen Sie uns vermehrt Ideen austauschen, um gemeinsam stärker für die produzierende Thurgauer Landwirtschaft einzustehen. So können zukünftige Änderungen zur AP besser auf Praxistauglichkeit und Vollziehbarkeit geprüft und mitbestimmt werden.»


Isabelle Schwander






















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