Ausgabe Nummer 9 (2006)
Heizen mit Holz
Heizen mit Holz
Am 22. Februar luden der Agro-Beratungsverein Frauenfeld, geleitet von Hans Dübendorfer, und der Natur- und Vogelschutzverein Neunforn, geleitet von Oskar Kradolfer, zu einem Vortragsabend ein. Das Thema "Gemeinsam mit Holz heizen und andere Heizsysteme" stiess auf grosses Interesse; über 60 Zuhörerinnen und Zuhörer fanden sich im Gemeindesaal Oberneunforn ein. Drei Referate standen auf dem Programm: Paul Koch, Revierförster Neunforn-Uesslingen, referierte über das Thema "Holz als Brennstoff", Martin Neukomm, Landwirt und Präsident des Wärmeverbundes Bornhausen, stellte deren Wärmeverbund vor und Kurt Raschle, Heizungsfachmann, gab einen Überblick über die verschiedenen Heizungssysteme mit Schwergewicht auf Holzschnitzelfeuerungsanlagen. Der Anlass wurde mitorganisiert und begleitet von der Betriebsberatung des LBBZ Arenenberg.Energieholz aus unseren Wäldern
Paul Koch, Förster und Geschäftsführer von Pro Holz TG, wies in seinem Referat auf die verschiedenen Vorteile des Energieholzes hin. Das Holz als nachwachsender Rohstoff ist ständig im Angebot. Da die Vorratskammern der Wälder zum bersten voll sind, könnte noch viel mehr Energieholz genutzt werden, wobei die Thurgauer Forstwirtschaft für deren Nutzung gut ausgerüstet wäre. Durch den Einsatz von Brennholz anstelle von Öl oder Gas kann Wertschöpfung und Kaufkraft in der Region behalten werden. Allein im Kanton Thurgau hat die Forstwirtschaft 150 Arbeits- und 34 Ausbildungsplätze. Dazu kommen noch die Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Gewerbe. Da das Energieholz direkt vor unserer Haustüre wächst und dadurch keine langen Transportwege bestehen, verbraucht Holz zehn mal weniger Energie bis es im Ofen ist als Heizöl. Somit schont der Einsatz von Brennholz andere nichterneuerbare Energien. Brennholz wird hauptsächlich als Einmeter-Spälten oder als Schnitzel eingesetzt. Die Einmeter-Spälten sind relativ teuer, da viel Arbeit darin steckt. Schnitzel können hingegen rationell hergestellt werden und sind deshalb günstiger; sie kosten etwa halb soviel wie Heizöl. Das Forstrevier bietet den Holzschnitzelfeuerungsbetreibern einen Lieferservice an, in dem es die Kontrolle der Silofüllmenge und die Befüllung der Silos übernimmt.
Wärmeverbund Bornhausen
Seit Herbst 2005 betreibt der Wärmeverbund Bornhausen eine 300-kW-Holsschnitzelfeuerungsanlage. Martin Neukomm als Präsident des Wärmeverbundes stellte die Anlage vor und berichtete von den Erfahrungen während dem Bau und der ersten Betriebszeit. An der Anlage sind fünf Parteien mit acht Wohneinheiten sowie einem Schweinestall beteiligt. Damit eine solche Anlage erfolgreich betrieben werden kann, braucht es klare Regelungen. Diese haben die fünf Partner in einem Zusammenarbeitsvertrag gemeinsam ausgearbeitet. Bemerkenswert ist, dass so die Heizkosten tiefer liegen, als wenn jeder eine eigene Ölheizung hätte.
Heizen mit Holz - Entschieden richtig in Zukunft
Wir alle kennen einen ähnlichen Slogan, doch der lautet: "Heizen mit Öl - entschieden richtig in Zukunft". "Was ist denn hier entschieden richtig?", fragte Kurt Raschle, Heizungsfachmann aus Rickenbach (ZH). Im Saal wusste jedenfalls niemand eine Antwort. Auf den Slogan "Heizen mit Holz - entschieden richtig in Zukunft" hingegen schon. Kurt Raschle?s langjährige Erfahrung im Holzheizungsbereich kam während dem Referat deutlich zur Geltung. So erklärte er beispielsweise, weshalb in der Schweiz Holzheizungen kaum boomen. Vergleicht man etwa die Heizölpreise in der Schweiz mit denjenigen unserer Nachbarländer, so ergibt sich folgendes Bild:
2?000 Liter Heizöl kosten zur Zeit etwa:
| Land | CHF pro 100 Liter |
| Schweiz | 81 |
| Deutschland | 89 |
| Österreich | 100 |
| Italien | 186 |
"Aber warum haben wir nur den tiefsten Heizölpreis?", fragte Herr Raschle und gab die ironische Antwort auch gleich selber: "Weil wir direkt am Meer wohnen und keine Transportkosten haben." Es zeigt sich einmal mehr, dass die Öl- und Gaslobby in der Schweiz sehr stark ist. Dieser Umstand wurde auch in der jüngsten Feinstaubdiskussion deutlich, als niemand mehr davon redete, dass Heizöl eine endliche Ressource ist und durch deren Verbrennung zusätzliches treibhauswirksames CO2 in die Atmosphäre gelangt, sondern nur davon, dass Holzheizungen wegen dem Feinstaub umweltschädlich seien. Eine Studie des Bundesamtes für Umwelt (Bau) aus dem Jahr 2000 zeigt, dass nur 8 % des Feinstaubes von der Holzverbrennung stammen. Darin eingeschlossen ist auch die Verbrennung in Cheminées, so dass der Anteil von effektiven Holzheizungen noch kleiner ist. Zudem gibt es bei den Holzheizungen bereits erste Anlagen mit Rauchgasreinigung. Herr Raschle wies in seinem Vortrag auch darauf hin, dass es wichtig sei, das richtige Heizsystem am richtigen Ort zu platzieren. Dort wo kein Wärmeverbund mit einer zentralen Holzschnitzelfeuerungsanlage möglich sei und keine Holzspältenheizung in Frage käme, kann eine Wärmepumpe oder eine Holzpelletsheizung die ideale Lösung sein.
Michael Dubach
LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik
