Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Hier fühlen sich Schweine sauwohl

Ausgabe Nummer 23 (2017)

Die internationale Strohballenarena aus Deutscher Sicht: Südkurier vom 29. Mai 2017

– «Strohballenarena» befasst sich mit einer artgerechteren
   Tierhaltung

– Grosse Resonanz bei Landwirten, Verbrauchern und
   Gastronomen

– Überlinger Schlachthofinitiative und Betrieb in Wald-Kappel
   im Blick


von Hanspeter Walter

Überlingen/Wald – Vom Tierwohl ist derzeit viel die Rede. Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) will die Schweinehaltung verbessern, fordert aber für die Landwirte eine Übergangsfrist von 20 Jahren. Tierschützern und Verfechtern einer artgerechteren Behandlung geht das zu langsam. Schon jetzt «sauwohl» zu fühlen scheinen sich indessen die «Strohschweine» von Landwirt Kurt Baur in Wald-Kappel, die im Rahmen der «3. Internationalen Strohballenarena» Besuch bekamen. Geschützt unter einem Dach, aber an der frischen Luft tollen sie munter über die weiche Unterlage und strecken neugierig ihren Rüssel durch das Gitter. «Ein Schwein legt sich nie in seinen eigenen Kot, wenn es dies nicht muss“, erklärt der Landwirt. Dafür bedarf es jedoch der notwendigen Fläche und einer entsprechenden Organisation des Stalles. Die erste Hälfte seines Bestands von 1000 Schweinen kommt in den Genuss der neuen Haltung, für die andere Hälfte baut Baur demnächst ebenfalls um. «Von der Ferkelaufzucht bis zur Endmast haben wir das komplette Programm in einer Hand.»
Dass Bewegung in das Thema gekommen ist, zeigte auch der Andrang zu der Veranstaltung, hinter der das Thurgauer Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft in Weinfelden, das Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg und der Verein Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Bodensee (Stockach) stehen. Hundert Interessenten hatten sich angemeldet, Verbraucher und Landwirte, Gastronomen und Studenten drängten sich mit Hygieneschutz um die Strohschweine.
Dass die Realität bei Lichte betrachtet im Moment allerdings weit ernüchternder ist, darauf hatte Matthias Minister, Inhaber der Firma Fairfleisch GmbH und Geschäftsführer des kleinen Schlachthofs in Überlingen, bei der dortigen Besichtigung deutlich gemacht. «Die Strohhaltung ist noch die absolute Ausnahme», sagt Minister. «Weniger als 5 Prozent der Schweine werden so gehalten.» Seine Firma vertreibt als Zerlegebetrieb das über einen Barcode rückverfolgbare Fleisch an Gastronomen und betreibt einen kleinen Direktverkauf.
Nicht nur bewusste Konsumenten sind in die «Strohballenarena » gekommen, auch kritische Studenten von der Universität Konstanz, die sich unter anderem mit der Rolle der Ökonomie in der Tierhaltung befassen. Aber auch wichtige Multiplikatoren wie Küchenchef Herbert Brand von der Mainau oder Norbert Steidle, Gastwirt und Biolandbauer in Obersiggingen. Dass es zahlreiche erfolgreiche Initiativen gibt, machten auch Tanja Kutzer von der Schweizer Konsumenten-Arbeitsgemeinschaft (KAG) für tierund umweltfreundliche Nutztierhaltung und Guido Leutenegger deutlich, der schon seit 1990 den Landwirtschaftsbetrieb «Natur Konkret» betreibt. Mehr Mut, die eigenen Mehrkosten an qualitätsbewusste Verbraucher weiterzugeben, wünscht sich Leutenegger von den Erzeugern. Durch Publizität und Vernetzung zahlreiche Akteure voranzukommen, dazu leistet der Austausch in der «Strohballenarena» einen wichtigen Beitrag – zum Wohl der Tiere wie der Verbraucher.













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