Ausgabe Nummer 46 (2008)
Hofübergabe – Hofaufgabe
Die Hofübergabe ist eines der wichtigsten
Ereignisse in der Geschichte eines Landwirtschaftsbetriebes.
In den meisten Fällen findet die Hofübergabe zu Lebzeiten der Eltern statt. Das Loslösen vom «Lebenswerk» ist für die abtretende Generation ein grosser Schritt. Ängste, nicht mehr gebraucht zu werden, machen sich breit. Die Nachkommen wiederum wollen den Hof selbstständig führen und auf eigene Verantwortung bewirtschaften. Dies erfordert fachliche Kompetenz und unternehmerisches Talent.
In einer Broschüre zur Hofübergabe äussert sich ein junger Bauer mit den folgenden Worten zum Thema: «Wir haben nie gross darüber geredet. Es war eigentlich immer klar, dass ich den Hof übernehmen kann. Erst als der Berater fragte, wie das sei, man hätte kurz vor der Hofübergabe einen neuen Stall gebaut, und wie das Wohnrecht abzugelten wäre, all die Details eben, da gab es viel zu diskutieren. Meinem Vater war es total verleidet. Als dann wegen der Baulandparzelle noch alle Geschwister mitreden wollten, hätte ich am liebsten den ganzen Krempel hingeschmissen.»
Zunehmend steht die abtretende Generation auch vor der Tatsache, dass keines der Kinder den Hof weiterbewirtschaften will. In der Schweiz geben täglich drei bäuerliche Familienbetriebe auf. Dies kann Traditionsbruch und Identitätsverlust beziehungsweise das Ende des generationsübergreifenden «Lebenswerkes» bedeuten. Mit der Hofaufgabe verbunden sind aber auch steuerliche und rechtliche Probleme.
BBZ Arenenberg, Ueli Möckli
Lassen sich Katastrophen vermeiden? Ein bisschen schon. Hofübergaben geschehen nämlich nicht von einem Tag auf den andern. Das Datum ist seit Monaten oder gar Jahren bekannt, Vorausplanung also sehr wohl möglich. Die folgenden Beispiele stammen alle aus der Praxis, aber nicht aus dem Kanton Thurgau. An Fehlern können Kluge lernen.
Was geschieht mit «den Alten»?
Seit Jahren war die Nachfolge eingefädelt. Xaver, der Zweitjüngste von fünf Kindern, zeigte Interesse. Er besuchte die landwirtschaftliche Schule, den Betriebsleiterkurs und schnupperte in Frankreich. Zu Weihnachten weilte er daheim. Prompt kam Vaters Supergeschenk: «Und – übernimmst du jetzt im nächsten Frühling unsern Betrieb?» Xaver zögerte. Aber nicht lange. Sehr ehrlich meinte er: «Den Hof übernehme ich gerne. Aber du gehörst auch dazu. Und genau das passt mir gar nicht!» Die Antwort war hart, die Weihnachtsfreude weg.
Wahltag ist Zahltag. Hofübergabe ist Abrechnung. Die Jungen «bocken», wenn ihnen die Freude am Betrieb nicht geweckt, sondern kaputt gemacht wurde. Zu jeder Hofübergabe gehören viele Gespräche: Welche Unzufriedenheiten liegen in der Luft? Welche Ungereimtheiten sind in den letzten Jahren schlecht oder überhaupt nicht angepackt worden? Wie entschärfen beide Generationen «tickende Bomben»? Welche betrieblichen und baulichen Trennungen sind für die Zukunft wichtig? Welche klar begrenzten Aufgaben besorgt «der entmachtete Chef» weiterhin in eigener Regie? – Die gefundenen Lösungen werden von Hof zu Hof, von Familie zu Familie unterschiedlich sein. Das ist gut so.
Maul halten – machen lassen!
Bernhard hat den Hof vor zwei Jahren übernommen. Sein Vater «wercht» jeden Tag weiter im Betrieb, genau wie vor der Übergabe, wie seit bald 50 Jahren. Vorwürfe gehören dazu: «Die Nachbarn haben längst mit Heuen begonnen, du (wieder) nicht! Hast du gesehen, wie mies die Kartoffeln sind? Geschter bisch wieder cheibe schpoot is Näscht!» Der Vater lebte für den Hof. Er investierte viel Herzblut, kämpfte gegen Konkurrenz, pachtete Land dazu. Sein Leben war der Betrieb; die Arbeit sein Leben. Etwas leiser treten, AHV-Zeit geniessen und AHV-Geld verpulvern kann er nicht. Sein Einmischen wurde giftiger, Sohn Bernhard gar handgreiflich. Mit Flüchen und Fäusten riss der frustrierte junge Mann den täglichen Eindringling vom Töffli.
Da läuten Alarmglocken. Müssen Schlägereien geschehen, damit sture Besserwisser, «ewigi Driischnörri» und krankhafte Superchrampfer Vernunft annehmen? Hofübergabe heisst auch Verantwortungsübergabe. Bernhards Vater muss seinen Sohn machen lassen. Dieser soll Veränderungen wagen. Mehr noch: Er darf Fehler machen. Nicht alles, was versucht wird, gelingt, – aber alles, was gelingt, ist einmal versucht worden. Bernhard darf heuen und ins Bett gehen, wann er will. Papa hat dazu rein gar nichts zu befehlen.
Sohn zwischen zwei Frauen
Rolf übernahm den Hof vor vier Jahren. Seine Mutter ist Witwe, hat das Wohnrecht und logiert im oberen Stock. Sie präsentiert und imponiert mit tollem Blumen- und Gemüsegarten. Rolfs Frau ist Secondo-Italienerin, hat ein sprudelndes Mundwerk und wenig Interesse am Hof, schon gar nicht am zugewiesenen Gartenteil. Sie kommandiert ihren charakterschwachen Ehemann. Beide Frauen hassen sich aufs Blut. Die Gattin wünscht die Schwiegermutter aus dem Haus, am liebsten schon morgen. Mutter erhofft die baldige Scheidung. Vor der Schwiegertochter wars nämlich friedlich im Haus. Erst seit dieses «Monster» hier fuhrwerkt, ist der Teufel los, das heisst herrscht Unfriede. Wenn der Hund von Rolfs Mutter in einem Regenwetter das Treppenhaus mit Tatzen beschmutzt, dann hängt an der oberen Wohnungstür ein Zettel: «Dein Sauhund hat wieder die Treppe verschmutzt! Sofort sauber machen!» Die Grossmutter hat das einjährige Enkelkind noch nie gesehen. Es wird ihr vorenthalten. Rolf schweigt und leidet: «I cha mache, was i will, eini isch immer verruckt!» In jeder Ehe treffen sich zwei unterschiedliche Clans. Jede Gruppe pflegt ihren Umgangs- und Gesprächsstil, ihre Traditionen, Sitten und Essvorlieben. Blutauffrischungen sind in der Regel interessant, bereichernd. Aber nicht immer. Mühsame Typen gibts überall. Folglich auch Zusammenstösse. Was tun? Mutter muss Bernhard loslassen, nicht die vergangene Liebbub- Zeit zurück sehnen. Bernhard muss Mann werden, der seine Meinung sachlich ausspricht, neue Verhaltensregeln und Kompromisse sucht. «Alli mönd halt e bitzli noogää», empfehlen weise Thurgauer.
Mit Problemen umgehen
Generationenkonflikte gibt’s, seit’s Menschen gibt. Meistens gehts um Ja und Nein, Mein und Dein. Konflikte sind normal, keine Katastrophe, keine Schande. Sie würzen die Lebenssuppe. Sie sind dazu da, um gelöst zu werden. Nicht die Konflikte machen uns krank, sondern das dauernde Verdrängen. Zudem: Konflikte haben ein Ende. Sonst versalzen sie die Lebenssuppe. Monate- und jahrelanges Streiten vor, während oder nach der Hofübergabe schaden den Nerven, der Verdauung und dem Geldbeutel.
Alle Achs werden aus keinem Haus verschwinden. «Jede Mänsch hät sini Sörgeli; jede treit siis Chrüüz!» Unter jedem Dach wohnt ein Ach. Wir müssen sie aber regelmässig überprüfen: Ein drückendes, erdrückendes Ach soll ausgesprochen und besprochen werden! Ein eingebildetes Ach zerplatzt wie ein Luftballon! Ein unabänderliches Ach kann erträglicher gemacht werden. Das selbst eingebrockte Ach wird korrigiert! Ein unnötiges Ach muss verschwinden! Ein altes oder gar uraltes Ach wird beerdigt!
Walter Ritter
In den meisten Fällen findet die Hofübergabe zu Lebzeiten der Eltern statt. Das Loslösen vom «Lebenswerk» ist für die abtretende Generation ein grosser Schritt. Ängste, nicht mehr gebraucht zu werden, machen sich breit. Die Nachkommen wiederum wollen den Hof selbstständig führen und auf eigene Verantwortung bewirtschaften. Dies erfordert fachliche Kompetenz und unternehmerisches Talent.
In einer Broschüre zur Hofübergabe äussert sich ein junger Bauer mit den folgenden Worten zum Thema: «Wir haben nie gross darüber geredet. Es war eigentlich immer klar, dass ich den Hof übernehmen kann. Erst als der Berater fragte, wie das sei, man hätte kurz vor der Hofübergabe einen neuen Stall gebaut, und wie das Wohnrecht abzugelten wäre, all die Details eben, da gab es viel zu diskutieren. Meinem Vater war es total verleidet. Als dann wegen der Baulandparzelle noch alle Geschwister mitreden wollten, hätte ich am liebsten den ganzen Krempel hingeschmissen.»
Zunehmend steht die abtretende Generation auch vor der Tatsache, dass keines der Kinder den Hof weiterbewirtschaften will. In der Schweiz geben täglich drei bäuerliche Familienbetriebe auf. Dies kann Traditionsbruch und Identitätsverlust beziehungsweise das Ende des generationsübergreifenden «Lebenswerkes» bedeuten. Mit der Hofaufgabe verbunden sind aber auch steuerliche und rechtliche Probleme.
BBZ Arenenberg, Ueli Möckli
Unter jedem Dach wohnt ein Ach!
Gibt’s bei Hofübergaben menschliche Probleme? Ja. Viel unnötige! Ausgerechnet in solch einschneidenden Lebensübergängen brechen oft Streitigkeiten aus. Viele staunen: «Jetz hämmers doch sooo guet gmeint!» Harte Wortwechsel und schlaflose Nachtstunden folgen.Lassen sich Katastrophen vermeiden? Ein bisschen schon. Hofübergaben geschehen nämlich nicht von einem Tag auf den andern. Das Datum ist seit Monaten oder gar Jahren bekannt, Vorausplanung also sehr wohl möglich. Die folgenden Beispiele stammen alle aus der Praxis, aber nicht aus dem Kanton Thurgau. An Fehlern können Kluge lernen.
Was geschieht mit «den Alten»?
Seit Jahren war die Nachfolge eingefädelt. Xaver, der Zweitjüngste von fünf Kindern, zeigte Interesse. Er besuchte die landwirtschaftliche Schule, den Betriebsleiterkurs und schnupperte in Frankreich. Zu Weihnachten weilte er daheim. Prompt kam Vaters Supergeschenk: «Und – übernimmst du jetzt im nächsten Frühling unsern Betrieb?» Xaver zögerte. Aber nicht lange. Sehr ehrlich meinte er: «Den Hof übernehme ich gerne. Aber du gehörst auch dazu. Und genau das passt mir gar nicht!» Die Antwort war hart, die Weihnachtsfreude weg.
Wahltag ist Zahltag. Hofübergabe ist Abrechnung. Die Jungen «bocken», wenn ihnen die Freude am Betrieb nicht geweckt, sondern kaputt gemacht wurde. Zu jeder Hofübergabe gehören viele Gespräche: Welche Unzufriedenheiten liegen in der Luft? Welche Ungereimtheiten sind in den letzten Jahren schlecht oder überhaupt nicht angepackt worden? Wie entschärfen beide Generationen «tickende Bomben»? Welche betrieblichen und baulichen Trennungen sind für die Zukunft wichtig? Welche klar begrenzten Aufgaben besorgt «der entmachtete Chef» weiterhin in eigener Regie? – Die gefundenen Lösungen werden von Hof zu Hof, von Familie zu Familie unterschiedlich sein. Das ist gut so.
«Die Jungen» vor der Hofübergabe
- viel Aus- und Weiterbildung
- schnuppern im Ausland
- finanziell klug kalkulieren – und «öppis tue, wo ka Schtütz bringt»
- Ehe mit Partnerin festigen: Zeit haben + viel reden + Gemeinsames erleben
- die Liebe geht durch die Haut
- Frau und Mann erhalten Freiräume
- Berufstätigkeiten ausser Hof einbauen
- Geld macht nicht glücklich, – aber es beruhigt
- flexibel und beweglich sein = was heute gilt, ist in zwei Jahren anders
- es gibt zu allem verschiedene Ansichten und Meinungen
- geh deinen Weg und lass die Leute reden = zuviel Anpassung macht krank
- «The best thing on earth is to do, what people say, you can’t do»
- nur langweilige Frauen haben blitzsaubere Küchen
- das, was du tust, zählt – nicht das, was du andern empfiehlst, zu tun
- nicht leben um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben
Maul halten – machen lassen!
Bernhard hat den Hof vor zwei Jahren übernommen. Sein Vater «wercht» jeden Tag weiter im Betrieb, genau wie vor der Übergabe, wie seit bald 50 Jahren. Vorwürfe gehören dazu: «Die Nachbarn haben längst mit Heuen begonnen, du (wieder) nicht! Hast du gesehen, wie mies die Kartoffeln sind? Geschter bisch wieder cheibe schpoot is Näscht!» Der Vater lebte für den Hof. Er investierte viel Herzblut, kämpfte gegen Konkurrenz, pachtete Land dazu. Sein Leben war der Betrieb; die Arbeit sein Leben. Etwas leiser treten, AHV-Zeit geniessen und AHV-Geld verpulvern kann er nicht. Sein Einmischen wurde giftiger, Sohn Bernhard gar handgreiflich. Mit Flüchen und Fäusten riss der frustrierte junge Mann den täglichen Eindringling vom Töffli.
Da läuten Alarmglocken. Müssen Schlägereien geschehen, damit sture Besserwisser, «ewigi Driischnörri» und krankhafte Superchrampfer Vernunft annehmen? Hofübergabe heisst auch Verantwortungsübergabe. Bernhards Vater muss seinen Sohn machen lassen. Dieser soll Veränderungen wagen. Mehr noch: Er darf Fehler machen. Nicht alles, was versucht wird, gelingt, – aber alles, was gelingt, ist einmal versucht worden. Bernhard darf heuen und ins Bett gehen, wann er will. Papa hat dazu rein gar nichts zu befehlen.
«Die Jungen» nach der Hofübergabe
- Neues wagen, Fehler machen ist erlaubt
- in sämtlichen Beziehungen: gewisse, aber keine totale Abgrenzung
- Kontakte mit andern Jungbauern – und mit Nichtbauern
- aktiv in einem Verein sein, – aber nicht jeden Abend verplanen
- Zeit nehmen für sich und die Ehe: verhandelnde Paare lieben länger
- Kinder bringen Glücksmomente und belasten ein Familienklima
- einzelne Stunden geniessen – Geburtstage kommen immer schneller
- nicht im Gestern, Vorgestern, Morgen oder Übermorgen leben, sondern im Jetzt
- Geld ist wichtig – aber Glück kann niemand kaufen
- regelmässig mit Eltern zusammensitzen
- nicht prozessieren = «s’isch schaad ums Gäld»
- Religion kann gesund und krank machen
- Schönheit und Zufriedenheit kommt von innen = jeden Tag
- sich frei machen von Eitelkeit und der Übermacht der Wünsche
Sohn zwischen zwei Frauen
Rolf übernahm den Hof vor vier Jahren. Seine Mutter ist Witwe, hat das Wohnrecht und logiert im oberen Stock. Sie präsentiert und imponiert mit tollem Blumen- und Gemüsegarten. Rolfs Frau ist Secondo-Italienerin, hat ein sprudelndes Mundwerk und wenig Interesse am Hof, schon gar nicht am zugewiesenen Gartenteil. Sie kommandiert ihren charakterschwachen Ehemann. Beide Frauen hassen sich aufs Blut. Die Gattin wünscht die Schwiegermutter aus dem Haus, am liebsten schon morgen. Mutter erhofft die baldige Scheidung. Vor der Schwiegertochter wars nämlich friedlich im Haus. Erst seit dieses «Monster» hier fuhrwerkt, ist der Teufel los, das heisst herrscht Unfriede. Wenn der Hund von Rolfs Mutter in einem Regenwetter das Treppenhaus mit Tatzen beschmutzt, dann hängt an der oberen Wohnungstür ein Zettel: «Dein Sauhund hat wieder die Treppe verschmutzt! Sofort sauber machen!» Die Grossmutter hat das einjährige Enkelkind noch nie gesehen. Es wird ihr vorenthalten. Rolf schweigt und leidet: «I cha mache, was i will, eini isch immer verruckt!» In jeder Ehe treffen sich zwei unterschiedliche Clans. Jede Gruppe pflegt ihren Umgangs- und Gesprächsstil, ihre Traditionen, Sitten und Essvorlieben. Blutauffrischungen sind in der Regel interessant, bereichernd. Aber nicht immer. Mühsame Typen gibts überall. Folglich auch Zusammenstösse. Was tun? Mutter muss Bernhard loslassen, nicht die vergangene Liebbub- Zeit zurück sehnen. Bernhard muss Mann werden, der seine Meinung sachlich ausspricht, neue Verhaltensregeln und Kompromisse sucht. «Alli mönd halt e bitzli noogää», empfehlen weise Thurgauer.
«Die Alten» vor der Hofübergabe
- spätestens mit 50 mindestens ein Hobby zulegen
- Vereine besuchen: Singen, Wandern, Theater spielen, Sprachen lernen ...
- gleichaltrigen Freundes- und Bekanntenkreis pflegen
- diskutieren über ein Buch, eine TV-Sendung, die aktuelle Politik
- der Alltagsroutine ausweichen: Einkaufswege + Arbeitsabfolgen ändern
- Sitzordnung bei Tisch wechseln = «s’choscht nüüt, git neui Gfühl»
- lernen: Arbeit ist etwas Schönes im Leben, aber nicht das Allerwichtigste
- regelmässig Ferien machen
- Tempo, Wünsche, Bedürfnisse, Sexualität, Gesundheit ändern sich
- Wertschätzung = positive Feedbacks geben: «da häsch guet gmacht!»
- jeder Meinung darf widersprochen werden = Andersdenkende achten
- ich bin für meine Zufriedenheit verantwortlich – nicht mein Partner, meine Partnerin
- der Besitz ist nicht mein Eigentum = «s’letscht Hämp hät ka Säck»
Mit Problemen umgehen
Generationenkonflikte gibt’s, seit’s Menschen gibt. Meistens gehts um Ja und Nein, Mein und Dein. Konflikte sind normal, keine Katastrophe, keine Schande. Sie würzen die Lebenssuppe. Sie sind dazu da, um gelöst zu werden. Nicht die Konflikte machen uns krank, sondern das dauernde Verdrängen. Zudem: Konflikte haben ein Ende. Sonst versalzen sie die Lebenssuppe. Monate- und jahrelanges Streiten vor, während oder nach der Hofübergabe schaden den Nerven, der Verdauung und dem Geldbeutel.
Alle Achs werden aus keinem Haus verschwinden. «Jede Mänsch hät sini Sörgeli; jede treit siis Chrüüz!» Unter jedem Dach wohnt ein Ach. Wir müssen sie aber regelmässig überprüfen: Ein drückendes, erdrückendes Ach soll ausgesprochen und besprochen werden! Ein eingebildetes Ach zerplatzt wie ein Luftballon! Ein unabänderliches Ach kann erträglicher gemacht werden. Das selbst eingebrockte Ach wird korrigiert! Ein unnötiges Ach muss verschwinden! Ein altes oder gar uraltes Ach wird beerdigt!
«Die Alten» nach der Hofübergabe
- Übergabefestchen und tolle Ehereise machen
- altersgerechte Aufgaben suchen, altersgerechte Wohnung einrichten
- unnötige Kleider und Souvenirs weggeben = Brockenhaus, Mulde...
- neues Amt übernehmen, soziale Tätigkeit wagen
- längst fällige Besuche nachholen
- noch fleissiger: Danke sagen, Lob oder Komplimente geben
- «di Junge macheloo = nöd driischwätze» = keine Rat-Schläge austeilen
- erstes AHV-Geld mit lieben Menschen verpulvern
- für Enkelkinder, Nachbarschaftskinder: Türen und Herzen öffnen
- auch Männer können kochen – aber Frauen müssen sie an den Herd lassen
- faulenzen ohne schlechtes Gewissen, Lehnstuhl geniessen
- etwas Neues pflanzen
- lesen schadet der Dummheit
- Sorgen ertrinken nicht im Alkohol = sie können schwimmen
- Humor ist Medizin in allen Lebenslagen
Walter Ritter

Walter Ritter verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Bauernfamilien. Hier im Gespräch mit jungen Betriebsleitern. (zVg)
