Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


"Ich engagiere mich gerne für die Allgemeinheit"

Ausgabe Nummer 10 (2016)

Als Assistentin der Geschäftsleitung hat Petra Kuhn in den letzten sieben Jahren einiges miterlebt: Die Reorganisation des Bauernverbandes zum Verband Thurgauer Landwirtschaft und den Umzug vom grünen Zentrum ins Haus der Thurgauer Milchproduzenten an der Industriestrasse. Täglich arbeitet sie eng mit Vorstand, Geschäftsführung und den Kommissionen zusammen und hat daneben auch politische Ambitionen.

Nachdem Petra Kuhn (34) bei der Bernina ihre Ausbildung als Kauffrau mit Berufsmaturität abgeschlossen hatte, zog es sie immer wieder in die weite Welt hinaus. So bereiste sie die Ost- und Westküste der USA und verlor einen Teil ihres Herzens an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch die berühmte Route66 nahm sie unter die Räder, um von Chicago bis nach Los Angeles einen Teil der USA zu erkunden. «Mein grösstes Highlight waren sicherlich die drei Monate, in denen ich den Bürostuhl gegen Rancharbeit in der Hochwüste Arizonas getauscht habe», erinnert sich Kuhn. «Am Ort, wo sich Koyoten und Klapperschlangen gute Nacht sagen, ging mein Zeitgefühl komplett verloren. Der ständige Termindruck, wie er hierzulande vorherrscht, kennt man dort nicht. Die nächste Ranch liegt einen Stundenritt entfernt, die Post wird im Nachbardorf zur Abholung aufbewahrt. Im Kontrast dazu stand eine hervorragende Internetverbindung und das volle Fernsehprogramm zur Verfügung – typisch Amerika eben. Zu meinen Hauptaufgaben gehörten das Training der Pferde, den Stall sauber zu halten und die Weiden zu bewässern.»

Die Schweiz schätzen gelernt
Ob sie sich vorstellen könnte, für immer auszuwandern und vielleicht sogar das Leben eines Cowgirls zu führen? «Bis Mitte zwanzig hätte ich mir auswandern gut vorstellen können, z.B. nach Los Angeles. Mittlerweilen habe ich die Schweiz mit all ihren Vorzügen aber so schätzen gelernt, dass es eher ein Muss wäre, das Land zu verlassen. So romantisch ein Cowgirl-Leben klingen mag – auf Dauer wäre ich dafür nicht geboren. Ich war dann doch froh, konnte ich meinen Hut wieder an den Nagel hängen und von der eher einsamen und monotonen Arbeit zurück in den termingeladenen Geschäftsalltag wechseln », erinnert sich Kuhn zurück.
Nach Hause gekommen ist sie auf jeden Fall mit einem gefüllten Rucksack neuer Eindrücke und Erfahrungen.

Unkompliziert und direkt
Heute wohnt sie einige tausend Kilometer weit weg von ihren schönen Erinnerungen in einer etwas kleineren Gemeinde namens Hefenhausen. Nicht ganz Amerika, aber immerhin auch Land, Kühe und Landwirtschaft. Zwischen ihren Auslandaufenthalten arbeitete sie für internationale Industrieunternehmen bis sie vor sieben Jahren zum VTL stiess. Als Assistentin der Geschäftsleitung betreut sie unter anderem das Sekretariat des Vorstandes, Präsidenten und Geschäftsführers, unterstützt den Thurgauer Obstverband, die Berufsbildungskommission sowie die Junglandwirtekommission und organisiert diverse Versammlungen und Veranstaltungen. Gefallen findet sie besonders am direkten und unkomplizierten Kontakt zu den Bauernfamilien. «Meine Arbeit ist so vielseitig und abwechslungsreich, mir wird nie langweilig », sagt sie selbst über ihre Tätigkeiten.

Fasziniert von der Politik
Ihre Arbeit ist das eine, ihr Engagement für die Allgemeinheit das andere. Als in der politischen Gemeinde Wäldi ein Mitglied für den Gemeinderat gesucht wurde, entschloss sie sich, dafür zu kandidieren und wurde gewählt. So ist sie heute für das Ressort öffentliche Sicherheit, Feuerwehr und Zivilschutz verantwortlich und präsidiert den Feuerwehr-Zweckverband Wäldi-Raperswilen. Aktuell absolviert sie noch eine Weiterbildung zur Fachperson Bau- und Planungswesen. «Mich haben die Politik und das Gemeinwesen schon immer interessiert. Ich empfinde unsere Heimat wie einen Sechser im Lotto, also möchte ich mich dafür einsetzen, dass auch unsere Nachkommen dies so sehen können», sagt sie überzeugt. Deshalb möchte sie ihr Engagement von der Gemeinde- auf die Kantonsebene ausweiten: Sie kandidiert am 10. April als Kantonsrätin für die SVP. Doch sind es nicht nur die öffentlichen Ämter, die Kuhn im Visier hat. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten sind für sie selbstverständlich, wie beispielsweise im OK für die Europameisterschaft im Wettpflügen 2017 in Diessenhofen oder die Mitarbeit für das Turnfest Seerugge, welches dieses Jahr vom 17. bis 19. Juni in Sonterswil stattfindet.

Zeit ist wertvoll
Und wie stehts mit Freizeit? Sie spielt gerne Volleyball, ist Mitglied in der Turnerinnenriege Sonterswil und bei den Landfrauen Wäldi und Umgebung. Aber das sind etwas rare Vergnügen, bei dem Pensum, das zu bewältigen ist. «Am wichtigsten sind mir meine drei Gotti-Kinder, Familie und Freunde. Mit ihnen Zeit zu verbringen ist für mich sehr wertvoll», sagt sie, um dann mit funkelnden Augen anzufügen: «Aber wenn ich für mich sein möchte, dann jogge ich durch die schöne Landschaft auf dem Seerücken oder schwinge mich auf mein Motorrad. Dabei kann ich so richtig abschalten.»


Daniel Thür













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