Ausgabe Nummer 7 (2004)

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Grosse Mengen an Douglasien benötigt

dth="30"> Weinlandriesen für das neue Bundesverwaltungsgebäude  
Grosse Mengen an Douglasien benötigt
 
In diesen Tagen werden vielerorts im Zürcher Weinland mächtige Douglasienfichten gefällt. Das Holz dieser speziellen Fichtenart wird für einen Neubau des Bundesverwaltungsgebäudes in Ittigen bei Bern benötigt.  
Hansjörg Stephan misst den Durchmesser der soeben durch ihn gefällten 47 Meter hohen Douglasientanne.
 

Wenn Forstmeister Werner Wirz noch leben würde, würde er heute mit Stolz die verschiedenen Forstbetriebe auf dem Kohlfirst besuchen. Der Forstfachmann wurde 1845 geboren und war von 1876 bis 1922 Forstmeister. Er hatte das Pflanzen der Douglasienfichten (siehe Kasten) als wertvolles und rasch nachwachsendes Fichtenholz in den Wäldern seines Forstkreises sehr stark gefördert. Jetzt wird dank einem Neubau für die Bundesverwaltung in Ittigen bei Bern ein Teil seiner damaligen Saat geerntet: einige der noch sehr zahlreichen rund hundertjährigen Baumriesen werden gefällt. Das Unterstammheimer Säge- und Hobelwerk Keller Konrad AG hat den Auftrag erhalten, rund 1500 Kubikmeter Douglasienholz zu liefern. Dieses wird unter anderem für die Aussenfassaden des neuen Verwaltungsgebäudes für das Bundesamt für zivile Luftfahrt (BAZL) verwendet. «Zu dem Holz vom Kohlfirst und aus anderen
Forstrevieren im Weinland kommen einige Kubikmeter aus dem Kanton Schaffhausen», erklärte Walter Keller vom Unterstammheimer Betrieb. Er zeigt sich zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen die notwendige Menge beschafft werden kann. Das Rundholz wird direkt nach der Anlieferung im eigenen Sägewerk geschnitten, getrocknet und je nach Verwendung verleimt, gehobelt und nötigenfalls mit Kehlzinggen versehen.
Es zeigt sich immer wieder, dass sich Douglasienfichten, die ursprünglich von der Westküste Nordamerikas kommen, bei uns sehr heimisch fühlen. Trotz angespanntem Nutzholzmarkt lassen sie sich als beliebtes Bauholz gut verkaufen. Der Sturm Lothar bewies, dass sie eine grosse Standfestigkeit aufweisen, und es scheint, dass die Borkenkäfer diese Baumart nicht mögen. Das Pflanzen von jungen Douglasien wurde vielerorts gefördert.

Douglasie
Die Douglasie (Pseudotsuga menziensii) stammt von der Westküste Nordamerikas. Seit Mitte des vorletzten Jahrhunderts wird sie auch in den Wäldern Europas angepflanzt. Im Herkunftsgebiet gehören die Douglasien zu den grössten Bäumen überhaupt. Baumhöhen von mehr als hundert Metern und Durchmesser von über zwei Metern sind keine Seltenheit. Auch bei uns erbringen die Bäume beachtliche Wuchsleistungen. Der Baum gedeiht besser an eher trockenen Standorten.
Auffallendes Kennzeichen sind die sehr breiten und scharf abgrenzenden Jahrringe, die auf das äusserst schnelle Wachstum hinweisen. Mittlerweile ist das Holz auch in der Schweiz heimisch und erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Es zeichnet sich durch Eigenschaften wie hohe natürliche Dauerhaftigkeit, hohe Tragfestigkeit, Widerstandsfähigkeit und die schöne Färbung aus. Bei Nässe quillt das Holz nur wenig auf, und es behält beim Trocknen weitgehend die Form. Dank diesen Eigenschaften ist es gegen Umwelteinflüsse sehr resistent und eignet sich für den Einsatz an Fassaden. Nachteilig ist, dass dieses Holz praktisch nicht vernagelt werden kann, sondern verschraubt werden muss. (romü)


Wehmut und Achtung
Der Uhwieser Revierförster Hansjörg Stephan ist am frühen Mittwochmorgen damit beschäftigt, eine mächtige, 47 Meter hohe Douglasienfichte anzuschroten und die grossen Wurzelanläufe abzutrennen. Sorgfältig bringt er den Fallkeil an, um den Baum möglichst schonend zu fällen. Er führt den Fällschnitt so weit aus, bis nur noch Muskelkraft nötig ist. Nach einigen Schlägen mit dem Spalthammer neigt sich die Fichte langsam und fällt exakt in die vorgegebene Richtung. Danach liegt der mächtige Riese am Boden. Bei diesem Anblick empfindet sogar der erfahrene Förster Stephan etwas Wehmut und Achtung für den mächtigen Stamm. Am Stock weisst der Baum einen beachtlichen Durchmesser von 1,25 Meter auf und gehört somit zu den grössten in dem Revier. Nach einer eher zögerlichen Jungbaumphase war sein Zuwachs in einzelnen Jahren über ein Zentimeter. Die Auszählung der Jahrringe zeigt, dass diese Douglasie hundert Jahre brauchte, um diese Ausmasse zu erreichen. Mit dem Dolden- und Astmaterial wird der Baum an die 16 bis 20 Kubikmeter Holz bringen. Allein der unterste Stammteil von zehn Meter Länge bringt acht Kubikmeter Nutzholz. Die weiteren 20 Meter können ebenfalls als Nutzholz für das Grossprojekt verwendet werden. Gesamthaft werden von dieser einzigen Douglasie etwa 12 bis 14 Kubikmeter Rundholz anfallen. Stephan hat bereits mehrere von diesen riesigen Bäumen gefällt.
Sofort nach dem Fällen beginnt Forstwart Harry Frei mit dem Entasten. Einzelne Äste weisen einen beachtlichen Durchmesser von 12 bis 15 Zentimeter auf. Anschliessend muss der mächtige Baumriese mit dem Forsttraktor an die Waldstrasse gerückt werden, damit er für die weitere Verarbeitung im Unterstammheimer Sägewerk abtransportiert werden kann. Die ganze Kraft des Spezialschleppers ist nötig, damit die untersten zehn Meter des Baumes abtransportiert werden können.