Ausgabe Nummer 50 (2004)

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Gemeinsam in die Zukunft

Sondernummer Zusammenarbeit
 
Gemeinsam in die Zukunft
 
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft macht auch im Kanton Thurgau keinen Halt. Oftmals sind Wachstum, Intensivierung oder ein Zuerwerb die einzigen Möglichkeiten, das Gesamteinkommen des Betriebes zu halten. Durch das stetige Wachstum der Betriebe nimmt aber die Arbeitsbelastung der Bauernfamilien zu. Zusammenarbeit unter Landwirten kann sowohl zu arbeitswirtschaftlichen Entlastungen wie auch zu finanziellen Erfolgen führen. Beim Stichwort Zusammenarbeit denken viele Landwirte sofort an die totale Aufgabe der Selbstständigkeit und die Fusion der Betriebe. Dabei sind beispielsweise auch gelegentliche Nachbarschaftsaushilfen, Vertragsaufzucht oder der überbetriebliche Maschineneinsatz Formen der Zusammenarbeit.
 
Eines haben aber alle Formen der Zusammenarbeit gemeinsam: Sie sind nur erfolgreich, wenn alle Beteiligten einen konkreten Nutzen erlangen. Es muss also eine so genannte «Win-Win-Situation» entstehen. Diese Situation entsteht aber nur, wenn die gemeinsame Problemlösung der Grund und das Ziel der Zusammenarbeit ist. Die Kernfrage lautet also: «Welche Probeme können wir gemeinsam besser lösen als alleine?» Dabei muss immer der Grundsatz gelten: So viel Freiheit wie möglich und so viel Bindung wie nötig. Die Form der Zusammenarbeit ergibt sich also durch das Problem, das gelöst werden muss, und fällt dementsprechend individuell aus.
Zusammenarbeitsformen unter Landwirten können vielseitig sein. Auf der Stufe Beschaffung zum Beispiel ein gemeinsamer Hilfsmitteleinkauf, Arbeitskräfteaustausch oder gemeinsame Maschinenbeschaffungen. Gemeinsame Fruchtfolgen, Nährstoffbilanzen und Ökoflächen sowie arbeitsteilige Tierproduktionen sind Zusammenarbeitsformen auf der Produktionsebene. Im Bereich Verkauf können Erzeugergemeinschaften, gemeinsame Transportorganisationen oder Verkaufsmarken genannt werden.
Ein bekanntes Gesetz ist, dass jeder das tun soll, was er am besten kann, sich also auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Durch geeignete Zusammenarbeitsformen erreichen die Betriebe, dass sie sich wieder auf ihre Stärken konzentrieren können. Das kann im ganz kleinen Rahmen beginnen: Eine Bäuerin schreibt der Nachbarin ein Protokoll. Als Gegenleistung schmückt die Nachbarin der Bäuerin den Hauseingang weihnachtlich. Beide können sich auf das konzentrieren, was sie gerne und gut machen.
Egal wie intensiv die Zusammenarbeit ist oder welche Form sie aufweist, einige Grundsätze müssen eingehalten werden, damit die Zusammenarbeit klappt:
– Das Umfeld ändert sich laufend, und Betriebe und deren Betriebsleiter entwickeln sich. Deshalb muss auch die Zusammenarbeit flexibel gestaltet sein und sich laufend den Bedürfnissen der Betriebe anpassen.
– Nur Zusammenarbeitsformen, die allen Beteiligten den gewünschten Nutzen bringen, haben Bestand!
– Im Zentrum steht die Problemlösung und nicht die Rechtsform. Jedes Problem muss mit der geeigneten und individuellen Form der Zusammenarbeit gelöst werden.
Überprüfen Sie Ihre eigene Situation und finden Sie geeignete Kollegen, mit denen Sie anstehende Probleme lösen können. Denn die überbetriebliche Zusammenarbeit ist die Zukunftsstrategie für den Voll-, Zuerwerbs- und Nebenerwerbsbetrieb und die Landwirtschaft und den ländlichen Raum.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Fabienne Stahel
 
 
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