Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


"Ich sehe mich als Botschafter der Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 14 (2016)

Seine Leidenschaft gilt den Hochlandrindern und den Zahlen. Thomas Mettler arbeitet beim Verband Thurgauer Landwirtschaft als «Leiter Finanzen und Rechnungswesen» und betreibt zu Hause mit seiner Familie einen kleinen Betrieb mit Hochlandrindern. Das besondere Fleisch der «glücklichen» Tiere verkaufen sie ausschliesslich über Direktvermarktung.

Es ist ein kleines Nest, das Dorf Zuben, welches zur Gemeinde Langrickenbach gehört. Dort wohnt Thomas Mettler (41) mit seiner Frau Katja (37) und den Kindern Lynn (8), Nevio (6) und Gian (3). Mettler ist gelernter Landwirt und hat sich nach der landwirtschaftlichen Winterhandelsschule in Flawil zum technischen Kaufmann mit Fachausweis ausbilden lassen. Während seiner Tätigkeit als Treuhänder bei Agro Treuhand Thurgau schloss er zusätzlich die Ausbildung zum «Treuhänder mit Fachausweis» ab. «Für diese Weiterbildung habe ich mich entschieden, weil mir schon früh bewusst war, dass mein Betrieb für die Art Landwirtschaft, wie ich sie betreiben möchte (Rindviehhaltung), zu klein und keine berufliche Perspektive ist», so Mettler. «Da ich jedoch nicht einfach einen grossen Traktor und diverse Maschinen kaufen wollte, um damit Lohnarbeiten zu erledigen, entschied ich mich, mein Zahlenflair zu nutzen und in meine Weiterbildung zu investieren.»

Fleisch wird vermarktet
Der Hof der Familie Mettler umfasst rund 10 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Eine Hektare ist Weizen, der Rest wird futterbaulich genutzt. Auf den Feldern stehen Hochstammbäume, zudem werden noch 1.5 ha Wald bewirtschaftet. «Meine grosse Leidenschaft gilt jedoch unseren Hochlandrindern», sagt Mettler, nicht ohne Stolz. Im grosszügigen Laufstall stehen 43 Tiere. Der Stall ist so konzipiert, dass sich die Rinder selbstständig zwischen dem Stall und der angrenzenden Weide bewegen können. Das Fleisch der Tiere wird vermarktet. Ein kleiner Teil geht an das Restaurant Kreuzstrasse, welches von seiner Schwester geführt wird, der Rest wird an Privatkunden verkauft. Da Thomas Mettler zu 100 % beim Verband Thurgauer Landwirtschaft arbeitet, entlasten ihn Frau Katja und Vater Hansjörg bei den zahlreichen Arbeiten rund um die Tiere und den Fleischverkauf.

Hobby ist Beruf(ung)
Die Landwirtschaft ist Beruf und Hobby. Daneben treibt er gerne Sport, fährt Velo, Ski und war während über 20 Jahren im Turnverein aktiv. Das wichtigste für Mettler ist jedoch ganz klar die Familie. «Sie steht an allererster Stelle. Da kann ich geniessen, abschalten und einfach nur sein». Daneben engagiert er sich aber auch für das Gemeinwohl; seit letztem Jahr ist er Mitglied des Gemeinderates Langrickenbach und betreut das Ressort Landwirtschaft und Flurwesen.

Vermittelnde Rolle
Mettler lebt für eine nachhaltige Landwirtschaft. «Ich möchte meinen Betrieb und damit auch den Boden so bewirtschaften, dass ich ihn meinen Kindern später in einem gesunden und ertragsfähigen Zustand übergeben kann. So wie er den Betrieb führt, möchte er auch eine vermittelnde Rolle zwischen der produzierenden Landwirtschaft und der Bevölkerung einnehmen. «Ich sehe mich als eine Art Botschafter. Es freut mich, wenn ich Menschen sehe, welche die Tiere bestaunen und fotografieren», so Mettler. «Sie sehen mit eigenen Augen, dass es den Tieren gut geht, dass sie genügend Platz haben, gut versorgt und gepflegt werden».

Landwirt = Produzent
Die grösste Herausforderung sieht er in der demografischen Entwicklung, welche er etwas sorgenvoll umschreibt: «Mit jedem Jahr entfernt sich die Bevölkerung ein wenig weiter von der Landwirtschaft. Die städtische Bevölkerung kennt sie nur noch von den vollen Gestellen bei den Detaillisten, aus Heimatfilmen oder Dokumentationen». So sei es auch nicht verwunderlich, dass die Unterstützung und das Verständnis für die Landwirtschaft stetig abnehme. «Manch einer, welcher sich in der Freizeit auf dem Land austobt, vergisst, dass wir Landwirte diese Wiesen und Wälder pflegen und einen grossen Teil der Lebensmittel, welche in den Regalen stehen, produzieren. »


Daniel Thür










« zurück zur Übersicht