Ausgabe Nummer 39 (2006)
Grosse Tafeltraubenernte wird erwartet
Thurta Tafeltrauben - eine unterstützungswürdige Nischenproduktion
Die Thurgauer Tafeltraubenproduzenten schätzen in diesem Jahr eine Ernte von rund 54 000 Kilogramm. Im 2005 wurden 16 000 Kilogramm Thurgauer Tafeltrauben vermarktet.«Auf dem bekannten Rebbaubetrieb von Ruedi und Anita Kägi-Keller in Niederneunforn wolle man zeigen, dass im Thurgau nicht nur vorzügliche Weintrauben, sondern auch schmackhafte Tafeltrauben gedeihen», sagte Karl Leugger, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Tafeltraubenproduzenten Thurgau (Thurta), an der gestrigen Medienkonferenz. Nach seiner Meinung half das Zusammenspiel vom Wissen der Winzer und demjenigen der Obstbauern beim Anbau der neuen Kulturen.
«Die Tafeltraube ist weltweit die bedeutendste Früchteart, die am meisten konsumiert wird», erklärte Bruno Hugentobler, Leiter Fachstelle Obst- und Rebbau Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ), Arenenberg. Deshalb würden jährlich rund 40 000 Tonnen in die Schweiz importiert. Ein Selbstversorgungsgrad von 5 Prozent ergebe somit eine Produktionsfläche von 120 bis 180 Hektaren mit rund 2 000 Tonnen Tafeltrauben.
Konsumentenbedürfnisse berücksichtigen
Die Thurta fördere deshalb die Tafeltraube für die Erwerbsproduktion. Nach Meinung von Hugentobler sollen Sorten angebaut werden, die den Bedürfnissen der Konsumenten entsprechen. Er erwartet nach der aktuellen Ernteschätzung auf den neun Hektaren im Thurgau 49 700 Kilogramm Tafeltrauben der Extraklasse, 3 700 Kilo der Klasse I und 16 800 Kilo Safttrauben. 24 Prozent werden Lillatrauben, 21 Prozent Muscat bleu und je 13 Prozent Tafeltrauben der Sorten Fanny und Nero sein. Zu den erfreulichen Ernteerwartungen führten die günstigen Wetterverhältnisse und die Vollertragsphase eines Teils der Rebstöcke.
Hohe Kapitalinvestitionen in der Erstellung
«Die Thurta Tafeltrauben werden eine willkommene, unterstützungswürdige Nischenproduktion sein», ist Christian Krebs, Präsident Früchtezentrum Tafeltrauben Schweizerischer Obstverband, Güttingen, überzeugt. Nach seinen Aussagen erfordern Tafeltraubenkulturen bei unseren Standortbedingungen hohe Kapitalinvestitionen in der Erstellung und verlangen einen hohen Arbeitseinsatz während der Sommermonate und Ernte von rund 1000 Stunden je Hektare. Die Preisentwicklung bei den Importtrauben liege unter 50 Prozent der Schweizerischen Produktionskosten. Beim witterungsgesützen Freilandbau wie er hier nötig sei, betrage der Produzentenpreis rund 4 Franken je Kilo, erklärt Krebs.
Frische Früchte im Trend
«Frische Früchte liegen weiter im Trend», weiss Philippe Züllig, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Neukirch-Egnach und Vermarkter der Thurta-Trauben. Seit dem 18. September führt die Migros Ostschweiz in 70 grösseren Filialen und verschiedene Coop-Filialen der Ostschweiz, Graubünden und Tessin die frischen «Vitaminspender» vom Bodensee. «Gesundheit und Ökologie sind den Konsumentinnen und Konsumenten sehr wichtig, was den Kauf von Tafeltrauben aus der Region bestärken soll», so Züllig.
Mario Tosato

Die Thurgauer Tafeltrauben-Pioniere (v. l.): Ruedi Kägi, Philippe Züllig, Bruno Hugentobler, Karl Leugger und Christian Krebs.(tos)
