Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim übernahm 36 585 Tonnen Getreide und Ölsaaten

Ausgabe Nummer 26 (2015)

Mengenmässig das zweitbeste Geschäftsjahr erzielt

Die Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim konnte 2014 mengenmässig das zweitbeste Jahr verzeichnen. Gesamthaft sind in der grössten Getreidesammelstelle der Schweiz über 36 500 Tonnen Brot- und Futtergetreide sowie Ölsaaten und Körnermais angeliefert worden.

Einen besseren Start ins erste Präsidialjahr hätte sich Marc Peter kaum vorstellen können. Nachdem er letztes Jahr in dieses Amt gewählt wurde, konnte er am vergangenen Donnerstagabend in Thalheim vor den über 70 Genossenschaftern und Gästen der grössten Getreidesammelstelle der Schweiz seinen Einstand feiern. Dabei war das verflossene Getreidejahr alles andere als normal. «Was uns das Wetter geboten hat, lässt uns im Rückblick erstaunen», so Peter. Dies führte beim Brotgetreide zu beachtlichen Mengen an Auswuchsgetreide, wobei der Anteil in Thalheim von 12 Prozent erfreulicherweise eher unterdurchschnittlich war. Während die Getreideernte als Gesamtes sehr hektisch verlief, waren gemäss Peter bei der Kartoffel-Ein- und -auslagerung Nerven gefragt.
Scharf ging Peter mit der neuen Agrarpolitik ins Gericht. «Die produzierende Landwirtschaft wird geschwächt. Ich kenne keinen Betrieb, welcher keine Direktzahlungskürzungen verzeichnet, die Produktion ist zur Nebensache geworden», so das Fazit von Peter. Trotz dieses rauen Gegenwindes forderte er die Bauern auf, das Heft nicht aus der Hand zu geben und auf den Äckern wieder verstärkt Nahrungsmittel zu produzieren, statt sie beitragsorientiert zu bewirtschaften. Schlussendlich kritisierte Peter auch die aktuelle Werbung der Grossverteiler mit Bildern aus Gotthelfs Landwirtschaft, welche überhaupt nicht der Realität entspricht. Seine Kritik richtete er auch an das BLW, welches von einem grossen Erfolg spricht, weil so viele Bauern an den zusätzlichen Programmen teilgenommen haben. «Viele taten dies nicht freiwillig, sondern nur darum, um wenigstens einen Teil der verlorenen Direktzahlungen wettzumachen », so Peter. Abschliessend rief er die Bauern zur Eingigkeit auf, denn nur damit lässt sich etwas erreichen.
Von einem sehr anspruchsvollen Betriebsjahr sprach Geschäftsführer Rolf Häusler. «Wir übernahmen am 23. Juni die erste Wintergerste. Nach einem zweiwöchigen Unterbruch war dann gleich alles reif, sodass zusätzlich auch Raps und Brotgetreide angeliefert wurden.

36 685 Tonnen angeliefert und übernommen
Im vergangenen Jahr übernahm die Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim 3290 Tonnen Ölsaaten, Raps beansprucht mit 2680 Tonnen den grössten Anteil. Weitere 7630 Tonnen entfallen auf den Bereich Futtergetreide und 11 030 Tonnen auf Körnermais sowie 160 Tonnen Eiweisserbsen und Boh- nen. Der grösste Anteil macht aber das Brotgetreide mit über 14 500 Tonnen, das heisst, dass jedes Dreissigste in der Schweiz produzierte Brot seinen Ursprung in der Sammelstelle Thalheim hat.
Bei den Übernahmegebühren kann der Betrieb weiterhin auf ein rekordverdächtig tiefes Niveau setzen. Zugleich ist die Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim in der Lage, gute und vielfach über dem Richtpreis liegende Preise auszuzahlen. Häusler verwies auch auf die eigene Futtermühle, welche erneut ihren Ausstoss steigern konnte und einen Grossteil des übernommenen Futtergetreides direkt im Betrieb ohne lange Transportwege entsprechend kostengünstig verarbeiten kann.
«Wir werden die für die Klasse Top geforderten Proteinzahlungen nicht auf Stufe Produzenten, sondern innerhalb der Sammelstelle ab der Ernte 2015 umsetzen », hielt Häusler fest. Für ihn sind es vor allem die Kosten, welche die Bestimmung des Eiweissgehaltes jedes eingelieferten Postens in Frage stellen. Häusler wünscht sich zudem eine Ausdehnung der Gersten-, Futterweizen- und Triticaleflächen, während beim Hafer eine Reduktion erwünscht wäre. Mit Besorgnis stellt er zudem fest, dass der indirekte Import von Brotgetreide mit der Einfuhr von Halbfabrikaten (Teiglinge) wächst und bereits die Menge von 100 000 Tonnen überschritten hat. Trotz Bevölkerungswachstum bleibt der Brotgetreideabsatz auf gleichem Niveau stabil. Deshalb geht man davon aus, dass es diese Halbfabrikate sind, welche die Kompensation übernehmen.

Strikte Übernahmeregelungen
Die Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim setzt bei der Mykotoxinprävention hohe Massstäbe und will keine Risiken eingehen. «Getreide mit einem zu hohen Mykotoxingehalt darf gemäss geltendem Recht weder als Brot- noch als Futtergetreide verkauft werden», machte Häusler deutlich. Denn hinter diesen Präventionsmassnahmen steckt auch ein gewisser Zielkonflikt des Bundes. Während er die Grenzwerte für Mykotoxine laufend erhöht, verschärft er die Richtlinien mit Blick auf den Erosionsschutz und fördert die extensive Bodenbearbeitung. Trotzdem will die Genossenschaft Getreidesammelstelle Thalheim an ihren strengen Vorgaben festhalten, dass bei Vorfrucht Getreide oder Mais kein pflugloser Getreideanbau zu erfolgen hat. Maisstoppeln sind restlos zu zerkleinern und vollständig einzuarbeiten.
Nur Nulltoleranz wird zudem beim direkten Import von Saatgut geduldet. Der Verkauf von gentechnisch (GVO) verändertem Saatgut ist in der Schweiz verboten. Vor allem beim Mais, Soja und Raps werden aber in Europa vermehrt immer wieder Posten mit GVO verunreinigtem Saatgut gefunden. «Beim offiziellen Import von Saatgut wird dieses auf GVO-Spuren untersucht. Deshalb darf nur solches Saatgut verwendet werden, welches in der Schweiz über die offiziellen Kanäle gekauft wird», machte Häusler mit aller Deutlichkeit klar. Ein Schadenfall kann schnell einmal einige Hunderttausend Franken kosten.
Es sind mit Blick auf die anstehende Ernte die aktuellen Weltmarktpreise für Getreide wie auch Ölsaaten, welche Druck auf die Schweizer Inlandpreise machen. «Auch uns machen die Importe Sorgen und die guten Ernteaussichten fordern gedämpfte Preise. Weizen der Topqualität mit 14,5 Prozent Eiweiss wird aktuell für 47 Franken je 100 kg an die Grenze geliefert », rief Fortunat Schmid von der GOF in Erinnerung. Beim Raps sorgte die letztjährige Rekordernte für einen Überhang von rund 7000 Tonnen. «Wir stellen auch hier tiefe Weltmarktpreise fest, der Markt verhält sich beim Absatz vom Schweizer Speiseöl eher zurückhaltend», so Schmid.


Roland Müller







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