Ausgabe Nummer 6 (2008)

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Gute Erfahrungen mit Sonnen- und Windenergie

Ostschweizer Tagung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil

180 Bauern liessen sich über Erfahrungen und Perspektiven von Fotovoltaik- und Windenergieanlagen informieren. Dabei spielte die Rentabilität und Arbeitssicherheit eine bedeutende Rolle.

Gallus Steiner, LZSG, und Michael Dubach, BBZ Arenenberg, gelang es, mit ihrem Programm zur Ostschweizer Sonnen- und Windenergietagung das Interesse von rund 180 Landwirten zu wecken.

Bund fördert erneuerbare Energien
Hansulrich Schärer, Leiter der Sektion erneuerbare Energien im Bundesamt für Energie, zeigte die Förderungsmöglichkeiten durch den Bund auf. So werde den Kantonen 14 Millionen Franken für die Energieeffizienz und 32 Millionen Franken für kantonale Programme ausbezahlt. Für kostendeckende Einspeisevergütungen mit einem «Deckel» von 0,6 Rappen pro kWh seien zirka 330 Millionen Franken vorgesehen.Auch die Kantone Thurgau und St. Gallen verfügen über Förderprogramme für erneuerbare Energie.

Moderne Technik muss auch wirtschaftlich sein
David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar, zeigte das Sonnenenergiepotenzial auf und informierte über den aktuellen technischen Stand und die Marktentwicklung von Fotovoltaikanlagen. Zurzeit könne etwa mit einer Kapitalrendite von zirka 2,5 bis 6 Prozent gerechnet werden, dies je nach Standort und der damit verbundenen Stromproduktion. Er machte darauf aufmerksam, dass alle Anlagen, nebst dem ordentlichen Baugesuch, schon während der Planungsphase beim zuständigen Elektrizitätswerk angemeldet werden müssten, um die möglichen Einspeisekapazitäten abzuklären.

Das Raumplanungsrecht ist zu berücksichtigen
Jakob Ruckstuhl vom Amt für Raumentwicklung des Kantons St. Gallen orientierte über die rechtliche Situation. Jedes Baugesuch müsse speziell und situationsbedingt beurteilt werden. Zonenkonforme Fotovoltaikanlagen in der Landwirtschafts- und Bauzone sollten sorgfältig in Dach- oder Fassadenflächen integriert werden, keine Beeinträchtigung von Kultur- und Naturdenkmälern und keine raumplanerischen Beschränkungen der Menge an erzeugter Energie aufweisen. Ähnliche und angepasste Bedingungen seien auch für Windenergieanlagen zu berücksichtigen. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten stehe man aber der Entwicklung grundsätzlich positiv gegenüber.

Fotovoltaikanlagen benötigen wenig Aufwand
Gery Wiesmann, der mit seiner Familie in Oberneunforn einen Milchwirtschaftsbetrieb führt, sprach von guten Erfahrungen als Stromproduzent von durchschnittlich 11000 kWh pro Jahr. 2003 nahm er die Fotovoltaikanlage mit drei Wechselrichtern und 93 Solarmodulen in Betrieb. Die Module montierte er selber. Die Anlage kostete 102 000 Franken, dabei wurde er mit 22 000 Franken durch den Förderbeitrag des Kantons Thurgau und 39000 Franken mit Förderbeiträgen des Solarstrompools Thurgau (inklusive Vermarktungsrechte von zehn Jahren) unterstützt. Nach Abzug der Steuervorteile von 8200 Franken blieb ihm eine Restinvestition von 32800 Franken. Der Unterhalt der Anlage sei mit wenig Aufwand verbunden. Ein weiterer Ausbau der Modulfläche stehe zurzeit zur Diskussion.

Windenergie boomt auch in der Schweiz
Roland Aregger, Landwirt und Geschäftsführer der WindPower AG, Entlebuch LU, ist mit seiner Windenergieanlage mit einer möglichen Leistung von jährlich einer GWh ebenfalls äusserst zufrieden. Die Nabelhöhe beträgt 60 Meter und der Rotordurchmesser 52 Meter. Um eine Windanlage zu betreiben, müsse genügend Wind vorhanden sein, was im Feldmoos der Fall sei.Wichtig sei auch eine gute Zufahrt. Neben dem Betrieb der eigenen Anlage ist Aregger auch in der Beratung, der Erstellung von Machbarkeitsstudien und der Windmessung tätig. Robert Horbaty, Enco AG, Geschäftsführer der Schweizerischen Windvereinigung «Suisse Eole», sprach bei der Windenergie von unerschöpflichen Ressourcen. Windenergie boome auch in der Schweiz. In der Schweiz sind 34 Windenergieanlagen miteiner Gesamtleistung von 11594 MWp in Betrieb. Im 2006 wurden nach Horbatys Angaben 15229 MWh Elektrizität produziert, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 84 Prozent bedeute.

Tiefere Investitionskosten durch gemeinsamen Einkauf
Wenn Bauern eine Fotovoltaikanlage planen, können sie künftig von den Beratungen und dem gemeinsamen Einkauf des MBR Thurgau AG profitieren, stellte Geschäftsführer Fabian Brühwiler fest. Die MBR Thurgau AG begleite das Projekt auf Wunsch auch bei der Montage und übernehme die Überwachung der Anlage. So könne bei Problemen direkt reagiert werden. Obwohl grundsätzlich nur wenig Wartung und Unterhalt nötig sei, könne der Service durch die MBR Thurgau AG organisiert werden.

Vorsicht bei Arbeiten auf dem Dach
Gallus Steiner wies in seinem Referat darauf hin, dass beim Einbau und Betrieb von Fotovoltaikmodulen und Sonnenkollektoren auf den Dächern Sicherheitsmassnahmen sehr wichtig seien. Bei der periodischen Wartung, wie Reinigung der Module, Kontrolle oder Montagen an elektrischen Installationen sei Vorsicht am Platz, und es müsse mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen werden.Wenn nötig sollte auch geschultes Fachpersonal beigezogen werden. Steiner empfiehlt bei Arbeiten auf dem Dach persönliche Seilsicherungen und andere Hilfsmittel.

Mario Tosato


Michael Dubach, Gallus Steiner und Robert Horbaty (v. l. n. r.) im Gespräch über Windenergie. (tos)
Michael Dubach, Gallus Steiner und Robert Horbaty (v. l. n. r.) im Gespräch über Windenergie. (tos)