Ausgabe Nummer 34 (2007)

zurück zur Übersicht

Güttinger-Tagung 2007

Volkswirtschaftsdirektor bekennt sich zum Obstbau

Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer versprach, dass der Regierungsrat alles daran setzen werde, dass der Kanton Thurgau im Obstbau auch in Zukunft in der obersten Liga spielen könne.

«Der Obstbau gehört zum Thurgau wie der Löwe ins Thurgauer Wappen», stellte Regierungsrat Kaspar Schläpfer, Chef Departement für Inneres und Volkswirtschaft (DIV), in seiner Ansprache vor rund 300 Personen an der Güttinger-Tagung fest. Ob das bisherige gewohnte Landschaftsbild auch künftig so erhalten bleibe, hänge weitgehend von den noch zu treffenden Massnahmen ab. Seinen Aussagen nach müssen kranke Bäume ersetzt werden, um das gewohnte Landschaftsbild zu erhalten. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass das Nebeneinander von Erwerbsobstbau, Streuobst, Zufallsproduktion und ökologischen Wirtspflanzen aus Sicht des Feuer- brands eine zusätzliche Gefahr bedeute. Die diesjährige explosionsartige Ausbreitung des Feuerbrands bestätigen diese Erfahrungen auch in der Schweiz. Unter Fachleuten sei daher unbestritten, dass eine örtliche Trennung von Niederstammanlagen und Hochstamm-Feldobstbäumen unerlässlich sei. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Obstproduktion, der Obstverwertung, der Natur- und Umweltschutzorganisationen sowie der Beratung nehmen sich dieser Thematik an. Schläpfer bekräftigte, dass der Regierungsrat alles daransetzen werde, dass der Thurgau im Obstbau auch in Zukunft in der obersten Liga spielen könne. Bei der konsequenten Bekämpfung des Feuerbrandes scheine der Einsatz von Streptomycin unvermeidbar.

Lob für BBZ Arenenberg
Jean-Philipp Mayor, Direktor Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW), stellte in seinem Grusswort fest, dass die Bäuerinnen und Bauern Agroscope bei einer Umfrage sehr gute Noten erteilten. Dabei sei die Bedeutung der Forschungsarbeit für die Zukunft der Landwirtschaft sehr hoch eingestuft worden. Dennoch werde das Budget von Agroscope als Folge des Entlastungsprogramms der Aufgabenverzichtsplanung des Bundes bis 2008 auf 102 Millionen Franken um mehr als sechs Prozent sinken. Laut Mayor sind im Obstbereich für die Periode 2008 bis 2011 mit zwei Prozent nur geringe Sparmassnahmen geplant. Mayor lobte die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen ACW und dem BBZ Arenenberg.

Noch keine Alternative zu Streptomycin
Auf grosses Interesse stiessen die Ausführungen von Werner Baumann Landesamt Bodenseekreis, Friedrichshafen, zum Einsatz von Streptomycin. Der Wirkungsgrad liege bei 88 Prozent. Baumann betonte, dass der Einsatz dieses Antibiotikums in Deutschland nur unter rigorosen Vorschriften und unter strengen Kontrollen erfolge. Nach intensiver Forschung und Versuchen bleibe im Augenblick nur das Streptomycin als effektives und für die Praxis gut einsetzbares Pflanzenschutzmittel gegen Feuerbrand übrig. Trotz Streptomycin dürfe aber das Zurückschneiden befallener Äste nicht vernachlässigt werden. In Deutschland stelle sich die Frage, was mit befallen Hochstämmern, angrenzend an Erwerbsobstbau-Parzellen geschehe. Laut Baumann muss bis zum nächsten Frühjahr das Infektionspotenzial in den Anlagen und im Umfeld der Erwerbsanlagen auf das Minimum reduziert werden. Das schliesse in Deutschland die Rodung der angrenzenden, befallenen Hochstämmer nicht aus. Dass der Bund für den Streptomycin-Antrag noch einige Monate zur Bearbeitung benötige, wurde nicht unbedingt mit Verständnis aufgenommen. Zwar müssen sich mehrere Bundesämter mit der Bewilligung befassen, doch könne man davon ausgehen, dass dieses Dossier mehr als höchste Priorität habe. Im Thurgau steht die vorsorgliche Feuerbrandbekämpfung an erster Stelle, so Urs Müller, BBZ Arenenberg. Die vorbeugenden Massnahmen konnten nur teilweise Erfolge verzeichnen. Die Ausdehnung durch den Wind ermöglicht es der Krankheit, sich über grössere Distanzen zu verbreiten. Die Erfahrungen, welche seit dem Jahr 2000 im Rückschnitt von Hochstammbäumen gesammelt wurden, zeigen, dass der Rückschnitt bei Birnen weniger gut funktioniert als bei Apfelbäumen. Aus diesem Grunde ist die Rodung von Birnenbäumen rasch durchzuführen, um das Bakterium zu eliminieren. Der Rückschnitt bedeutet weiterhin ein Risiko in Bezug auf die Ausbreitung des Bakteriums, da nicht jeder Betroffene diese Massnahme mit den entsprechenden Fachkenntnissen ausführt.

Arbeit an mehreren Fronten Wie Eduard Holliger, Gruppenleiter Phytopathologie Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW), erklärte, arbeitet die Forschungsanstalt ACW und das Kompetenzzentrum Feuerbrandforschung an mehreren Fronten. Die Forschungsschwergewichte bilden die Weiterentwicklung der Diagnostik, die Prüfung von Bekämpfungsmassnahmen, die Untersuchung der Genetik und Genomik beim Krankheitserreger und beim Apfel als Grundlage neuer Bekämpfungsmethoden sowie die Züchtung von feuerbrandtoleranten Apfelsorten. Auf allen Gebieten erfolgt ein weltweiter Informations- und Erfahrungsaustausch im Rahmen von Projekten der EU und von Arbeitsgruppen von europäischen und anderen internationalen Gesellschaften. Zudem engagiere sich ACW stark bei der fachlichen Unterstützung der kantonalen Fachstellen.

Mario Tosato



10 Mio. Franken Aufwand
Im laufenden Jahr seien im Thurgau bisher rund 50 ha Niederstammkulturen und 5000 Hochstammfeldobstbäume gerodet worden, sagte Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Die Rodungen seien aber noch nicht abgeschlossen. In der gleichen Zeit wurden rund 100 ha Obstkulturen und gegen 10000 hochstämmige Bäume gesäubert. Für die Rodung, den Rückschnitt, die Ausfallentschädigung und die Kontrollen wird mit einem Aufwand von rund 10 Millionen Franken gerechnet. Laut Schläpfer wird sich das Bundesamt für Landwirtschaft mit 50 Prozent an diesen Kosten beteiligen. (tos)
Zwetschgen
Die Anbauempfehlungen für Zwetschgen wurden von der Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) in jahrelangen Versuchen evaluiert. Für weitere Informationen zu Anbau, Lagerung, Vermarktung und Kontaktpersonen wenden Sie sich an: Urs Müller (BBZ Arenenberg, Obst- und Rebbau, 8268 Salenstein, Telefon 071 663 33 04; urs.mueller@tg.ch).


RR Kaspar Schläpfer unterhält sich auch
an dieser brisanten Tagung mit einem
Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft.
(zVg)
RR Kaspar Schläpfer unterhält sich auch an dieser brisanten Tagung mit einem Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft. (zVg)