Ausgabe Nummer 45 (2008)
Gut besuchte Braunviehzüchtertagung in Märstetten
Weniger, dafür grössere Betriebe im Thurgau
Neben der Genetik wurden die Teilnehmer der Braunviehzüchtertagung über Anpassung der linearen Beschreibung und Einstufung, die Kappa-Kasein-Bestimmung und die genombasierte Selektion informiert.Die Viehzählung 2008 habe den Trend der vergangenen Jahre, «weniger, dafür grössere Betriebe», bestätigt. Zählte man 1978 noch 4034 Betriebe mit Milchkühen, sind es im laufenden Jahr noch 1917, was einer Abnahme von 52,5 Prozent entspreche, stellte Markus Harder, Chef Landwirtschaft des Kantons Thurgau, an der traditionellen Braunviehzüchtertagung fest. Total wurden im Thurgau 73808 Stück Rindvieh gehalten, was einer Zunahme von 1906 Braunviehtieren oder 2,6 Prozent entspreche. Wurden bei den Mutterkühen in den vergangenen Jahren jeweils zweistellige Zunahmequoten registriert, wurden bei der diesjährigen Viehzählung 3079 Mutterkühe gezählt, was einer Zunahme von 2,6 Prozent entspreche. Erfreulich sei die Leistung der Braunviehkühe mit einer durchschnittlichen Leistung von 7337 Kilogramm Milch. Dies entspreche einer Zunahme von 107 Kilogramm oder 0,02 Prozent.
Anpassung bei der linearen Beschreibung
Oskar Grüter, Fachbereichsleiter Zucht des Schweizerischen Braunviehzuchtverbandes SBZV), informierte über die Anpassung bei der linearen Beschreibung und Einstufung (LEB), wo eine internationale Harmonisierung mit Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und Spanien stattfinde. Die Erfassung der einzelnen Positionen wie Brustumfang, Länge, einzelne Positionen Nacheuter werden gestrichen. Neue Merkmale seien Kreuzbodenhöhe und Euterboden. Bei der Messung von Flankentiefe, Beckenbreite finde eine veränderte Erfassung statt. Bei der Zuchtwertschätzung werde die Bemuskelung als separate Position geführt. Als Zuchtwert-Einstufungsnoten gelten Rahmen, Becken, Fundament und Euter (Euter und Zitzen kombiniert).
Weltneuheit bei der Kappa-Kasein- Bestimmung
Von einer Weltneuheit sprach Grüter, als er über die Kappa-Kasein-Bestimmung in der Tankmilch informierte. Der Test sei sehr genau und vom SBZV, dem italienischen Verband der Uni Parma, entwickelt worden. Mit dem Kappa-Kasein-Test können die Ausbeutungsunterschiede sichtbar gemacht werden, was einer Differenz von 5 bis 6 Rappen je Kilo Milch entspreche. Nach Meinung von Grüter kann dieser Test wertvolle Dienste bei den Milchpreisverhandlungen mit den Verwertern leisten. Eine Simulationsstudie im 2007 habe gezeigt, dass genombasierte Selektionen theoretisch funktionieren. Ab diesem Herbst werde die Typisierung von nachzuchtgeprüften Stieren für die Schätzung der Markereffekte erfolgen. In Holland, Neuseeland und den USA seien erste Resultate publiziert worden. Obwohl viele Aspekte noch unklar seien, habe die genombasierte Selektion enormes Potenzial für die Zuchtprogramme. Deshalb müssten sich alle Zuchtorganisationen damit auseinandersetzen, stellt Grüter fest.
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Angelo Pozzatti, Swissgenetics, und Raimund Beerli, Select Star SA, bewährte und neue Stiere vor.
Mario Tosato

Angelo Pozzatti, Markus Harder, Raimund Beerli und Oskar Grütter (v. l. n. r.) konnten an der Braunviehzüchtertagung über viel Positives berichten. (tos)
