Ausgabe Nummer 3 (2008)
Gut besuchte Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbands
Sorge zu Kulturland und Wasser tragen
«Die Landwirtschaft ist weltweit lebensnotwendig und hat daher Zukunft, deshalb muss man zum Kulturland und dem vorhanden Wasser Sorge tragen», sagte Bernhard Lehmann.Zum Thurgau habe er eine mehrfache Beziehung, erklärte Bernhard Lehmann, Professor für Agrarwirtschaft an der ETH Zürich, an der Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbandes (TBV) in Weinfelden. Zum einen sei er bei seiner Dissertation über die landwirtschaftlichen Strukturen von 1950 bis 1987 von Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, mit statistischen Zahlen unterstützt worden und zum andern habe er beim Schweizerischen Bauernverband (SBV) eng mit Alt- Nationalrat Paul Rutishauser zusammengearbeitet.
Sorge zu Ressourcen tragen
Das Angebot habe sich in kurzer Zeit bei Getreide, Milchprodukten und Ölsaaten verknappt, stellt Lehmann fest. Dies sei unter anderem auf die Trockenheit der südlichen Halbkugel und die grosse Nachfrage nach Proteinen (Milch und Fleisch) in Indien und China zurückzuführen. Die Lagervorräte vor allem bei Getreide seien sehr klein geworden. Durch die Versalzung der Böden und die rege Bautätigkeit (Industrie, Strassen, Wohnbauten) werde sich der Boden weiter verknappen. Die Landwirtschaft benötige viel Wasser, und Wasser sei unterschiedlich knapp. Deshalb gelte es zu den Ressourcen wie landwirtschaftliche Nutzfläche und Wasser Sorge zu tragen. Gleicher Meinung ist auch Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident SBV. Er wies dabei auf das grosse Wasservorkommen im Thurtal hin.
Produktivität weiter verbessern
Lehmann glaubt, dass die Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Produkte weiter steigen werden, weil sich die Nachfrage bis 2050 verdoppeln werde. Dies werde positive Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft haben, weil die Preisdifferenzen zum Ausland kleiner werden. Ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU werde das Einkommenspotenzial der Schweizer Landwirtschaft schmälern, ist Lehmann überzeugt. Dennoch müsse man sich mit dieser Frage auseinandersetzen. In seiner Schlussfolgerung stellte Lehmann klar fest, dass die Landwirtschaft weltweit lebensnotwendig sei und daher eine Zukunft habe. Nach seiner Meinung muss die Schweizer Landwirtschaft ihre Produktivität weiter verbessern und sich noch stärker auf die Produkte ausrichten, die in einem offenen Markt erfolgreich sein werden.
Grössere Zuversicht
Im Anschluss an das Referat diskutierten unter der Leitung von Hermine Hascher, Geschäftsführerin TBV, Hansjörg Walter, Hans Stettler, Rosmarie Rüegg, Präsidentin Konsumenten Forum Ostschweiz, Beat Lehner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauern, über die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Dabei wurde vor allem die Angst der Betreiber von Spezialkulturen wie Obst und Gemüse vor einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU sichtbar. Spürbar wurde aber auch, dass Direktzahlungen in der Landwirtschaft in Zukunft noch zielgerichteter eingesetzt werden müssen. Obwohl viele politische Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit WTO und EU-Freihandel nicht geklärt sind, dürfen die Bauern wieder mit grösserer Zuversicht an die Arbeit gehen, gibt sich Andreas Binswanger, Präsident TBV, optimistisch.
Mario Tosato

Bernhard Lehmann: «Die landwirtschaftliche Nutzfläche muss unbedingt im fruchtbaren Zustand erhalten werden.» (tos)
