Ausgabe Nummer 8 (2007)

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Gesamtmelioration Tobel 1979 bis 2006

Langer Weg, Ziele erreicht

Mit der Schlussversammlung am vergangenen Freitag in Tobel hat eines der aufwendigsten Güterzusammenlegungsprojekte im Kanton Thurgau nach 27 Jahren seinen erfolgreichen Abschluss gefunden. Die Verantwortung für den Unterhalt der verbesserten Strukturen liegt nun bei den beiden Politischen Gemeinden Braunau und Tobel- Tägerschen.

Mit grosser Genugtuung durfte Werner Rothenbühler, Präsident der Güterzusammenlegung (GZ), die Grundeigentümer zur Schlussversammlung begrüssen. Die gesteckten Ziele, vordringlich die Schaffung optimaler Voraussetzungen für die Landwirtschaft und eine zweckmässige Erschliessung für eine rationelle Bewirtschaftung des neu arrangierten Grundbesitzes, wurden grösstenteils erreicht. Nach einem eingehenden Rückblick auf den Verlauf dieses enormen Werks wurde den Anwesenden die Schlussabrechnung zur Genehmigung vorgelegt. Die Aufgabe der GZ-Korporation ist offiziell beendet, und das Plenum stimmte ihrer Auflösung zu.

Zuerst genau messen
Projektstart der Güterzusammenlegung war am 12. Dezember 1979 im Rahmen einer Abstimmung unter den betroffenen Grundeigentümern. Das Beizugsgebiet umfasst im Wesentlichen den grössten Teil der heutigen Gemeinden Tobel-Tägerschen und Braunau sowie Randgebiete der Gemeinden Wuppenau, Bettwiesen und Bronschhofen SG.
In den Jahren 1980 bis 1983 erfolgten die exakte Vermessung des ursprünglichen Besitzstandes und die entsprechende Bodenbewertung. Die zahlreichen Einsprachen konnten alle einvernehmlich erledigt werden. Anfang 1984 wurde der generelle Wegnetzentwurf öffentlich aufgelegt, Ende 1985 der Neuzuteilungsentwurf für den Flurbereich, drei Jahre später für den Waldbereich. Der Zusammenlegungserfolg nach unzähligen Verhandlungen der Schlichtungskommission lässt sich in Zahlen folgendermassen zusammenfassen: 920 Hektaren Flurfläche wurde umverteilt, aus einstmals 725 Parzellen wurden 295. 250 Hektaren Waldfläche, ursprünglich 550 Parzellen, wurden zusammengelegt zu 252 Parzellen. Schlussendlich entschieden sich acht Landwirtschaftsbetriebe für eine Aus- bzw. Umsiedelung mit neuen Ökonomiegebäuden. Neben einer besseren Arrondierung für die Landwirte führte dies vor allem auch zu einer spürbaren Entlastung der Dörfer Braunau und Tägerschen von landwirtschaftlichem Verkehr sowie zu einer eindeutigen Reduktion landwirtschaftlicher Immissionen auf das Baugebiet.
Parallel mit der Neuzuteilung wurden auch die Ortsplanungen in den Dörfern überarbeitet und den neuen Infrastrukturverhältnissen und Eigentumsstrukturen angepasst. Nach dem Abschluss der Hauptbauarbeiten in Flur und Wald wurden in den Jahren 1994 bis 1996 die neuen Grundstücke vermarkt. Insgesamt wurden dabei 6892 Grenzpunkte festgelegt.

Strassenbau und Entwässerung
Neben der Modernisierung des gesamten Flurstrassennetzes wurden auch einige baufällige Gemeindestrassen saniert. Im Rahmen der Melioration wurden Flurund Gemeindestrassen auf einer Totallänge von fast 57 Kilometern neu erstellt. Mit dem in den Jahren 1987 bis 1993 erstellten Waldwegnetz wurden die Voraussetzungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung geschaffen. Waldwege auf eine Gesamtlänge von 12,7 Kilometern wurden dabei neu gebaut, bestehende Wege auf einer Länge von 5,3 Kilometern wurden neu ausgebaut.
Für die Erstellung der Detaildrainagen, die Beseitigung alter Grenzgräben, die Strassenentwässerungen und Vorflutleitungen wurden insgesamt über 99 Kilometer neue Leitungen verlegt. Dies bezeugen die 749 neu erstellten Schächte.

Schlussabrechnung
Ein allfälliger Überschuss in der Schlussabrechnung der GZ-Korporation Tobel kommt je zur Hälfte den beiden Politischen Gemeinden Braunau und Tobel- Tägerschen zu Gute, die sich für den Unterhalt der geschaffenen Strukturen verantwortlich zeigen.
Die GZ-Korporation weist in ihrer Schlussabrechnung einen Gesamtaufwand von 25,84 Millionen Franken aus. Finanziert wurde das Werk grösstenteils durch die Investitionsbeiträge des Bundes (8,29 Mio. Franken), des Kantons (9,16 Mio. Franken) und der Gemeinden (1,15 Mio. Franken).
Detaillierte Angaben über den Verlauf des Projekts und über die Schlussabrechnung sind zu finden im «Schlussbericht der Gesamtmelioration Tobel 1979? 2006».

Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband


Durch die neue Flurstrassenunterführung in Tägerschen (Bild) und eine neue
Überführung über die Bahnlinie konnten insgesamt fünf Übergänge über das Bahntrassee
aufgehoben werden. (Bild: zVg)
Durch die neue Flurstrassenunterführung in Tägerschen (Bild) und eine neue Überführung über die Bahnlinie konnten insgesamt fünf Übergänge über das Bahntrassee aufgehoben werden. (Bild: zVg)