Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Grossen Kirschenernten - eine Herausforderung an Lagerung und Vermarktung

Ausgabe Nummer 26 (2014)

Zentrales Thema der Kreisversammlung der Steinobstkommission Thurgau/St. Gallen bildeten Empfehlungen zur sofortigen Kühlung nach der Ernte.

Die Steinobstkommission Thurgau/St. Gallen führte ihre Kreisversammlung 2014 vom 17. Juni auf dem gastgebenden Betrieb von Ralph (junior) und Kurt Gilg (senior) durch. Ralph Gilg führte die Kommissionsmitglieder durch die Kirschenanlagen mit der Demonstration eines besonders benutzerfreundlichen Folienüberdachungs-Systems. Danach leitete Thomas Lehner, Präsident der Steinobstkommission Thurgau/St. Gallen, die Kreisversammlung 2014. Die Ernteaussichten beim Steinobst schätzte er für die Ostschweiz auf 780 Tonnen. Die Terminierung liegt zehn Tage früher als im Vorjahr. Aus dem nationalen Produktzentrum informierte Lehner, dass aufgrund des Flächenzuwachses für Kirschenanlagen eine grosse Kirschenernte (Klasse Premium + 17 Prozent; Klasse Extra + 63 Prozent) zu erwarten ist. Dies erfordert vermehrte Marktanstrengungen, insbesondere genaue und verlässliche Erntemeldungen. Er informierte, dass die Verkaufsaktivitäten bereits ab der 26. Kalenderwoche einsetzen und bis zur 30. dauern. Die Produzentenrichtpreise bewegen sich auf Vorjahresniveau. Die Importregelung war zum Zeitpunkt der Versammlung noch nicht entschieden. Die Zwetschgenmenge 2014 werde erst noch geschätzt. «Wir erwarten für Zwetschgen eine gute bis sehr gute Ernte», so Lehner. Abschliessend orientierte er über die Zukunft des Steinobstforschungszentrums Breitenhof.

Lagererfolg und -beständigkeit
Das Produktzentrum habe das konstruktive Gespräch mit dem Breitenhof gesucht und seine Forderungen nach einer praxisbezogeneren Forschung vorgebracht. Eine dieser Forderungen lautet, dass wissenschaftliche Ergebnisse innerhalb eines nützlichen Zeitraums erarbeitet und zur Verfügung gestellt werden. Nun bleibe man im Gespräch und warte künftige Entwicklungen ab, ob der Breitenhof seine Forschung stärker an den Bedürfnissen der Produktion orientiert.
Unter dem Titel «Wie kommt die Baumfrische zum Kunden?» informierte Werner Stuber, tätig in Früchteeinkauf/ Beratung bei der Tobi Seeobst AG, über die Kühlung nach der Ernte, der erste Qualitätsgarant für optisch und geschmacklich einwandfreie Kirschen. Da in den nächsten Jahren sehr grosse Kirschenernten zu erwarten sind, wird der Handel die Kirschen über mehrere Tage oder gar Wochen lagern. Stuber schilderte, dass beispielsweise der Wasserverlust (Stiel) eine Stunde nach der Ernte bei 21 Grad gleich gross ist wie nach einer Woche Lagerung bei 0 Grad. Die sofortige Kühlung verbessert unter anderem Lagererfolg und -beständigkeit. Das Erntefenster wird (leicht) erweitert, der Schwund verringert und der Fäulnisbefall am Lager verzögert. Er stellte fest, dass es auf Stufe der Produktion mehrere, dem Betrieb angepasste Möglichkeiten der Kühlung nach der Ernte gibt.

Ziel: Lückenlose Kühlkette
Als Wunschszenario bezeichnete Stuber das Vorhandensein eines mobilen Wasserbads in der Anlage, die das sofortige Eintauchen der gefüllten Gebinde erlaubt. Wenn kein Kühlraum vorhanden ist, ist ausgedehntes Abduschen der Früchte mit kaltem Wasser und Abdecken mit sauberen Tüchern und Blachen (in nicht zu grossen Stapeln) eine gute Massnahme. Stuber informierte über den Einsatz von Hydrocooling-Geräten: Diese ermöglichen, die Früchte während zehn Minuten bei zwei Grad kaltem Wasser abzuduschen. Dies gewährleistet eine Temperatursenkung von 28 auf 6 Grad in zehn Minuten. Erklärtes Ziel auf Stufe der Vermarktung ist es, die Vorarbeiten der Produzenten weiterzuführen und die Früchte sofort einzulagern. Die Eingangskontrolle legt anhand der Sorte, Qualität, Erntezeit und Witterung den weiteren Weg des Postens fest. Für die Kurzzeitlagerung (zwei bis vier Tage) werden angelieferte Posten bei 2 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit weiter gekühlt/befeuchtet. Für die längere Lagerung (bis vier Wochen) erfolgt die Abkühlung auf 1 Grad/95 Prozent Luftfeuchtigkeit und dem Einstellen der CA-Bedingungen (CO2 15 Prozent/O2 1 Prozent). Die vorgeschriebene Kerntemperatur bei Ankunft in der Verteilzentrale beträgt maximal 12 Grad. Stuber räumte ein, dass Tobi zwischen dem Transport vom Produzenten nach Egnach und den Packarbeiten noch Lücken in ihrer Kühlkette erkannte, an deren Behebung werde gearbeitet.


Isabelle Schwander










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