Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Gemeinsamer Einsatz für eine produzierende Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 50 (2014)

Präsidentenkonferenz VTL 2014 vom 5. Dezember

An der Präsidentenkonferenz VTL erfolgte der Rückblick auf ein bewegtes, ereignisreiches Jahr, welches sowohl für den VTL, das Landwirtschaftsamt, das BBZ Arenenberg – und nicht zuletzt die Bauernfamilien – besondere Herausforderungen mit sich brachte.

Markus Hausammann, Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL), führte am 5. November durch eine an Informationen reich befrachtete VTL-Präsidentenkonferenz am BBZ Arenenberg. Er berichtete über Neuigkeiten aus der Session in Bern und stellte fest, dass insbesondere bei den erneuerbaren Energien noch harte Auseinandersetzungen bevorstehen.
Zum Auftakt der VTL-Präsidentenkonferenz folgten diverse Informationen aus dem Landwirtschaftsamt. Andreas Keller, Generalsekretär des Departements für Inneres und Volkswirtschaft (DIV) informierte, dass am 5. Dezember 2014 der dritte Auszahlungstermin für die Direktzahlungen 2014 war. In seinen Ausführungen gedachte er der Verdienste von Markus Harder, Chef des Landwirtschaftsamtes, der im Juli 2014 verstarb. Andreas Keller betonte, dass den Mitarbeitern des Landwirtschaftsamtes ein grosser Dank für die zusätzlich geleistete Arbeit im letzten Halbjahr gebührt. Alle anstehenden Aufgaben konnten termingerecht erledigt werden. Dies erforderte wöchentliche Koordinationssitzungen, so konnte die Lücke, die Markus Harder hinterliess, überbrückt werden. Nun gehe das «Intermezzo» der Amtsbegleitung zu Ende und er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Chef des Landwirtschaftsamtes. Ueli Bleiker, der ab 1. Februar 2015 sein Amt antritt, stellte sich an der VTL-Präsidentenkonferenz persönlich vor. Er wuchs in Flawil auf einem Bauernbetrieb auf, erwarb nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung in der Westschweiz die Fähigkeitsprüfung und absolvierte die Berufsmatura am Strickhof Lindau.

Ueli Bleiker freut sich auf die Nähe zur Basis
Später schloss Ueli Bleiker das Studium an der Fachhochschule für Landwirtschaft in Zollikofen ab. Es folgten ein Studienaufenthalt in Kiel, ein Nachdiplom in Unterricht und Beratung sowie ein Lehrgang mit Abschluss zum Treuhänder mit eidgenössischem Fachausweis. Von 1997 bis 2000 arbeitete er als Mandatsleiter beim Beratungs- und Buchhaltungsverein St. Gallen-Appenzell sowie als Lehrkraft am Rheinhof, Salez. Vertiefte Kenntnisse in der Beratung von Landwirtschaftsbetrieben erwarb er sich bis 2003 als Leiter der Struktur- und Käsereiberatung bei den Thurgauer Milchproduzenten und beim Milchverband Winterthur. Weitere Berufserfahrungen sammelte er 2003/2004 als Betriebsleiter eines Milchwirtschaftsbetriebes in Neuseeland. Seit zehn Jahren ist Ueli Bleiker für das Landtechnik-Unternehmen John Deere tätig. Zunächst war er als Gebietsleiter für den Ausbau des Vertriebsnetzes in den neuen EU-Mitgliedsstaaten verantwortlich, danach führte er als Mitglied der erweiterten europäischen Geschäftsleitung verschiedene Abteilungen: «Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Unternehmern und insbesondere darauf, wieder näher an der Basis tätig zu sein». Anschliessend informierte Christoph Högger, Leiter der Abteilung Direktzahlungen und Dienstleistungen im Landwirtschaftsamt, über Personelles. So ist seit April 2014 Nadine Rhyner (Umweltingenieurin) beim Landwirtschaftsamt tätig. Sie begleitet die LQProjekte, BFF-Gesuche (Biodiversitätsbeiträge) und arbeitet mit bei der Erhebung von Betriebsstrukturdaten und Direktzahlungen.

Teilnahme an Ressourcenprogrammen
Im Rahmen eines befristeten Anstellungsverhältnisses von Oktober 2014 bis Juni 2015 übernimmt Heidi Hosp (mit Studium in Umweltwissenschaften) Aufgaben im Bereich der LQ-Projekte. Christoph Högger thematisierte die spürbaren Auswirkungen der neuen Agrarpolitik und die Tatsache, dass für den Thurgau 12 Millionen Franken weniger entrichtet werden. Die Gründe für die Differenz sind die Förderung des Berggebietes, der Ökologie und der Landschaft (LQ-P) und der grossen Betriebe sowie die gestaffelte Abschaffung der Einkommens- und Vermögenskürzungen. Christoph Högger meinte, dass gegenüber 2013 ohne Reaktion der Landwirte die Beiträge in den nächsten Jahren nochmals massiv sinken. Es sind noch diverse Optimierungen durch die Teilnahme an den Ressourcenprogrammen möglich. Insbesondere bei der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion ist noch Potenzial vorhanden. Er informierte, dass der Thurgau beim Bund ein Gesuch um Streptomycineinsatz 2015 einreichte und eine Antwort im Verlauf vom Dezember erwartet. Bezüglich des «Ressourcenprojekts Ammoniak 2008 bis 2013» sei der Schlussbericht zuhanden des BLW noch ausstehend. Das provisorische Ergebnis des Projektziels «Reduktion von 532 t NH3 pro Jahr» wurde nur zu zirka 45 Prozent erreicht. Zu den zukünftigen Themen, mit denen sich das Landwirtschaftsamt befasst, zählt für 2015 die Einführung standardisierter Kontrollpunkte, die Einführung der neuen DZ-Kürzungsrichtlinie, die Übernahme der Daten der periodischen Nachführung der amtlichen Vermessung und die Umsetzung zwei neuer LQProjekte.

Keine einhellige Begeisterung für LQ-Projekte
Peter Schweizer, Leiter der Geschäftsstelle des Trägervereins LQ-Mittelthurgau, stellte weitere Informationsanlässe zu den LQ-Projekten für 2015 in Aussicht. Er räumte ein, dass diese Massnahmen freiwillig sind und nach wie vor von breiten Kreisen der Landwirtschaft bezüglich ihrer Sinnhaftigkeit angezweifelt werden. Er empfiehlt den Betrieben, Schwerpunkte zu setzen und vor allem zu beachten, dass meist zahlreiche Grundlagen bereits vorhanden sind. Als Beispiel einer Massnahme, geeignet für Biound Extenso-Betriebe mit Getreideflächen, bezeichnete er die Beimischung von Ackerbegleitflora. Peter Schweizer zog das Fazit, dass bei den bisherigen LQProjekten viel informiert wurde und zirka 50 Prozent der Betriebe teilnahmen. Obwohl keine einhellige Begeisterung dafür feststellbar sei, werde man sich daran gewöhnen, wie seinerzeit bei der Einführung der IP. Das Thema LQ-Projekte löste eine angeregte Diskussion aus.
Markus Hausammann griff einen der Hauptkritikpunkte auf und appellierte an die Vertreter des Landwirtschaftsamtes, ein Augenmerk auf die Kostenund Ertragsseite zu richten, wenn externe Umweltingenieure für LQ-Projekte Konzepte erarbeiten. Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, leitete seine Informationen mit einem Dank auf die ausserordentlich gute Resonanz auf die Einweihung des Kompetenzzentrums ein. Das BBZ Arenenberg setzt seine Strategie mit dem Ziel, die Thurgauer Landwirtschaft weiter zu bringen, fort. Dazu gehöre, ein Zeichen zu setzen für die produktive, wertschöpfungsorientierte Milchwirtschaft Thurgau mit dem geplanten
Neubau Milchviehstall für 60 bis 70 Kühe.

Neubau Milchviehstall
Martin Huber betonte, dass beim geplanten Neubau Milchviehstall ein maximaler Nutzen für Schüler, Bauernfamilien und die Öffentlichkeit (Besucher, Steuerzahler) geschaffen und Kostentransparenz (bei Investitionen und im laufenden Betrieb) eingehalten werde. Er ist zuversichtlich, dass das bisherige Erfolgskonzept «Schule, Beratung und eigener Betrieb » (analog dem Obstbau) weitergeführt werden kann. Er stellte fest, dass der Arenenberg, wie die Landwirte auch, gefordert sei, sich immer wieder zu überlegen, welche Gewichtungen künftig zu setzen sind. Das Stichwort dazu lautete «Selbstverantwortung ». Im Bereich Bildung bedeute dies konkret, «Selbstverantwortung lehren, lernen und üben». In der Beratung liege der Fokus auf «Entwicklung und Innovation»: Bezogen auf die 15 Vollzeitstellen bedeute dies, künftig vermehrter mit Multiplikatoren und Vorbildern zu arbeiten. Als Beispiel dafür nannte er das erfolgreich durchgeführte Beerenseminar im November 2014 in der Kartause Ittingen, wo innovative Unternehmer ihre Vermarktungsstrategien präsentierten.
Im Nachmittagsteil der VTL-Präsidentenkonferenz informierte Jürg Fatzer, Geschäftsführer des VTL, unter anderem über die zahlreichen, durch den VTL bearbeiteten, Vernehmlassungen. Markus Hausammann; Jakob Hug, Vizepräsident VTL, und Jörg Streckeisen, Vorstandsmitglied VTL (Ressort Spezialkulturen) thematisierten Gesetzesgrundlagen, welche die Landwirtschaft direkt betreffen. Das Fazit angeregter Frage- und Diskussionsrunden lautete, dass die produzierende Landwirtschaft nicht noch weiter eingeschränkt und reglementiert werden dürfe.


Isabelle Schwander




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