Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. April 2020


Hofübergabe oder Hofkauf?

Ausgabe Nummer 6 (2020)

Oft führt der Begriff Hofübergabe zu Missverständnissen. Nicht direkt Beteiligte meinen, es erfolge ein unentgeltlicher Übertrag an die nächste Generation. Müssten wir unseren Wortschatz ändern und für das bessere Verständnis in Zukunft von einem Hofverkauf/Hofkauf sprechen?

Hofübergabe?
Wird der landwirtschaftliche Betrieb in der Familie an die nächste Generation weitergegeben, so sprechen wir generell von einer Hofübergabe.
Doch dies führt immer wieder zu Missverständnissen, verstehen doch viele nicht direkt Betroffene darunter, dass der Hof unentgeltlich weitergegeben wurde, quasi an die nächste Generation verschenkt wurde.
So taucht auch immer wieder, vor allem bei erbrechtlichen Auseinandersetzungen, die Frage nach der Auszahlung der Geschwister auf. Es ist darum grundsätzlich wichtig, dass alle Beteiligten bei einer Hofübernahme zusammensitzen und darüber sprechen, zu welchen Bedingungen der Bauernhof an die nächste Generation weitergegeben wird, und zu klären, dass da finanzielle Mittel fliessen.

Oder doch eher Hofverkauf?
Das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) nennt klar die Bedingungen für einen Hofverkauf an die nächste Generation.
Ertragswert
So sind auch die Voraussetzungen für eine Übergabe zum Ertragswert klar geregelt. Ja, sicher, der Ertragswert ist ein Vorzugspreis, aber ein vom BGBB vorgesehener Preis, der an Bedingungen geknüpft ist. Der Ertragswert entspricht dem Kapital, das mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Gewerbes eine Verzinsung der Hypothek ermöglichen soll.
Haben die Eltern in den letzten zehn Jahren vor Betriebsübergabe investiert, wird der Preis entsprechend erhöht. Sollten die Schulden höher sein als der Ertragswert, wird der Betrieb zu den Schulden übergeben.
Voraussetzungen bei der Hofübernehmerin, dem Hofübernehmer
Wer den Hof zum Ertragswert übernehmen will, muss ein Nachkomme (Erbe) sein; zudem muss er geeignet sein, das landwirtschaftliche Gewerbe zu führen und das Land zu bewirtschaften. Ausserdem muss er Selbstbewirtschafter sein, das heisst, alltägliche Arbeiten auf dem Betrieb selber ausführen und die Strategie des Betriebes festlegen.
Voraussetzungen beim landwirtschaftlichen Betrieb
Damit der Ertragswert als Verkaufspreis zum Zuge kommt, muss der landwirtschaftliche Betrieb einem Gewerbe entsprechen, d.h. einerseits eine Einheit von Gebäuden und landwirtschaftlichen Grundstücken bilden, aber entscheidend ist letztendlich, dass für die Bewirtschaftung eine Standardarbeitskraft (SAK) notwendig ist.
Hofkaufvertrag
Melden Sie sich auf dem Grundbuchamt zur Überschreibung des Landwirtschaftsbetriebes an, so wird dort ein Kaufvertrag abgeschlossen, aus welchem der Preis, aber auch die Finanzierung ersichtlich ist.

Fazit
Grundsätzlich müssten wir wohl eher von einem Hofverkauf an die nächste Generation sprechen statt von einer Hofübergabe. Wird von Kauf geredet, so ist für viele klarer, dass dafür ein angemessener Preis bezahlt wurde.
Eine Hofübernahme ist zudem noch viel mehr: Es stehen neben viel Arbeit auf dem Bauernhof finanzielle und strategische Entscheidungen an, die für die betriebliche Entwicklung und Zukunft entscheidend sind. Freuen wir uns, wenn die nächste Generation trotz hoher Belastung bereit ist, auf dem landwirtschaftlichen Betrieb einzusteigen.


Text und Bild:
Vreni Peter, BBZ Arenenberg










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