Ausgabe Nummer 7 (2008)

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Generalversammlung der Swiss Beef Region Ost in Diepoldsau

«Die Öffnung kommt so oder so»

Der ehemalige BLW-Direktor Hans Burger fand mit seinen Betrachtungen «Offensive Politik für einen starken Agrarstandort Schweiz» nicht nur Zustimmung. Präsident Kurt R. Herzog freut sich über die Aufbruchstimmung in der Landwirtschaft.

«Die Schweizer Landwirtschaft steht heute vor der Wahl des langsamen Niedergangs oder der begleiteten Öffnung», stellte der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft Hans Burger, Mitglied der Gruppe für eine offensive Agrarpolitik (GOAP), fest. Er sprach an der Generalversammlung von Swiss Beef Region Ost, zum Thema «Offensive Politik für einen starken Agrarstandort Schweiz». Burger ist überzeugt, dass eine Öffnung so oder so komme und eine Abschottung wenig sinnvoll sei. Im Vordergrund stehe die Erhaltung der Produktionsfunktion der Schweizer Landwirtschaft. Im Gegenzug zur Globalisierung nehme die Bedeutung der Nahversorgung zu. Auch in Österreich hielten die Konsumenten den einheimischen Produkten die Treue; dies trotz Zugehörigkeit zur EU. Der Abbau der Marktstützung und der Druck auf die vor- und nachgelagerten Bereiche nehme in der Schweiz zu. Deshalb schlage die GOAP ein Freihandelsabkommen im Agrar- und Lebensmittelbereich mit der EU vor.

Opposition gegen Burgers Aussagen
Burger sieht bei einem Beitritt zur EU Nachteile. So glaubt er, dass die Direktzahlungen bei einem EU-Beitritt um eine Milliarde Franken abnehmen würden. Als Vorteil eines Freihandelsabkommens, mit den nötigen Begleitmassnahmen, nannte er den Zugang zu einem Markt mit 500 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. Zudem behalte die Schweiz das agrarpolitische Instrumentarium, dies im Gegensatz zu einem EU-Beitritt, in der Hand. Das sei unter anderem wichtig für die Ausgestaltung der Direktzahlungen und der Investitionshilfen. Ein Versammlungsteilnehmer ging mit Burgers Aussagen hart ins Gericht und nannte den ehemaligen BLW-Direktor als Untergangspropheten und Handlanger von Bundesrätin Doris Leuthard und BLW-Direktor Manfred Bötsch. Ein weiterer Votant sprach sich gegen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU aus. «Wenn schon, dann ein Beitritt zur EU, damit die Schweizer Landwirtschaft gleich lange Spiesse hat wie unsere ausländischen Berufskollegen. »

Kopf nicht in den Sand stecken
Ernst Marte, Bereichsleiter Fleisch, Spar- Tann (A) und Bauer Josef Böckle stellten die erfolgreiche Zusammenarbeit von Produktion, Verwerter und Grossverteiler in Vorarlberg vor. Mit verschiedenen Eigenmarken verzeichnet Spar-Tann grosse Erfolge. Produkte mit dem AMA-(Agrarmarkt Austria) Gütesiegel und Vorarlberger Rindfleischspezialitäten seien vor allem bei einheimischen Konsumenten sehr gefragt. Böckle forderte seine Schweizer Berufskollegen auf, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und bei Verhandlungen klare Positionen einzunehmen. Er ist überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft auch in Zukunft ihren Weg finde.

Weltweite Aufbruchstimmung in der Landwirtschaft
In seinem Jahresrückblick gab Kurt R. Herzog, Präsident der Swiss Beef Region Ost, der Freude über die weltweite Aufbruchstimmung in der Landwirtschaft, Ausdruck. In kurzer Zeit seien die Preise und die Nachfrage für landwirtschaftliche Produkte gestiegen. Dank der guten Arbeit der bäuerlichen Organisationen, einzelner Bauern und landwirtschaftlichen Interessenvertretern konnte die AP 2011 weitgehend zur Zufriedenheit der Bauern gestaltet werden. «Damit haben wir Landwirte aber auch Neider erhalten», sagte Herzog. Für Unruhe im vergangen Verbandsjahr habe das neue Label «Terra- Suisse» gesorgt. Herzog freut sich über die Tatsache, dass Rindfleisch bei den Konsumenten nach wie vor beliebt sei.

Mario Tosato


Hans Burger, Ernst Marte, Josef Böckle und Kurt R. Herzog (von links) im Gespräch
über Freihandel und regionale Marktbedürfnisse. (tos)
Hans Burger, Ernst Marte, Josef Böckle und Kurt R. Herzog (von links) im Gespräch über Freihandel und regionale Marktbedürfnisse. (tos)