Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Hangflächen können sich rechnen

Ausgabe Nummer 51 (2016)

Die Hangflächen in der Thurgauer Landwirtschaft werden präziser berechnet. Neu können auch Landwirte in der Talzone profitieren.

Grossaufmarsch der landwirtschaftlichen Betriebsleiter in der Brückenwaage in Dussnang. Gegen 90 Landwirte hatte Jakob Hug im Namen der Hinterthurgauer Bergbauern eingeladen, mehr als die Hälfte nahmen an der Veranstaltung vom vergangenen Montagabend teil. Verständlich, es ging ums Geld. Thomas Fröhlich, Andreas Braun und Peter Schweizer vom Landwirtschaftsamt Thurgau erklärten den Anwesenden, dass Terrainveränderungen, veränderte Bewirtschaftungen und Zusammenlegungen nur einzelne Gründe waren, die Berechnung der Hangflächen neu an die Hand zu nehmen. Neue Messtechniken, gesetzliche Vorgaben und neue Beitragskategorien nach der AP 14/17 zwangen die Kantone ebenfalls, die Datengrundlagen aufzubereiten und zu ergänzen, sagte Thomas Fröhlich. Zudem machten die Bergkantone Druck, eine neue Kategorie für sehr steile Hänge ab 50 Prozent Neigung zu schaffen. Bislang gab es nur zwei Kategorien mit einer Neigung zwischen 18 bis 35 Prozent und über 35 Prozent. Neu werden auch Betriebe in der Talzone berücksichtigt.

Präziser vermessen
In den vergangenen zwei Jahren habe das Landwirtschaftsamt die neuen Hangflächen elektronisch erfasst und in die kantonalen Datenerhebungen importiert, erklärte Andreas Braun. Jeder Betriebsleiter werde im Januar 2017 eine Auswertung mit den Veränderungen erhalten, die ermittelten Hangflächen bilden die Grundlage zur Berechnung der Beiträge, die mit den Direktzahlungen ausbezahlt werden.
Braun erklärte, dass die jahrzehntelange Erhebung mit den verschiedenen Neigungs- und Libellenneigungsmessern heute nicht mehr zeitgemäss sei und das Nachführen der Daten auf den Karteikarten oft zu Fehlern führte. «Natürlich können unterschiedliche Messmethoden auch zu unterschiedlichen Resultaten führen. Wurden früher die Hänge im Querschnitt vermessen, gelte heute das effektive Terrain als Grundlage», erklärte er weiter. Die Vermessungspunkte werden alle zwei Meter gesetzt, und so komme man zu präziseren Daten. «Möglicherweise kann ein Betrieb von der genaueren Vermessung profitieren; das heisst, er kriegt mehr Geld, es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein.» Im Grossen und Ganzen rechne das Landwirtschaftsamt aber nicht mit allzu grossen Abweichungen. Es werden weder Nachzahlungen noch Rückforderungen gegenüber früheren Angaben fällig.

6,6 Millionen für die Landschaftspflege
Im zweiten Teil der Veranstaltung erklärte Peter Schweizer die Massnahmen im Hügelgebiet in Bezug zur Landschaftsqualität. Im Thurgau wurden vier Gebiete ausgewiesen, im 2015 von den 6,6 Millionen, die zur Verfügung standen, gut 5,56 Millionen ausbezahlt. Im Schnitt beteiligten sich zwischen 57 und 63 Prozent der Betriebe am Projekt. Die Region Hinterthurgau-Immenberg hatte ihr Projekt 2015 gestartet. 342 Betriebe machen mit; mit 63 Prozent weise diese Region die höchste Beteiligung im Thurgau aus. Ausbezahlt wurden in dieser Region im vergangenen Jahr insgesamt 800 000 Franken, pro Betrieb 3670 Franken. Die Beitragsplafonierung von 120 Franken pro Hektare bleibe bestehen, so Schweizer. Im Oberthurgau konnten die höchsten Beiträge ausbezahlt werden, rund 4900 Franken pro Betrieb. Dies sei auf die Massnahmen im Bereich Hochstamm-Obstbäume zurückzuführen. Ähnlich hoch fielen die Beiträge im Unterthurgau-Seerücken aus. 4733 Franken konnten durchschnittlich ausbezahlt werden, dies wegen der Massnahmen im Bereich Ackerbegleitflora und Fruchtfolge. Schweizer erklärte, dass die Thurgauer Projekte Ende 2022 auslaufen, ob sie später weitergeführt werden, sei Sache der Politik.


Ruth Bossert




« zurück zur Übersicht