Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Gute Mensch-Tier-Interaktionen beeinflussen Milchleistung

Ausgabe Nummer 13 (2015)

Im Fokus der fünften Melktechniktagung von Agroscope stand eine nachhaltige und tiergerechte Milchgewinnung.

Markus Hausammann, Nationalrat und Landwirt, stellte im Eröffnungsreferat fest, dass eine der Herausforderungen der nachhaltigen Milchgewinnung darin besteht, bei steigender Tierzahl pro Betrieb den Überblick auf den Gesundheitszustand der Herde zu behalten. Es gilt, Erkrankungen zu erkennen, bevor sie ein klinisches Stadium erreichen. Er warf die Frage auf, inwieweit sich die heutigen betriebswirtschaftlichen Tendenzen auf die Antibiotikastrategie des Bundes auswirken und den Einsatz von Komplementärmedizin beeinflussen. Für Hausammann steht zur Verminderung von Stress und Arbeitsbelastung der einzelnen Betriebe nicht die Festlegung tieferer SAK-Werte im Vordergrund. Diese lieferten zwar ein Abbild über das technisch Mögliche. Seines Erachtens müsste es aber eher das betriebswirtschaftlich Sinnvolle sein, welches die Richtung vorgibt. Abschliessend thematisierte Hausammann die Erwartungen der Praxis an die Forschung: «Die Landwirte erwarten hohe Praxisnähe mit Kundennutzen. Und sie fordern, dass die Forschung auf aktuelle Probleme rasch reagiert. Die Praxisnähe gewährleistet Betriebsleitern die nötigen Entscheidungsgrundlagen mit Technikfolgenabschätzung und den Fokus auf eine wirtschaftliche Produktion». Welchen Einfluss die Mensch-Tier-Beziehung mit positiven Interaktionen auf die Milchleistung hat, veranschaulichte Susanne Waiblinger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Institut für Tierhaltung und Tierschutz.

Vermeidung von Stress bei Milchkühen
Die Veterinärmedizinerin präsentierte die Ergebnisse einer Praxisuntersuchung bezüglich stressauslösender Faktoren bei Milchkühen, welche sie mit Cornelia Rouha-Mülleder erarbeitete. Ob die Kühe ruhig und geduldig oder eher ungeduldig in den Warteraum getrieben werden, wie der Umgang beim Melken und den übrigen Interaktionen ist, hat deutliche Auswirkungen auf die Beziehung der Kühe zum Menschen: «In verschiedensten Studien weltweit, einschliesslich eigener Untersuchungen (unter anderem auch in der Schweiz), wurden Effekte des Umgangs auf das Verhalten der Kühe, die Leistung und den Besamungserfolg festgestellt. Benutzen die Melker mehr für die Kühe unangenehme Verhaltensweisen, ist die Milchleistung verringert und der Besamungserfolg geringer.» Die Mensch-Tier-Beziehung beeinflusse auch die Zellzahl deutlich. Im Rahmen der Praxiserhebung wurden auch mögliche Effekte unterschiedlicher Melkstandtypen auf Zellzahl in der Milch und auf die Aktivität der Nebennierenrinden als Mass für die Stressbelastung untersucht. Eine geringere Stressbelastung der Kühe zeigte sich beim Tandemmelkstand: Hier können die Tiere ihre Individualdistanz besser einhalten, es kommt zu weniger Aggressionen. Im Fischgrätenmelkstand, und vor allem im Side-by-Side-Melkstand, stehen die Tiere meist in direktem Körperkontakt, was zu Stress bei den rangniedrigeren Tieren führen kann. «Aufgrund unserer Ergebnisse sind Tandemmelkstände zu empfehlen und Side-by-Side-Melkstände ungünstiger zu bewerten. Tandemmelkstände helfen, sozialen Stress zu vermeiden und erleichtern positive Mensch-Tier-Interaktionen», so Susanne Waiblinger.


Isabelle Schwander




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