Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Gemeinsames Feiern beim Biberschmaus

Ausgabe Nummer 28 (2017)

Der Thurgauer SVP-Kantonsrat Paul Koch hat mit einer Motion erreicht, dass inskünftig auch durch Biber verursachte Infrastrukturschäden landesweit vergütet werden müssen. Damit ist ein über drei Jahre dauernder Prozess mittels Standesinitiative abgeschlossen.

Verursacht ein eidgenössisch geschütztes Wildtier wie der Bär, Luchs, Wolf oder eben der Biber an landwirtschaftlichen Kulturen oder an Nutztieren Schäden, müssen diese vergütet werden. Dies steht im Schweizer Jagdgesetz, welches in einer Zeit geschaffen wurde, wo Bibervorkommen und daraus resultierende Schäden an Infrastrukturen kaum ein Thema war. Gestohlene Rüben oder Mais nahm man dem Biber vielfach kaum übel. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich bezüglich der Biberpopulation einiges geändert, da die Tiere sich bald in der ganzen Schweiz verbreitet haben. In den letzten Jahren sorgten ihre Schäden immer wieder für Missmut. Viele sahen nun im liebenswerten, sich ausschliesslich vegetarisch ernährenden Biber immer mehr den Feind, welcher sich nicht vertreiben liess. Doch nun ist bezüglich der Entschädigungsfrage Bewegung in diese Problematik gekommen. «Bis vor zwei Jahren hatten wir im Thurgau mit rund 600 Bibern die grösste Population und Kolonie aller Kantone und weltweit hinter den schwach besiedelten Ländern Lettland und Litauen die dritthöchste Biberdichte pro 100 km2», hielt SVP-Kantonsrat Paul Koch (Oberneunforn) an einer kleinen Feier bei der Thurbrücke Niederneunforn-Altikon fest. Doch als geschütztes Wildtier verursachte der Biber in den letzten Jahren vermehrt beim Bau seiner Dämme und Höhlen oder Fällen von Bäumen teilweise massive Schäden an Infrastrukturanlagen. Diese wurden aber nicht entschädigt. «Es darf deshalb nicht sein, dass ein Landeigentümer oder Besitzer von Infrastrukturanlagen Schäden bezahlen muss, welche ein geschütztes Wildtier verursachte, und er dies nicht verhindern kann», betonte Koch vor der Gästeschar. Schäden und Wiederinstandstellungen an Flurwegen, Dämmen oder Entwässerungsanlagen können rasch einmal mehrere 10 000 Franken betragen. Dies bewog ihn, politisch aktiv zu werden, indem er im Februar 2014 mittels einer Motion zur Änderung sen, und im Januar 2015 reichte der Regierungsrat sie in Bern ein. Es dauerte dann mehr als ein Jahr, bis sich im Februar 2016 die zuständige Kommission des Ständerates mit dieser Vorlage beschäftigte. «Zusammen mit dem damaligen Grossratspräsidenten Max Arnold reiste ich nach Bern, um der Kommission diesen Vorstoss vorzustellen und zu erklären», hielt Koch fest.

Nein und Ja in Bern
Die Kommission lehnte den Vorstoss ab und auch im Ständerat scheiterte die Vorlage mit 17 zu 20 Stimmen knapp. Mehr Verständnis zeigte die nationalrätliche Kommission, welche dem Vorhaben mit 8 zu 5 Stimmen zustimmte. Am 13. März fand das Geschäft im Ständerat eine Mehrheit. Somit hatte sich der hartnäckige Kampf des Thurgauer Kantonsrates gelohnt. «Wir schreiben diesen Gesinnungswandel dem Umstand zu, dass nun auch andere Kantone wie Bern oder Genf wegen der stark wachsenden Biberpopulationen Probleme bezüglich der Schäden bekamen», hielt Koch fest. Bereits im Herbst geht der neue Gesetzesentwurf an den Ständerat. Jetzt gilt es, das Ganze im Auge zu behalten. Das Gesetz und die späteren Verordnungen könnten noch massiv verwässert werden. Entsprechende Ängste sprachen einige Teilnehmer an der Feier aus, da sie das schon erfahren hatten. Konkret heisst der Erfolg dieses politischen Kampfs, dass durch Biber verursachte Infrastrukturschäden entschädigungspflichtig sind. «Die Akzeptanz des Bibers in der Bevölkerung kann nun damit erhalten und verbessert werden», zeigte sich Koch zuversichtlich.
«Der Biber ist ein grosser Baumeister und sehr flexibel, wenn er die Landschaft mit seinen Bauten innert Kürze völlig verändert», führte Michael Vogel von der kantonalen Jagd- und Fischerverwaltung aus. Er erzählte vom Leben dieses schlauen Tiers. Die Familien zählen drei bis fünf Tiere. Die Jungtiere müssen nach zwei Jahren das Hotel Mama verlassen und neue Reviere suchen. «Dies ist für viele Jungtiere nicht einfach, da bei einer sehr dichten Population mit rund 150 Familien und 600 Tieren im Thurgau die Suche nach einem raren, freien Revier sehr anspruchsvoll und schwierig ist», so Vogel weiter. Bereits beim Ausquartieren der Jungtiere greifen die Eltern zu massiven, harten Massnahmen. Andere verteidigen ihre Reviere konsequent und tödliche Bisse sind nicht selten. «Je dichter die Besiedelung in einer Region ist, desto höher ist die Todesrate bei den Jungtieren.» Vogel sprach bezüglich der neuen gesetzlichen Vorgabe von einer grossen Herausforderung, da nun die vergütungspflichtigen Schäden exakt abgegrenzt werden müssen.


Roland Müller










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