Ausgabe Nummer 4 (2007)
Holz – der wichtigste nachwachsende Energieträger
Interview mit Lorenz Neher, Geschäftsführer der ProHolz, Holzenergie Thurgau
Der Energiehunger pro Person wächst weltweit kontinuierlich an. Wir müssen also einerseits die Energie-Effizienz steigern und auf «unnötige» Energieverbraucher verzichten. Andererseits sollten wir aber das Potenzial der erneuerbaren Energieträger noch stärker nutzen. Nur die Holzenergie alleine kann in der Schweiz 35 Prozent der Ziele des Kyoto-Protokolls erfüllen, und das ohne wesentliche Mehrkosten!Sehr geehrter Herr Neher, Sie sind Geschäftsführer der ProHolz, Holzenergie TG.Welchen Zweck verfolgt Ihre Organisation?
Neher: Holzenergie Thurgau ist die Vermarktungsorganisation für die vermehrte Nutzung des Energieträgers Holz. Zurzeit werden im Thurgau rund 100 000 Festmeter pro Jahr energetisch genutzt, das Potenzial liegt bei zirka 150 000 Festmetern.
Die Energienutzung erfolgt grösstenteils zur Wärmegewinnung. Welcher Trend besteht bei Holzheizungen?
Neher: Seit rund vier Jahren beobachten wir den Trend, dass Ölheizungen durch Pelletfeuerungen ersetzt oder bei neuen Einfamilienhäusern Pelletfeuerungen installiert werden. Ebenso setzen sich Wärmeverbünde mit Schnitzelheizungen durch. Dafür nahm die Anzahl neuinstallierter Stückholzkessel ab.
Holzheizungen und Feinstaub, wie ist die Situation wirklich?
Neher: Der Feinstaub aus Holzheizungen wird zum grossen Teil von älteren, schlecht betriebenen Stückholzfeuerungen oder Cheminées generiert. Neue Pelletfeuerungen und Schnitzelfeuerungen unterbieten die bestehenden Grenzwerte deutlich, grosse Schnitzelfeuerungen mit Filter sogar sehr deutlich.
Wie hoch liegen die Heizungskosten im Vergleich zu anderen Systemen?
Neher: Da die Energiepreise in letzter Zeit starken Schwankungen unterworfen sind, variieren auch die Heizungskosten (Wärmegestehungskosten). Die günstigste Energie kommt zurzeit aus Holzschnitzeln, das heisst dass ein Anschluss an einen Schnitzelwärmeverbund die günstigste «Holzheizung» ist und mit Öl- oder Gas konkurrieren kann.
Könnte es sein, dass durch die Entspannung auf dem Ölmarkt die Konkurrenzfähigkeit der Holzheizungen unter Druck gerät?
Neher: Es ist tatsächlich so, dass mit der Entspannung des Ölpreismarktes die Gesuche für neue Holzheizungen momentan zurückgegangen sind. Jedoch ist der Rückgang der Gesuche auch auf die massiv gestiegenen Pelletpreise zurückzuführen (50 bis 60 Prozent mehr als noch vor einem Jahr). Prognosen sind schwierig, allerdings ist davon auszugehen, dass der Ölpreis die nächsten fünf Jahre steigen wird.
Könnte der Rohstoff Holz in Zukunft knapp werden?
Neher: Mit dem brachliegenden Holzenergiepotenzial könnten in der Schweiz zusätzlich eine Million Minergie-Wohnungen beheizt werden. Total könnte die Holzenergie rund 15 Prozent des schweizerischen Wärmemarktes abdecken; wenn alle Gebäude wärmetechnisch saniert werden, sogar rund 30 Prozent. Auf der Nachfrageseite kann der Rohstoff knapp werden. Auf der Angebotsseite ist aber im Forst- und Waldgesetz festgelegt, dass alle Nutzungen nachhaltig sein müssen, das heisst, dass nicht mehr Holz geerntet werden darf als nachwächst. Aber wie gesagt, das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft!
Michael Dubach, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, BBZ Arenenberg
Am Freitag, 16. Februar 2007, bietet das BBZ Arenenberg einen Kurs zum Thema Holzheizungen an (vergleiche Ausschreibung «Thurgauer Bauer» Nr. 3, 2007). Fachreferenten stellen verschiedene Holzheizungssysteme vor und zeigen Entscheidungskriterien für die Wahl der passenden Anlage. Neben Einzelanlagen werden auch Heizsysteme und deren organisatorische Lösungen im Wärmeverbund thematisiert. Zudem wird eine Heizungsanlage besichtigt. Anmeldungen bis am Freitag, 2. Februar 2007 an BBZ Arenenberg, Kurssekretariat, 8268 Salenstein, Tel. 071 663 33 33, Fax 071 664 28 67, E-Mail: yolanda.meyer@tg.ch

