Ausgabe Nummer 17 (2009)
Grosses Interesse an der Domäne St. Katharinental
Auf die Ausschreibung der Staatsdomäne St. Katharinental in Diessenhofen meldeten sich rund 150 Pachtinteressenten. Die Evaluation hat begonnen.
Unter dem momentanen Pächter Walter Schmid und seiner Familie hat die Staatsdomäne St. Katharinental in den letzten 15 Jahren den Ruf eines Vorbild- und Vorzeigebetriebs erlangt. Schmid kündigte den Pachtvertrag aus Altersgründen. Gerade im Ackerbau übernahm der bisherige Pächter eine Pionierrolle, ist sich Markus Harder, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, bewusst. Deshalb sei das grosse Interesse an der Staatsdomäne nicht überraschend.
Grösster Ackerbaubetrieb im Thurgau
Laut Harder ist die Staatsdomäne St. Katharinental, zwischen Rhein und Diessenhofen liegend, der grösste Ackerbaubetrieb im Thurgau. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 103 Hektaren. Davon sind 66 Hektaren bewässerbar. Die leichten, kiesigen Böden eignen sich für den Getreidebau- und Hackfruchtbau. Die Zuckerquote beträgt 169 400 Kilogramm. Wohnhaus und Garten sind ausgesprochen grosszügig gebaut und angelegt. Bei einer Neukonzeptionierung des Betriebes im Jahr 1985 ging man von einer Betriebsleiterfamilie mit einer Haushaltlehrtochter und vier landwirtschaftlichen Angestellten aus. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft kommt der Betrieb heute mit bedeutend weniger Arbeitskräften aus.
Kein Golfplatz auf der Staatsdomäne
«Ziel der Staatsdomäne St. Katharinental ist eine nachhaltige Bewirtschaftung, in deren Zentrum die langfristige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit steht», stellt Harder fest. Zweckmässige Gebäude für die Tierhaltung seien zur Zeit nicht vorhanden. Denkbar sei jedoch eine Kombination des Ackerbaus mit Mutterkuh- oder Schafhaltung zur Nutzung der Grünfl ächen. Der Chef des Landwirtschaftsamtes bekräftigt, dass die Milchviehhaltung sowie der Intensivgemüsebau ausgeschlossen seien. Aufgrund der sensiblen landschaftlichen Lage sei eine grossflächige Abdeckung der Kulturen mit Folien oder ähnlichen Hilfsmitteln nicht erwünscht. Ebenso klar spricht sich die Thurgauer Regierung gegen einen Golfplatz aus. Hingegen könnte er sich vorstellen, dass eine Randparzelle für eine Driving-Ranch genutzt werden könnte.
Grosser Einsatz und viel Berufswissen gefordert
Diese Situation erlaube und verlange von der Pächterfamilie, Pächter oder Pächterin viel Eigeninitiative und überdurchschnittlichen Einsatz von Berufswissen. «Wir stellen uns eine ausgewiesene Fachperson vor, die auf mehrjährige praktische Erfahrung bauen kann, die wirtschaftlich unabhängig ist und in einem stabilen sozialen Umfeld lebt und getragen wird», so Harder. Erfahrungen als Betriebsleiter oder -leiterin seien sicher von Vorteil.
Pachtvertrag soll Ende Sommer stehen
Harder freut sich über das überaus grosse Interesse an der Staatsdomäne St. Katharinental. Er ist aber überzeugt, dass sich nach Kenntnisnahme der Details viele, auch wegen der benötigten fi nanziellen Mitteln, zurückziehen werden. So werden sich schliesslich noch rund 30 bis 40 Interessierte ernsthaft um die Staatsdomäne bewerben. Er geht davon aus, dass man dann mit rund 12 Bewerbern Gespräche führen wird. Die am besten Geeigneten sollen dann dem Regierungsrat vorgelegt werden. Harder hofft, dass der neue Pachtvertrag, der am 1. Januar 2010 beginnt, Ende Sommer unterschrieben werden kann. So soll der neue Pächter bereits Gelegenheit erhalten die Saaten für das kommende Jahr zu beeinfl ussen.
Mario Tosato
