Ausgabe Nummer 47 (2008)

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Grosses Potenzial im Ausser-Haus-Konsum

Biobauern befassten sich in Lindau und Landquart mit ihrer Zukunft

Die Biobauern analisierten am Biotag des Verbunds «Bioberatung Plantahof-Strickhof » die detaillierte Umfrage, die sich mit der Gegenwart und der Zukunft des Biobaus befasst.

Der Verbund «Bioberatung Plantahof- Strickhof» organisierte zum zweiten Mal einen Fachanlass für Biolandwirte und weitere interessierte Kreise. Dabei wurde in die Zukunft der Biobauern geschaut. Im Zentrum stand die Diskussion zur Umfrage des Biolandbaues in der Schweiz. Laut Erik Meier, Mitarbeiter Fachstelle Biolandbau, Strickhof, wurden 2485 Biobauern aus der ganzen Schweiz mit detaillierten Fragebogen bedient. 398 oder 16 Prozent dieser Fragebogen wurden wieder zurückgesandt, was einem guten Rücklauf entspreche. 149 Biobauern sprachen sich dafür aus, das bisherige System beizubehalten, 83 würden ein Bonuspunksystem bevorzugen.

Bioangebote auch in Grossküchen präsentieren
Zu Beginn der vielbeachteten Podiumsdiskussion stellte Biobauer und Nationalrat Andrea Hämmerle fest, dass Bio in der Schweiz richtig aufgestellt sei. Wichtig sei es nun, dass man sich gegen die Biorichtlinien der EU und Bundes-Bio durchsetzen könne. Sara Stalder, Geschäftsführerin Stiftung für Konsumentenschutz, wies darauf hin, dass heute rund 50 Prozent ausser Haus konsumiert werde. Heime, Kantinen und Spitäler würden zu einem grossen Teil von der öffentlichen Hand betrieben. Wichtige Ansprechspartner für die Biobranche seien aber auch die privaten Gastronomiebetriebe. In diesen Bereichen sieht Stalder ein grosses Potenzial. Als gutes Beispiel wurden die 140 Coop-Restaurants dargestellt, wo immerhin Kalbfleisch oder Gemüse in Knospenqualität angeboten werde. Wichtig sei, dass man den Verantwortlichen der Grossküchen das reichhaltige Bioangebot kompetent vorstelle.

Biorichtlinien neu überarbeiten
«Die Biokontrollen sind nicht das Problem, sondern der Wald der Richtlinien», glaubt Markus Arbenz, Geschäftsführer Bio-Suisse.
Laut Befragung begrüssen 83 ein Bonussystem, 122 Befragte können sich ein solches System nicht vorstellen, weil es zu schwammig ist und gar nicht gerecht beurteilt werden kann. 149 möchten beim bisherigen System bleiben, weil es sich bewährt hat.
Heiss diskutiert wurde auch der Bereich Energie und Biolandbau. Während 62 Biobauern ein System mit Energiebilanzen sofort ausarbeiten wollen, möchten 121 keine Energiebilanzen und auch kein separates Vorgehen im Biolandbau. Die Werbung von Bio-Suisse ist für 69 Bioproduzenten in Ordnung. 226 fordern, dass die Werbung unbedingt auch erklären und den Konsumenten die wirklichen Zusammenhänge aufzeigen soll. 69 glauben, dass man das Geld für die Knospenwerbung sparen kann. Die besten Werber seien immer noch die Bäuerinnen und Bauern im Gespräch mit den Konsumentinnen und Konsumenten.

Diskussionen um gerechte und transparente Preise
Unterschiedlich waren die Ansichten auch zu fairen und gerechten Preisen, Preisbildung und Preistransparenz. 215 Biobauern sind der Meinung, dass auch kleinere Betriebe und Nebenerwerbsbauern gefördert werden sollten. Zu reden gaben auch die Direktzahlungen und die höheren Produktionskosten, welche mit höheren Biobeiträgen abzugelten seien. Thematisiert wurde auch die Vermarktung insbesondere von Biofleisch. Der Abschluss der Biotage bildeten die Workshops zu den Themen: «Konsum: Wieso ist es nicht möglich, mehr Biofleisch zu verkaufen? Was ist zu tun?», «Brauchen wir die Knospe zur Vermarktung unserer Produkte» und «Politik: Wo und wie können wir mitbestimmen?»

Mario Tosato


Sara Stalder (SKS), Nationalrat Andrea Hämmerle und Daniel Grüber (von links nach
rechts) diskutieren über die Zukunft der Biobranche.(tos)
Sara Stalder (SKS), Nationalrat Andrea Hämmerle und Daniel Grüber (von links nach rechts) diskutieren über die Zukunft der Biobranche.(tos)