Ausgabe Nummer 8 (2006)

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Gründung einer Stiftung umstritten

Über 300 Milchproduzenten äusserten sich zur Zukunft der TMP

Gründung einer Stiftung umstritten

An vier regionalen Veranstaltungen wurde die Zukunft des Verbandes Thurgauer Milchproduzenten diskutiert. Die Gründung einer Stiftung löst Misstrauen aus.


Alfred Ernst, Ruedi Schnyder
und Ernst Felix (von links)
informierten über den Alleingang
der Thurgauer Milchproduzenten.
(tos)
An vier Veranstaltungen in Sommeri, Märstetten, Pfyn und zum Schluss am letzten Dienstag in Wängi diskutierten jeweils gegen 80 Milchproduzenten die Vorschläge des Vorstandes der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) zur Zukunft ihres Verbandes und zur Sicherung des Verbandsvermögens in der Höhe eines zweistelligen Millionen-Frankenbetrages. In seinem Grusswort freute sich Ernst Felix, Vorstandsmitglied TMP, über das grosse Interesse zur Zukunft des Verbandes. Mit dem Ausstieg aus der Milchkontingentierung werden gewisse Aufgaben von den Produzenten-Organisationen (PO) oder den Produzenten-Milch-Organisationen (PMO) übernommen. Deshalb müssen sich die Milchproduzentenverbände gesamtschweizerisch neu ausrichten.

Für Alleingang entschieden

Nach den Ausführungen von Ruedi Schnyder, Präsident TMP, hat sich der Vorstand in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe intensiv mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinander gesetzt. Zur Diskussion stand auch eine Fusion mit dem Milchverband Winterthur und dem Milchverband St. Gallen-Appenzell. Während sich diese beiden Verbände für einen Zusammenschluss entschieden, wählte der TMP den Alleingang. Damit könne die Basis besser wahrgenommen werden. Auch die Zusammenarbeit mit den kantonalen Amtsstellen, Verbänden und Organisationen könne im bewährten Rahmen weitergeführt werden. Schnyder gab unumwunden zu, dass die finanziellen Verhältnisse der Verbände mit ausschlaggebend für den Alleingang waren. Das Verbandsvermögen der beiden anderen Verbände sei im Verhältnis zur Mitgliederzahl wesentlich kleiner als jenes der Thurgauer. Der TMP würde den Einfluss auf seine eigenen Gelder verlieren. Nach den verschiedenen Voten zu schliessen, bevorzugen die Basismitglieder den Alleingang.

Vorbehalte gegen Stiftungsgründung

Um die Erhaltung der Vermögenserträge zu Gunsten der Thurgauer Landwirtschaft insbesondere der Milchproduzenten zu sichern, schlägt der Vorstand die Gründung einer Stiftung vor. Der Stiftungszweck müsse möglichst weit gefasst werden, ist Alfred Ernst, Geschäftsführer TMP, überzeugt. Der Stiftungsrat soll aus mindes-tens fünf Mitgliedern bestehen, von denen mehr als die Hälfte aktive Milchproduzenten sein müssen. Der Stiftungsrat soll vom Vorstand gewählt werden. Existiert der TMP nicht mehr, so erneuert und konstituiert sich der Vorstand nach Ernsts Ausführungen selbst. Aus der Versammlungsmitte wurde Kritik laut. Viele Milchproduzenten möchten, dass der Stiftungsrat von der Delegiertenversammlung gewählt werden soll. Auch sollte der Stiftungsrat der Delegiertenversammlung Rechenschaft ablegen.

Verbandsbeiträge abschaffen

Im letzen Teil der Versammlung stellte Schnyder die Statutenrevision der TMP zur Diskussion. Als wichtigste Neuerung wird der Vorstand an der Delegiertenversammlung vom Donnerstag, 13. April 2006, beantragen, den Verbandsbeitrag von 5 Rappen pro 100 Kilogramm Milch abzuschaffen. Der TMP soll aus den Vermögenserträgen des Verbandes finanziert werden. Nach eingehender harter, aber fairer Diskussion füllten die Versammlungsteilnehmer einen Fragebogen zu den drei Themenkreisen Alleingang, Gründung einer Stiftung und Statutenrevision aus. Die Resultate dieser Fragebögen werden die Grundlage der Anträge zu Handen der Delegiertenversammlung bilden.

Mario Tosato