Ausgabe Nummer 7 (2009)

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Güllen im Februar – in der Regel nicht möglich

Es braucht Nerven in der zweiten Winterhälfte. Kaum ist der Schnee geschmolzen und die Böden befahrbar, steigt die Versuchung, einen Acker zu pflügen oder Gülle auszubringen. Erfahrene Landwirte wissen, dass das ganz gut sein kann. Die Bodenbearbeitung ist einfacher, wenn man die Frostgare noch nutzen kann und frühe Gülle hat bei günstigen Bedingungen eine gute Stickstoffausnutzung. Leider sind diese positiven Effekte mit hohen Risiken verbunden. Zu nass pflügen ist dumm, den langjährigen Schaden der Bodenverdichtung trägt der Landwirt selber. Güllen auf gefrorenen Boden ist hingegen verboten, weil der Schaden nicht Privatsache ist, sondern ein Umweltrisiko darstellt und zu Gewässerbelastungen führt. Deshalb bestehen auch Vorschriften, die zwingend einzuhalten sind – auch wenn die Güllegrube Mitte Februar bis oben voll ist! – Was können Betroffene in dieser Situation tun?

Die Vorschriften sind klar und praxisgerecht
Wenn das Wetter gut scheint, sitzt niemand zuerst an den PC und sucht unter www.umwelt.tg.ch ? Landwirtschaft ? Hofdünger die Checkliste zum Thema Güllen. Dies ist auch nicht nötig, denn die wesentlichen Checkpunkte sind einfach:
  1. Boden saugfähig (nicht nur die obersten fünf Zentimeter!)
  2. Boden nicht gefroren: Ein Schraubenzieher Grösse Nr. 4 lässt sich ohne Mühe bis zum Schaft einstecken, und der Boden sollte auch in tieferen Schichten nicht gefroren sein.
  3. Nährstoffbedarf der Pflanzen muss gegeben sein.
  4. Wetteraussichten ohne oder mit wenig Niederschlag.
Wer feststellt, dass einer dieser Punkte nur knapp erfüllbar ist, soll sich hinsetzen und sich anhand der Checkliste genau vergewissern, ob er ein Risiko eingeht oder nicht. Auf jedem Betrieb gibt es zudem «frühere» und «spätere» Parzellen. Es braucht auch etwas bäuerliches Fingerspitzengefühl.

Was heisst Fingerspitzengefühl in Sachen Gülle?
Jeder Merkpunkt der Checkliste beinhaltet auch Ermessensspielraum. Wer Fingerspitzengefühl hat, wird den gegebenen Spielraum beim Güllen nicht maximal ausschöpfen, weil dies zu Gewässerbelastungen, einem Imageschaden und schnell zu einer Anzeige führen kann.

Problemlösung: Fremde Güllengrube suchen
Ist die Güllegrube voll und kein Güllewetter in Sicht, führt kein Weg daran vorbei, irgendwo eine Güllegrube mit freiem Platz zu suchen. Manchmal ist das in der Nachbarschaft möglich, oft muss man auf grössere Distanzen suchen. Selbstverständlich gibt das etwas Aufwand. Dieser steht aber nicht im Verhältnis zum Risiko, welches eine nicht zeitgemässe Ausbringung mit sich bringt. Also greifen Sie zum Telefon!

Das ist zu beachten bei fremden Güllegruben:
Wer eine Güllegrube zur Nutzung abgibt, will Fragen geklärt haben, bevor er ja sagt. Wenn Sie anfragen, knausern Sie deshalb nicht mit den Informationen. Halten Sie sich deshalb bereit, auf die Fragen am andern Ende der Telefonleitung eine passende Antwort zu geben, oder noch besser, schaffen Sie von Anfang an Klarheit mit den Fakten.
Selten kann jemand am Telefon sagen, wie viele Kubikmeter Gülleraum er zur Verfügung hat. Machen Sie einen Termin ab und vergewissern Sie sich vor Ort. Das gibt auch Gelegenheit, zu klären, ob die Zufahrt zur Grube ein grosses Güllefass überhaupt erträgt, ob das Rührwerk funktioniert und ob die Grube nicht schon halb mit Wasser oder mit Abfall gefüllt ist. Vereinbaren Sie auch verlässlich, wann die Gülle wieder abgeholt wird. Die Benützung einer fremden Güllegrube ist auch etwas Wert, also soll auch eine Miete vereinbart werden. Am besten erkundigen Sie sich vorher, was ein angepasster Mietpreis ist. Im Bedarfsfall kontaktieren Sie die Beratung vom BBZ Arenenberg, Telefon 071 626 10 50,Weinfelden, oder 071 663 33 07, Arenenberg.

Was tun im absoluten Notfall?
Wenn keine Lösung gefunden werden kann, sollte man sich beim Amt für Umwelt melden und das weitere Vorgehen klären,Telefon 052 724 26 03.

Volle Güllegrube Mitte Februar: Ursachen klären!
Was ist die Ursache? Grube zu klein? Zu viel Bodensatz in der Grube? Wasser hineingelaufen? Zu wenig Gülle ausgebracht im Herbst? – Oder ganz einfach spekuliert auf einen frühen Frühling? Um zukünftige prekäre Situationen zu vermeiden, sollte den Ursachen nachgegangen werden und eine definitive Lösung gesucht werden.

BBZ Arenenberg, Acker- und Futterbau und Betriebsberatung


Güllegrube gesucht?
Gülleraumbörse beim MBR Thurgau


Nachbarschaftshilfe wäre die kostengünstigste Lösung. Meistens geht das nicht, oder sicher nicht auf Anhieb. Wenn Sie es schon versucht haben, aber erfolglos, bietet der MBR Thurgau ab sofort versuchsweise eine Gülleraumbörse. Wer braucht Gülleraum? Wer hat Kapazität in seiner Grube? Bitte melden unter Telefon 052 366 46 06.