Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. Juni 2018


Herausforderung Ausmastgrad

Ausgabe Nummer 29 (2015)

Ob in der Pfanne oder auf dem Grill, Fett hält das Fleisch saftig und geschmacksvoll. Zu viel Fett verursacht jedoch Mehraufwand im Schlachthof und ist auch von den Konsumenten nicht gewünscht. Das Ziel ist ein Schlachtkörper in der Fettgewebeklasse 3.

Im Grossen und Ganzen ist die Fettabdeckung bei den Natura-Beef sehr gut. Es gibt jedoch saisonale Unterschiede. Im Spätsommer und Herbst liegt die Fettgewebeklasse fast eine halbe Note unter den Wintermonaten. Ebenfalls gibt es in dieser Periode mehr 1er-Klassierungen, was weder für die Produzenten noch für die Vermittler oder Metzger erfreulich ist. Die Schlachtkörperauswertungen nach Betrieb, welche Mutterkuh Schweiz seinen Marken- Produzenten zustellt, bieten eine gute Übersicht.

Genetik und Fütterung überdenken
Ist auf dem Betrieb die Fettabdeckung über das ganze Jahr ungenügend, so sind Genetik und Fütterung generell zu überdenken. Auswertungen von Mutterkuh Schweiz zeigen, dass gut gedeckte Absetzer mit verschiedensten Rassen, Kreuzungen und Futterrationen zu erreichen sind. Grob gesagt gilt: Je mehr die Ration grasbasiert ist, desto wichtiger werden die Milch der Mutter, die Grundfutterqualität und die Frühreife.
Ist die Fettabdeckung im Jahresdurchschnitt gut, im Herbst aber ungenügend, können die Abkalbungen verlegt werden, so dass im Herbst keine Schlachtungen anfallen. Der Markt ist aber auf ein konstantes Angebot angewiesen. Betriebe mit künstlicher Besamung können bei der Stierenwahl variieren und von Januar bis März eher frühreife Stiere einsetzen. Mutterkuh Schweiz evaluiert eine Zuchtwertschätzung für die Frühreife, respektive den Ausmastgrad, damit auch Stiere innerhalb derselben Rasse eingestuft werden können.

Passende Zwischenkalbezeit
Für einen besseren Ausmastgrad sollten Stierkälber kastriert werden, umso mehr bei Geburten zwischen Oktober und Dezember. Zudem sollten Kühe nicht sofort wieder besamt werden. Viele Kühe gehen ein bis zwei Monate vor dem Abkalben Galt oder reduzieren zumindest die Milchmenge. Ist die Zwischenkalbezeit kürzer als 11 Monate, erhöht sich zwar die Anzahl Kälber pro Jahr, dem Absetzer fehlt aber dann Milch, was negative Folgen auf Schlachtgewicht und Fettgewebeklasse haben kann. Ebenfalls wirkt sich eine wiederholt kurze Zwischenkalbezeit negativ auf die Nutzungsdauer der Kuh aus.
Ein Schlüsselfaktor ist schlussendlich die Fütterung, in welcher ein gutes Weidemanagement eingeschlossen ist. Wird neben der Weide im Stall zugefüttert, kann den Kälbern gutes Heu, Mais oder Kraftfutter vorgelegt werden. Dies erhöht das Schlachtgewicht und den Ausmastgrad, bringt jedoch auch Zusatzaufwand für die täglichen Wechsel zwischen Weide und Stall und das Futtervorlegen. In einem Vollweidesystem ist durch die tieferen Kosten und den geringeren Arbeitsanfall auch ein tieferes Schlachtgewicht durchaus rentabel. Bei sehr nassen, kalten, trockenen oder heissen Perioden ist es jedoch sinnvoll, die Herde im Stall zu zufüttern. So werden auch die Weiden geschont und das Weidefutter behält eine bessere Qualität.

Was tun mit ungedeckten Absetzern?
Ungedeckte Absetzer können zur Weitermast verkauft werden. Es ist sinnvoll, die Produktionsrichtung früh zu entscheiden. Zufallsproduktion ist nicht rentabel. Bei Bedarf helfen unsere Vermittler gerne bei der Beurteilung des Ausmastgrades und der Wahl des besten Vermarktungsweges.


Adrian Iten, Stv. Geschäftsführer,
Leiter Markenprogramme, Mutterkuh Schweiz










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