Ausgabe Nummer 47 (2006)
Gemeinsame Beschaffung und Nutzung landwirtschaftlicher Maschinen
Wahl der Zusammenarbeitsform
Die Mechanisierungskosten stellen einen erheblichen Teil der Kosten der Landwirtschaftbetriebe dar. Sie belaufen sich auf rund 15 bis 16 Prozent der gesamten Produktionskosten. Die individuelle Beschaffung von Maschinen kann sich manchmal als unwirtschaftlich erweisen, falls diese nur wenig genutzt werden. Die Zusammenarbeit mit Kollegen bietet dann, wenn die Auslastung nicht mehr mit einer Vergrösserung der Produktionsfläche erhöht werden kann, interessante Sparmöglichkeiten.Mögliche Zusammenarbeitsformen bei der Beschaffung und Nutzung landwirtschaftlicher Maschinen gibt es einige. Das Spektrum reicht vom Händedruck zwischen zwei Nachbarn bis zur ausgeklügelten juristischen Struktur.
Nachbarschaftshilfe
Unter den angewendeten Lösungen ist die Nachbarschaftshilfe die häufigste und einfachste. Damit erspart sich der Betriebsleiter die juristischen Formalitäten zur Bildung einer Gesellschaft und bleibt autonom. Um Doppelspurigkeiten unter den Betrieben zu vermeiden, werden oftmals Maschinen ausgetauscht. Im Ackerbau kommt es zum Beispiel häufig vor, dass ein Landwirt ein Bodenbearbeitungsgerät kauft, während sein Nachbar oder Kollege eine Sämaschine anschafft.
Zusammen rationeller
Viele Betriebe haben auch in der gemeinsamen Verrichtung gewisser Arbeiten bzw. in der gleichzeitigen Nutzung der Maschinenparks einen Weg zur Kosten- und Zeitersparnis gefunden. Insbesondere bei der Futterernte wird diese Zusammenarbeitsform oft gewählt. Zwei oder mehr Landwirte füllen die Heustöcke oder Silos jedes Einzelnen gemeinsam und sparen unter dem Strich Geld und Zeit.
Der gemeinsame Kauf
Der gemeinsame Kauf einer oder mehrerer Maschinen erfordert meistens die Regelung der Beschaffungs-, Verwendungs- und Haftungsmodalitäten in einem Vertrag oder über die Bildung einer Gesellschaft. Die Gesetzgebung bietet die Wahl zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen.
Eine Umfrage der UFA-Revue im Jahr 2005 hat gezeigt, dass rund 70 Prozent der Betriebe in der Westschweiz und 59 Prozent der Betriebe in der Deutschschweiz bereits schon ein Mal eine Maschine gemeinsam mit einem Partner erworben haben. Vor allem Maschinen zur Bodenbearbeitung, Futtermittelernte (Heuernte, Mähen) und zur Ausbringung von Hofdüngern werden gemeinsam angeschafft. Eine so genannte Maschinengemeinschaft wird in der Regel als Einfache Gesellschaft gegründet. Diese Zusammenarbeitsform ist besonders interessant, da sowohl die juristischen als auch die organisatorischen Anforderungen relativ gering sind.
Maschinengenossenschaften und Maschinenringe Maschinengenossenschaften und Maschinenringe erfordern einen höheren Organisationsgrad. Eine Genossenschaft zählt mindestens sieben Mitglieder, muss über Statuten verfügen und im Handelsregister eingetragen sein. In der Westschweiz gibt es rund 15 Coopératives d?utilisation du matériel agricole (CUMA), die nach dem Modell der französischen CUMA aufgebaut sind.
Im Fall der Maschinenringe (MR) geht es um das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage von landwirtschaftlichen Arbeiten sowie die gegenseitige Zurverfügungstellung von Maschinen und Dienstleistungen gegen eine Entschädigung. Im Gegensatz zu Maschinengemeinschaften und genossenschaften befinden sich die Maschinen im Alleineigentum der Mitglieder des Maschinenrings. Maschineneigentümer sind in der Regel Landwirte oder Lohnunternehmer. Die Kontaktaufnahme sowie die Koordination der Vermittlung und die Abrechnung laufen über eine zentrale Geschäftsstelle. Diese Organisationsform ist in der Deutschschweiz recht verbreitet, während sie in der Westschweiz kaum anzutreffen ist.
Nicht nur Maschinen
Die überbetriebliche Maschinennutzung bietet zahlreiche Vorteile: Senkung der Maschinenkosten, Optimierung der Verwendung der Maschinen mit allfälliger Vereinfachung der Arbeitsorganisation, Rationalisierung usw. Die Zusammenarbeit beschränkt sich aber nicht nur auf die gemeinsame Nutzung der Maschinen. Insbesondere müssen Überlegungen zu den Zielen von jedem Partner angestellt werden. Das Abwägen der Vor- und Nachteile und die Berücksichtigung des menschlichen Faktors bei der Zusammenarbeit tragen zum Erfolg und zur Zufriedenheit aller Beteiligten bei. (Quelle: ART-Bericht Nr. 666)
pd/ro

Oftmals lohnt sich der Kauf einer Maschine wie dieser Säkombination erst, wenn sie von oder für mehrere Landwirte genutzt werden kann. (zVg)
