Ausgabe Nummer 33 (2004)

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Goodwill gegenüber den Bauern, Skepsis gegenüber der Agrarpolitik

Meinungsumfrage zur Landwirtschaft
 
Goodwill gegenüber den Bauern, Skepsis gegenüber der Agrarpolitik
 
Die jüngste Univox-Umfrage zur Landwirtschaft zeigt, dass in Zeiten von knappen Bundesfinanzen die Agrarpolitik zwar kritischer beurteilt wird. Die Leistungen der Bauern für die Gesellschaft werden aber als hoch bewertet – höher als noch vor ein paar Jahren.
 
«Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung findet die Agrarpolitik des Bundes zu teuer», hiess es in vielen Zeitungen zur im Juni publizierten Univox-Studie über die Landwirtschaft. Das ist nur eines von vielen Ergebnissen der gross angelegten Meinungsumfrage des GfS-Forschungsinstituts, und es ist angesichts der momentan knappen Bundesfinanzen nicht weiter erstaunlich.

Produktion, Umwelt- und Tierschutz
Die Univox-Studie zeigt aber auch, dass die Multifunktionalität den Schweizerinnen und Schweizern sehr wichtig ist. 67 Prozent beurteilen eine «tiergerechte Haltung» als sehr wichtig, für 62 Prozent ist eine «umweltgerechte Bewirtschaftung» sehr wichtig und ebenfalls für 62 Prozent die «Produktion von Lebensmitteln». 43 Prozent der Befragten halten die Landschaftspflege durch die Bauern für sehr wichtig, das sind 5 Prozent mehr als im Jahr 2000, für 45 Prozent sehr wichtig ist die «gesicherte Ernährung in Krisenzeiten», 5 Prozent weniger als vor vier Jahren. Die Besiedelung abgelegener Gebiete wird von 20 Prozent als sehr wichtig erachtet. Das sind 2 Prozent mehr als 2000 und 5 Prozent weniger als 1994 (siehe Abbildung 1).
Die Landwirtschaft steht beim Umweltschutz im Vergleich zu anderen Branchen relativ gut da. Auf die Frage «Sind Umweltschutzmassnahmen gerade genug, oder sollten etwas mehr oder eher weniger ergriffen werden?» antworteten 22 Prozent mit «eher mehr», 66 Prozent mit «gerade genug». Der Handlungsbedarf wird in den Bereichen Transporte und chemische Industrie als wesentlich grösser beurteilt (siehe Abbildung 3).

Mehr Skepsis gegenüber Agrarpolitik
Was die Agrarpolitik angeht, sind 52 Prozent mit der Aussage einverstanden «Die Agrarpolitik verursacht zu hohe Kosten», im Jahr 2002 waren es noch 40 Prozent. 25 Prozent sind damit nicht einverstanden, und 23 Prozent machen keine Angabe. Ferner finden 66 Prozent der Befragten, dass die Agrarpolitik eine umweltgerechte Produktion fördert, 4 Prozent weniger als 2002. 18 Prozent sind nicht dieser Meinung, und 16 Prozent machen keine Angaben. Damit schneidet die Agrarpolitik schlechter ab als im Jahr 2002. Gleichzeitig zeigt sich, dass seit 2002 wieder mehr Personen bereit sind, den Bauern die durch umwelt- und tiergerechte Produktion entstehenden Mehrkosten abzugelten, nämlich 50 Prozent beziehungsweise 46 Prozent im Jahr 2002. Im Jahr 2000 waren es 56 Prozent und im Jahr 1995 waren es noch 63 Prozent.

Ein Herz für Klein- und Bergbetriebe
Interessant sind die Ergebnisse zu Strukturfragen. Mit der Aussage «Ein Teil der Betriebe sollte aufgegeben werden, damit die Verbleibenden konkurrenzfähiger werden können», sind nur 23 Prozent einverstanden, 4 Prozent weniger als vor zwei Jahren und 13 Prozent weniger als 2000. In den Neunzigerjahren war die Tendenz zunehmend, 1990 fanden lediglich 15 Prozent, dass ein Teil der Betriebe aufgegeben werden müsse. Zu den Vorbehalten gegenüber dem Strukturwandel passt auch ein gewisser Goodwill gegenüber Kleinbetrieben. Während im Jahr 2000 nur 56 Prozent der Meinung waren, dass landwirtschaftliche Kleinbetriebe am besten den schweizerischen Verhältnissen entsprechen, sind es heute 65 Prozent. In den Neunzigerjahren waren es allerdings noch mehr, nämlich zwischen 66 und 75 Prozent.
Auch die Bergbetriebe sollen aus Sicht der Schweizerinnen und Schweizer speziell unterstützt werden. Mit der Aussage «Die Berglandwirtschaft sollte speziell gefördert werden» sind 70 Prozent einverstanden, im Jahr 2000 waren es nur 61 Prozent. Im Jahr 1991 unterstützten 82 Prozent diese Aussage, seither ging der Wert kontinuierlich zurück.

Umweltbewusste Bauern, preisbewusste Käufer
Die Befragten haben ein mehrheitlich positives Bild von den Bäuerinnen und Bauern. Zwischen 72 und 84 Prozent glauben, dass für eine Mehrheit der Bauern die Landschaftspflege wichtig ist, dass sie umweltgerecht produzieren würden, wenn die Kosten gedeckt würden, und dass sie bestrebt sind, konsumentengerecht zu produzieren. Nur 25 Prozent nehmen an, dass eine Mehrheit der Bauern ökologische Produktionsformen ablehnt, 27 Prozent glauben, dass die Bauern auf Kosten der übrigen Bevölkerung auch unrentable Betriebe aufrechterhalten wollen. 34 Prozent geben an, privat enge Kontakte zu Bauern zu haben, 3 Prozent mehr als 2002, und erstaunliche 39 Prozent geben an, direkt beim Landwirt einzukaufen.
Positiv äusserten sich die Befragten zu den landwirtschaftlichen Produkten. So sind 62 Prozent der Meinung, schweizerische Produkte seien von besserer Qualität als ausländische. 59 Prozent sind mit der Aussage «biologische Produkte sind von besserer Qualität» einverstanden, 8 Prozent mehr als vor vier Jahren. Schliesslich geben 57 Prozent an, beim Einkaufen grundsätzlich auf den Preis zu schauen, 9 Prozent mehr als im Jahr 2000 (siehe Abbildung 2). 59 Prozent achten beim Einkauf auf Produktdeklaration, 63 Prozent auf die regionale Herkunft. LID
 
 
 
 
 
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