Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Handlungskompetenz im Fokus

Ausgabe Nummer 10 (2017)

Die Landwirtschaftsausbildung wird derzeit im Auftrag des Bundes evaluiert. Die Hauptverantwortung für diesen Prozess liegt dabei bei der zuständigen Organisation der Arbeitswelt, der OdA AgriAliForm. Ergänzend zu diesen Arbeiten überprüfen derzeit Vertreter des VTL und BBZ Arenenberg den Aufbau der Thurgauer Landwirtschaftsausbildung und machen erste Vorschläge für weitere Optimierungen.

Durch die Ausmerzung von Schwachstellen, den Weiterausbau der bereits vorhandenen Stärken und einer möglichst engen Verknüpfung von Theorie und Praxis, soll ein maximaler Lernerfolg erreicht werden. In einer ersten Phase wurde deshalb das im Jahr 2002 geschaffene und 2008 überarbeitete lineare Ausbildungsmodell einer gründlichen Analyse unterzogen. Aufgrund der erkannten Schwachstellen wurde dann der notwendige Handlungsbedarf abgeleitet. Die wesentlichsten geplanten Neuerungen sind nachfolgend, im Sinne einer Vororientierung, dargestellt:

Motorsägenausbildung bereits im ersten Lehrjahr
Um auch im ersten Lehrjahr möglichst viele Unfälle zu vermeiden, soll bereits im November nach dem Lehrbeginn eine zweitägige Motorsägenausbildung angeboten werden.

Klarere Struktur für Wahlfächer
Die Stundenplanabschnitte für den Wahlfach-Unterricht sind momentan noch zu wenig einheitlich gestaltet und die bisherigen Wahlfach-Doppellektionen sind meist zu kurz für externe Betriebsbesuche. Durch die Schaffung von vier identischen Stundenplanabschnitten im zweiten und dritten Lehrjahr mit netto je 30 Lektionen sollen diese Probleme behoben werden. Neu wird damit ein Wahlfach 10 x 3 Lektionen umfassen.

Optimierung Ausbildung Spezialrichtung Biolandbau
Die Vorgaben für die «gesonderte» Ausbildung des Schwerpunkts Biolandbau waren im bisherigen Ausbildungsmodell nicht immer leicht zu erfüllen. Neu erhalten die Lernenden, welche sich für den Abschluss mit Schwerpunkt Biolandbau interessieren, die Möglichkeit, neben dem Wahlfach Biolandbau auch noch eine entsprechende Vertiefung von 45 Lektionen zu besuchen.

Mehr Vertiefungsmöglichkeiten im dritten Lehrjahr
Der in Form von Blockkursen angebotene Theorieunterricht hat sich im dritten Lehrjahr als zu wenig nachhaltig erwiesen und ist insbesondere für die Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren ungeeignet. Die Wahlmöglichkeiten im Bereich der Vertiefungen waren bisher zu klein und fokussierten sich zu einseitig auf die Milchproduktion. Anstelle von Blockunterricht soll deshalb im dritten Lehrjahr eine Phase von 10 bis 15 Schulwochen mit je zwei Schultagen eingeführt werden. Dadurch können mehr Wahlfach- und Vertiefungsvarianten angeboten werden.

Stoff noch intensiver vertiefen
Die im Thurgau angestrebte Ausbildung für «Kopf, Herz und Hand» bedingt, dass der theoretisch vermittelte Unterrichtsstoff möglichst häufig und zeitnah mit der Praxis verknüpft und vertieft werden kann. Der Gutsbetrieb des BBZ Arenenberg spielt dabei eine sehr zentrale Rolle. Neben den zahlreichen Acker- und Futterbauübungen sowie Demonstrationsversuchen auf seinen Parzellen hat er vor allem auch für die Ausbildung in der Tierhaltung eine grosse Bedeutung. Der Gutsbetrieb auf dem Schulgelände ermöglicht einen raschen Wechsel zwischen Schulzimmer und Stall ohne zeit- und kostenaufwändige Transporte. Der Theorieunterricht kann durch gemeinsame Herde-Beobachtungen, Tierbeurteilungen, Fütterungskontrollen usw. aufgelockert und gefestigt werden. Dies hilft insbesondere auch den schulisch schwächeren Lernenden (zum Beispiel EBA) bei der Verarbeitung des Stoffes.
Momentan ist leider die Nutzbarkeit des Milchviehstalls begrenzt. Die Einrichtungen entsprechen nicht mehr den heutigen Standards und das Tier- Spektrum für Übungen ist aufgrund der sehr kleinen Milchviehherde beschränkt. Ein moderner und betreffend Betriebsdaten sehr transparenter Milchviehstall ist deshalb ein wichtiger Eckpfeiler für die Qualität und Nachhaltigkeit der zukünftigen Landwirtschaftsausbildung.

Erleichterung der Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren (QV)
Die Vorbereitung auf die theoretische Schlussprüfung des QV war bisher nicht immer optimal, da gewisse Stoffteile bereits vor langer Zeit ausgebildet worden sind. Durch die Einführung einer viertägigen Prüfungsvorbereitungsphase kurz vor dem QV, in welcher auch der Stoff des ersten und zweiten Lehrjahres nochmals kurz aufgefrischt werden kann, soll die Prüfungsvorbereitung erleichtert werden.

Weitere Informationen folgen
Eine definitive und detaillierte Information über die zukünftige Struktur der Landwirtschaftsausbildung im Kanton Thurgau wird zu gegebener Zeit in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Berufsbildungskommission des VTL erfolgen.


BBZ Areneneberg
Ruedi Huber
Leiter Bildung




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