Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Gewässerschutz und Pflanzenschutz - zwei die sich vertragen müssen/können

Ausgabe Nummer 12 (2017)

Agroberatungsverein Güttingen und Umgebung

Gleich zur Begrüssung legte der neue Obmann des Agroberatungsvereins Güttingen und Umgebung, Mathias Roth, am kürzlich durchgeführten Informationsmittag «die Karten auf den Tisch» und präsentierte die grossen Negativschlagzeilen auf der Leinwand.
«Wir sind herausgefordert!» lautete sein Fazit bereits bei der Einleitung. In den letzten zwei Jahren jagte in regionalen und nationalen Medien eine schlechte Nachricht die andere. Sei es wegen mehrfacher Gewässerverschmutzungen in der Salmsacher Aach, Pflanzenschutzrückständen in Nahrungsmitteln oder unzähligen Durchfahrten mit Pflanzenschutzgeräten. Selbst das Radio und Fernsehen berichtete darüber. Dazu kommt ein massiver medialer Druck durch die Umweltverbände, welche mit grossen Plakatkampagnen die Bauern unter Generalverdacht stellen Gewässer mutmasslich zu verunreinigen.

Der Agroberatungsverein setzte sich mit seiner Veranstaltung zum Ziel, einen möglichst objektiven Blick auf die Thematik zu gewinnen und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
Aber ist wirklich alles so negativ, wie es in den letzten Jahren den Bauern von den Medien «um die Ohren geschlagen» wurde? Drei müssen es wissen: Heinz Ehmann, Leiter Abteilung Gewässerqualität und -nutzung im Amt für Umwelt, Hermann Brenner, Leiter Pflanzenschutzstelle am BBZ Arenenberg, und Ueli Henauer, Obstbauberater, BBZ Arenenberg. Das Thema interessiert offenbar, denn die vorgesehenen Stühle in der «Seemöve Güttingen» reichten nicht aus, sodass für die rund 55 eingetroffenen Landwirte noch weitere Sitzgelegenheiten herangetragen werden mussten. Ein Zeichen dafür, dass die Landwirte interessiert sind, die Risiken des Pflanzenschutzmitteleinsatzes zu reduzieren. Sie sind bereit zu Korrekturen und Veränderungen, um verantwortungsvoll mit Pflanzenschutzmitteln umzugehen. Entsprechend gross war die Aufmerksamkeit, als Heinz Ehmann von den Untersuchungen berichtete, welche seit 2006 teilweise gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) durchgeführt wurden.
Ausgelöst durch eine unbefriedigende Gewässerbiologie prüfte das Amt für Umwelt seither verschiedenste Thurgauer Bäche auf deren Belastung durch Pflanzenschutzmittel. Dies geschah fallbezogen auch in guter Zusammenarbeit mit einzelnen Landwirtschaftsbetrieben, indem deren Tätigkeit und die ausgebrachten Mittel ebenfalls unter die Lupe genommen wurden. Ergänzend miteinbezogen in das Kontrollgebiet waren auch andere Belastungsquellen wie Sportplätze, das Siedlungsgebiet oder auch Schrebergärten.
In den untersuchten Bächen und Flüssen wurden eine Vielzahl von Wirkstoffen nachgewiesen. Zum grossen Teil lag deren Konzentrationen in einem Bereich, bei dem es nach heutigem Kenntnisstand zu keiner Schädigung der Gewässer kommt. Bei rund 10 % der nachgewiesenen Substanzen wurden so hohe Konzentrationen gemessen, welche die Gewässerbiologie deutlich schädigen.
Ein Teil der Belastungen wurde über Punkteinträge verursacht und stammte von der Hofplatzentwässerung auf dem Bauernbetrieb. Bei Arbeiten, beispielsweise beim Befüllen und Reinigen der Pflanzenschutzgeräte, können konzentrierte Mittel durch die Meteorentwässerung direkt in die Gewässer gelangen und bilden einen gleich grossen Risikoherd wie das Überspritzen von Teerstrassen. Heinz Ehmann ist überzeugt, dass mit den nun abgeschlossenen Kontrollen der Entwässerungen auf Bauernhöfen hier ein grosser Fortschritt erzielt werden konnte. Handlungsbedarf sieht er noch bei diffusen Einträgen. Vor allem nach Niederschlägen gelangen die auf dem Feld eingesetzten Pflanzenschutzmittel über Oberflächenabfluss (Abschwemmung) oder via Drainagen (Auswaschung) in teils deutlich zu hohen Konzentrationen in die Gewässer.

Gewässerschutz und Pflanzenschutz in der gleichen Produktionskette
Nahtlos zu den Ausführungen vom Amt für Umwelt folgt die Information von Hermann Brenner, Pflanzenschutzdienst Thurgau, BBZ Arenenberg. In seiner Vorstellungen des «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel » des Bundes, werden die aufgeführten Themen des Vorredners aufgenommen. Allem voran sind die Erwartungen und Risikowahrnehmung der Bevölkerung in der Konsultationsphase zum Bundesprojekt aufgeführt. Daraus kann entnommen werden, dass für 80 % der Bevölkerung der Pflanzenschutzmitteleinsatz ein Hauptproblem darstellt. Diesbezüglich sieht der «Aktionsplan Pflanzenschutz» vor, die Risiken des Pflanzenschutzmitteleinsatzes um 50 % zu reduzieren. Vorgesehen ist, mit total 50 Massnahmen das Ziel zu erreichen. Erfahrungsgemäss steht dem gegenüber, dass ein Grossteil der Konsumenten trotzdem sehr schöne Früchte im Kaufregal antreffen will. Über den «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel » wird der Bundesrat voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres entscheiden.

Technische Verbesserungen
Hermann Brenner weist in seinem Referat auf die Wichtigkeiten und Neuigkeiten bei den Pflanzenschutzgeräten hin. Von abdriftreduzierenden Düsen bis hin zu eingebauten Spültechniken mit separatem Kreislauf hilft alles mit, Pflanzenschutzeinträge in Gewässer zu reduzieren. Bezüglich Eliminierung der Brühreste zeigt eine gute Feldentleerung und Feldspülung mit bis 90 % Verringerung des Risikos gegenüber der Spülung auf dem Hofgelände.
Auch weist Hermann Brenner auf den unkontrollierten Pflanzenschutzmitteleinsatz bei Abkehrungen und Strassenrändern hin, besteht doch dabei ein grosses Abschwemmrisiko in die Gewässer. Auch hier bieten neue Techniken, zum Beispiel mit GPSgesteuerter Einzeldüsenabschaltung, neue Möglichkeiten.

Gezielter Einsatz mit Punkte-System, aber auch der Kommunikation
Ueli Henauer, Obstbauberater BBZ Arenenberg, informierte über die neusten Abstandsregelungen zu Gewässern, wie auch über die Ausbringtechnik und die abdriftmindernden Massnahmen. Nebst all den gezielten Verbesserungsmöglichkeiten und Einsparungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die Kommunikation sehr wichtig. In einem konstruktiven Dialog mit den Fachpersonen aus dem Gewässerschutz, dem Handel und den Konsumenten ist die Landwirtschaft herausgefordert, auf der einen Seite zur Reduktion der Risiken beizutragen. Auf der anderen Seite müssen auch die wichtigen Funktionen von Pflanzenschutzmitteln zur Sicherung der Qualität und der Erträge dargestellt und erklärt werden.


Bernhard Müller, BBZ Arenenberg


Bei Interesse können die Unterlagen zu den Referaten bei Iris Diliso, BBZ Arenenberg, Telefon 071 663 33 61 oder iris.diliso@tg.ch bezogen werden.










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