Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Gemeinsam sind wir stärker

Ausgabe Nummer 10 (2016)

Gemäss Medienbericht von «Switzerland Cheese Marketing AG – SCM» war das vergangene Jahr «ein schwieriges Export-Jahr» mit einem Minus von 3,8 Prozent. Der weitaus wichtigste Abnehmer ist und bleibt Deutschland. Somit übernimmt Deutschland mit 30 892 Tonnen fast die Hälfte des Exportvolumens, mit einem geringen Rückgang von nur 0,1 Prozent. Dies trotz der Aufhebung des Mindestkurses in der Schweiz und dem Exportembargo der EU-Staaten nach Russland, was zu einem zusätzlichen Verkaufsdruck auf dem Deutschen Markt führt. Somit kann sich die Käsebranche nach wie vor sehr gute Chancen für Verkäufe auf dem Deutschen Markt einräumen. Für die Zukunft heisst dies, vor allem für die grenznahen Gebiete in der Ostschweiz: «Mit voller Kraft voraus den Deutschen Markt bearbeiten».

Für den Thurgau sind die Voraussetzungen besonders gut. Das nahegelegene Bundesland Baden- Württemberg mit 11 Mio. Einwohnern, zählt zudem ca. 5 Mio. Touristen in der Region «Westlicher Bodensee /Schwarzwald». Zudem kommen rund 200 000 Grenzgänger aus dieser Region in die Schweiz zur Arbeit, was eine positive Wirkung auf die Kaufkraft im Südwesten Deutschlands hat. Auch ist das Preisniveau für Schweizer Käse nach wie vor höher als in der Schweiz. Dabei ist festzustellen, dass Baden-Württemberg eine äusserst geringe Eigenproduktion an Käse hat, während der pro-Kopf- Verbrauch sich in etwa gleich wie in der Schweiz verhält.
Zusätzlich zur Dachwerbung von «Switzerland Cheese Marketing AG» im Nachbarland gilt, mit direkter Frontarbeit und gezielt eingesetzten Marketing- und Verkaufsinstrumenten, den Markt zu bearbeiten. Dazu gehören regelmässige Präsentationen in den Einkaufszentren und an Messen mit Käse- Degustationen.

Gleiche Verkaufsstrategie bei Käse und Wein
Es ist einmal mehr ersichtlich, dass beim Wein- und Käseverkauf die selben Regeln an der Verkaufsfront gelten. Neben der Degustation vom Produkt sind die «guten Geschichten» der Bauernfamilie und der Käserei beziehungsweise Kellerei gefragt. Ebenso wie Bräuche, Traditionen und die Eigenschaften der Herkunftsregion. Das wohl wertvollste und wichtigste Kriterium ist dabei die Glaubwürdigkeit. Wenn die Degustantin selber sagen kann, dass im angebotenen Käse die Milch von ihren Kühen drin ist, bringt das Sympathiepunkte.
Mit Sympathie und Glaubwürdigkeit kann das Vertrauen beim Konsumenten, Käsehändler und Verkaufspersonal in den Fachmärkten gewonnen werden.

Die Chance der gemeinsamen Kräfte nutzen
Genau in solchen Auftritten liegt die Chance der Thurgauer Käsebranche. Aufgrund des letztjährigen Auftrittes der Thurgauer Käse- und Tourismusbranche an der Südwestmesse, besucht nun in diesem Jahr einer der grössten Käsehändler Südwestdeutschlands mit rund fünfzig Käsefachleuten den Thurgau und die Ostschweiz. Die Gruppe, bestehend aus Verkaufspersonal an der Käsetheke, Bereichsleiter/-innen, Einkäufer/-innen und Käse- Sommeliers, macht eine Informations- und Weiterbildungsreise und besucht aus diesem Anlass verschiedene Käsereien und Gastronomiebertriebe.
Auch haben verschiedene, vom BBZ Arenenberg organisierte Testauftritte vereinzelter Thurgauer Käsereien an grenznahen deutschen Messen und Märkten gezeigt, dass mit direkten Verkäufen durchaus beachtliche Tagesumsätze mit angemessenen Preisen erzielt werden können. Zusätzlich dienen solche Auftritte dem Image der Thurgauer-Käsewirtschaft, was in Verhandlungen mit Händlern und Grossverteilern eine sehr positive Wirkung hat. Ein Zeichen mehr, dass der Schweizer Käse nicht durch tiefe Preise brillieren darf, sondern durch aktive Verkaufsförderung, basierend auf dem guten Namen der Schweiz.

Projekt Aussendienst für den Thurgau
Um die Marktposition von Thurgauer Käse im Nachbarland zu stärken, versucht das BBZ Arenenberg mit gezielten Verkaufsförderungsaktivitäten die mögliche Wirkung eines Aussendienstes zu testen. Dieses Projekt basiert auf der Exportförderungsunterstützung des BLW gemäss AP 14-17.
Dazu gehört die Organisation der Südwestmesse in Villingen Schwenningen 20. bis 29. Mai 2016 (mit ca. 130 000 Besuchern). Ein Gemeinschaftsstand – Tourismusdestination Arenenberg, Schifffahrtsgesellschaft Untersee/Rhein, Stein am Rhein, Thurgau Tourismus, Möhl AG und verschiedene Käsereien – soll in diesem Jahr die gewünschte Wirkung bringen. So werden jeweils an zwei Tagen interessierte Käsereien, welche bereits auf dem deutschen Markt absetzen oder dies in Zukunft tun wollen, die Möglichkeit haben, ihre Produkte zu präsentieren. Neben dem Käse wird der Traditionsbetrieb «Möhl» diesen Messeauftritt nutzen, um weitere Marktchancen im Süddeutschen Raum abzutasten. Thurgau Tourismus wird mit ihrem Einsatz eine erste Bewerbung der neu lancierten «Mostindien Tour» vornehmen. Umrahmt wird die Thurgauer Erlebnisinsel von den Säntisbergbahnen und der Bodensee Schifffahrt, als Nachbaraussteller.

Ausbildung in der Käsepräsentation
Im Vorfeld dieser Ausstellung bietet das BBZ Arenenberg zusammen mit «Switzerland Cheese Marketing AG» einen Kurs unter dem Motto «Erfolgreich Käse verkaufen» mit dem Inhalt «Offenverkauf» an. Der Kurs vermittelt Grundwissen und Inspiration für einen spannenden und erfolgreichen Käseverkauf.
Das Ziel ist, dass Thurgauer Käsereien, welche auf dem süddeutschen sowie weiteren Märkten aktiv sind, auf geschulte Bäuerinnen und Bauern zurückgreifen können, um an der Verkaufsfront Degustationen durchzuführen.
Was bis anhin im Thurgau noch fehlt, ist eine Schaumöglichkeit über das traditionelle Käsehandwerk für den Tourismus und die Bildung. Nun, was nicht ist, kann ja noch werden.


Bernhard Müller
Leiter Regionale Entwicklung
BBZ Arenenberg










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