Ausgabe Nummer 31 (2006)

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Heustöcke – hohe Investitionen, gute Wirtschaftlichkeit?

Vor dem sich abzeichnenden Grenzschutzabbau der weissen Linie nach 2011 (Wegfall von Importschutz auf Industriemilchprodukten) scheint absehbar, dass mit silofreier Milch künftig ein Mehrpreis gegenüber Silomilch realisierbar ist.

Gerade in den milchpreisstarken Gebieten am Jurasüdfuss (Greyerzer und Tête de Moîne) hat diese Milchpreisdifferenzierung infolge der guten Positionierung der Verarbeitungsprodukte am Markt bereits deutlich eingesetzt. Es erstaunt daher nicht, dass in diesen Gebieten im Gegensatz zur Ostschweiz wieder vermehrt in Heustöcke investiert wird.

Bei der Aufstockung auf Silo umstellen
Wie der Verband der Thurgauer Milchproduzenten bestätigt, sind es in erster Linie die Betriebe mit Kontingenten von über 250?000kg, welche auf Silowirtschaft umstellen. Ein wichtiger Grund für dieses Verhalten sind neben der reduzierten Wetterabhängigkeit vor allem die höheren Baukosten beim Betriebswachstum. Wie eine breit angelegte Baukostenuntersuchung der FAT zeigt, muss bei Betrieben mit silofreier Produktion mit einem um Fr. 3"300.- höheren minimalen Investitionsbedarf pro GVE gerechnet werden. Gerade bei Betrieben, welche bereits zur Aufstockung in Milchkontingent und Stallplätze investiert haben, ist dieser Spielraum häufig nicht mehr vorhanden, weshalb sie im Zuge des Wachstums auf Silowirtschaft umstellen.

Kostenunterschied geringer
Trotz dem enormen Unterschied bei den Gebäudeinvestitionen zeigen alle Modellrechnungen und Erfahrungszahlen aus Buchhaltungen, dass die Unterschiede in der Wirtschaftlichkeitsrechnung weit weniger gross sind, weil die Silowirtschaft auf Grund des höheren Futtergewichtes einen deutlich höheren Mechanisierungsaufwand für Einbringung, Entnahmen und Vorlage verursacht. Nicht zu unterschätzen jedoch auch der Aspekt, dass bei Fahrsiloanlagen ein Grossteil der Investitionen in 10 bis 15 Jahren abgeschrieben werden kann, was das Risiko gegenüber der Heuwirtschaft mit Abschreibedauern von über 20 Jahren deutlich minimiert.

Das moderne Heustockkonzept
Es ist keineswegs so, dass Heustöcke ab einer gewissen Betriebsgrösse nicht mehr funktionsfähig erstellt werden können. Grundsätzlich steht bei den Konzeptionen für einen Komplettneubau sicherlich die Erstellung des Heustocks parallel zum Stall im Vordergrund. Diese Variante hat vor allem arbeitswirtschaftliche Vorteile, weil das Futter den Tieren mit dem Kran praktisch auf den Futtertisch gelegt werden kann. Zudem sind auch beim Abladen kurze Wege realisierbar, da die ganze Tennlänge zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu deckenlastigen Bauten wird zwar mehr Grundfläche benötigt, dafür ist der für das Stallklima sehr wichtige Raum im Stall nicht eingeschränkt und der Futterabwurf ins Tenn erfolgt in der Regel punktuell, was den Arbeitsaufwand erhöht. Bei einer parallelen Anordnung des Heustockes zum Futtertisch entstehen oft – lange Schläuche, welche unter Umständen schwierig zu belüften sind. Die Lüfter dürfen keinesfalls stirnseitig angeordnet werde. Stockbreiten unter 7 m sind zu vermeiden. Gegebenenfalls ist der Stock zu unterteilen.

Separate Heuhallen sind teurer

Neuerstellung einer separaten Heuhalle neben dem Stallgebäude in Überlingen (D):

  • 3?600 m3 Heulager: reicht bei 30 m3 pro GVE) für 120 GVE
  • Erstellungskosten inkl. Erschliessung: ca. Fr. 650?000.- (5?400.-/GVE)
  • 4 Heustöcke à 15 m x 12 m x 5 m
  • Grundfläche total: 720 m2 (6 m2 pro GVE)
  • Lüfter für 4 Heustöcke (mobile Lüfter)

Für Einzelbetriebe oder Gemeinschaften, welche durch einen Anbau die Tierplätze massiv aufstockten, stellt sich die Frage, ob eine separate Heuhalle errichtet werden soll. In Überlingen (D) befindet sich eine derartige Anlage, wo eine Biobetrieb von den Fahrsilonutzung zurück auf Heuwirtschaft umgestellt hat. Der ganzen Halle ist 60 Meter lang und 12 Meter breit und dient ausschliesslich als Heulager. Das ganze Gebäude ist in 4 Heustöcke mit jeweils 180 m2 unterteilt, was bei einer Stockhöhe von 5m insgesamt für das Futterlager von 120 GVE ausreicht. Zwar ist der gesamte Boden komplett betoniert worden, wobei ansonsten das Gebäudekonzept eher kostengünstiger Art ist.
Trotz der einfachen Bauweise und den realisierten Grösseneffekten schlugen am Ende auch unter "deutschen Bedingungen" die Baukosten inkl. Erschliessung und Einrichtungen mit rund Fr. 5"500.- pro GVE zu Buche. Heustöcke in vergleichbarer Grösse in paralleler Anordnung unter demselben Dach wie der Stall, sind in der Schweiz mit Kosten von rund Fr. 5"000 pro GVE realisierbar. Ein weiterer Nachteil der Variante separater Heustock besteht zudem darin, dass wie bei der Nutzung von Heustöcken in der Nachbarschaft, das Heu mehrmals wöchentlich mit dem Ladewagen ins Tenn geführt werden muss.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Nutztierhaltung, Christof Baumgartner


Parallel zur Fressachse angeordnete Heustöcke bieten arbeitswirtschaftlich optimale Bedingungen und sind bezüglich Baukosten kaum zu unterbieten. (cb)
Parallel zur Fressachse angeordnete Heustöcke bieten arbeitswirtschaftlich optimale Bedingungen und sind bezüglich Baukosten kaum zu unterbieten. (cb)