Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Hacken nach dem Ausschlussprinzip

Ausgabe Nummer 18 (2020)

Zuckerrübenanbau

Der Roboter, der in Rheinklingen im Einsatz ist, jätet innerhalb der Reihe alles, was nicht Zuckerrübe ist.

Auf dem Betrieb von Daniel und Käthi Vetterli läuft der Zuckerrübenanbau dieses Jahr etwas anders ab als in anderen Jahren. Am 27. März wurden auf einem 2 ha grossen Feld Bio-Zuckerrüben mit einem selbstfahrenden Roboter gesät. Am 23. April, exakt vier Wochen nach der Saat, ist «Helga», wie Vetterli den Roboter nennt, wieder auf dem Zuckerrübenacker unterwegs – dieses Mal zum Jäten.

Jäten im Sekundentakt
Mit einer Geschwindigkeit von 0,7 km/h bewegt sich der vollautomatische Roboter, ein Produkt des dänischen Herstellers Farmdroid, vorwärts. Im Sekundentakt ist ein Klicken zu hören. Es sind die Hackarme, die zwischen den einzelnen Zuckerrübenpflänzchen jäten. Für das Umrüsten von Säen auf Hacken wurden die sechs Säkörper durch Hackkörper ausgetauscht. David Vetterli, der älteste Sohn von Daniel und Käthi, erklärt: «Den Balken, an dem die Hackkörper hängen, haben wir um 12,5 cm versetzt. Dadurch laufen die Hackkörper nicht mehr auf der Reihe, wo sie die Zuckerrüben aushacken würden, sondern zwischen den Reihen.»
Fürs Jäten kommen die Hackarme zum Zug. An jedem Hackarm ist eine kleine Hackschar angebracht. Durch einen kleinen Motor wird diese Hackschar in die Reihe rein- und wieder rausbewegt. «Wenn man der Maschine beim Arbeiten zuschaut, kann man beobachten, wie der Hackarm immer schön nach der Zuckerrübe in die Reihe geht und vor der nächsten Rübe wieder rausgeht», kommentiert Vetterli. Er studiert an der ETH Zürich Agronomie und ist zusammen mit Lehrling Lukas Wettstein für die Betreuung und das Management von Helga verantwortlich.

Das Prinzip funktioniert
Damit nur das Unkraut und keine Zuckerrüben ausgehackt werden, waren bereits vor der Saat Vorbereitungen nötig. David Vetterli fuhr mit dem Roboter um das ganze Feld und nahm mit dem GPS-Empfänger die exakten Feldecken auf. Beim Säen erfasste Helga die GPS-Koordinaten für jede einzelne Rübe. Alles, was dazwischen wächst, wird nun gejätet. «Das funktioniert recht gut», meint Vetterli. «Der Roboter weiss die GPS-Koordinaten noch.»
Der Abstand zwischen den einzelnen Rüben beträgt auf diesem Feld 16 cm, das ist im Vergleich zum konventionellen Verfahren wenig. «Natürlich könnten wir die Maschine mit grösserem Abstand laufen lassen. Unser Ziel ist aber, die Handarbeit zu reduzieren. Entsprechend sind wir gezwungen, nahe an die Zuckerrüben heran zu hacken», erklärt Vetterli.

Im ständigen Kontakt mit Farmdroid
Als die Zuckerrüben gesät wurden, gab es noch Probleme mit der Spurhaltung und dem Saatabstand. Ganz ausgemerzt sind diese Kinderkrankheiten noch nicht. David Vetterli sagt: «Grundsätzlich funktioniert das Prinzip. Die Maschine ist in der Lage, zwischen den einzelnen Rüben zu hacken. Aber durch die Ungenauigkeit in der Spurführung, die die Maschine immer noch hat, wird hie und da eine Zuckerrübe ausgehackt.»
Vetterli weist aber darauf hin, dass dies erst die zweite Generation des Roboters ist, die auf dem Feld läuft. «Dass im ersten Jahr noch nicht alles perfekt ist, waren wir uns von Anfang an bewusst.» Viel Lob hat er für das dänische Team von Farmdroid, mit dem er in ständigem Austausch ist. «Wenn es eine Störung gibt, kann ich anrufen und dann wird gemeinsam geschaut, wo der Fehler liegt.» Meistens seien diese Störungen rasch behoben oder sonst gebe es ein Software-Update für Helga. «Wir sind eigentlich recht zufrieden», sagt Vetterli, den Roboter immer in den Augen behaltend.

BLW und FiBL sind mitbeteiligt
Der Feldversuch in Rheinklingen wird vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) mitfinanziert und vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eng begleitet. Am Versuch beteiligt sind nebst Daniel Vetterli auch Marcel Brechbühl und Karl Vetterli (beide Rheinklingen) sowie Konrad Langhard, dessen Betrieb in Stammheim ZH liegt. Insgesamt kommt Helga dieses Jahr auf einer Fläche von acht Hektaren zum Einsatz.


Text und Bilder
Stefanie Giger, BauernZeitung










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