Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


"Ich vertrete nicht den Standpunkt pro oder kontra"

Ausgabe Nummer 36 (2016)

Peter Schweizer (45) ist das jüngste Vorstandsmitglied des VTL. Seit diesem Frühling betreut er das Ressort Ländlicher Raum/Gesellschaft. Mit seiner Frau Gerda (41) und den Kindern Joel (10), Lena (9) und Alexej (7), lebt der gelernte Landwirt und Umweltingenieur in Welfensberg am Nollen.

Fast 16 Hektaren Grünland mit 260 Hochstammbäumen umgeben den Bio-Hof, welchen die Familie bewirtschaftet. Die rund 60 silofrei gehaltenen Kühe betreuen Schweizers zu je 50 Prozent mit Familie Bommer in einer Tierhaltegemeinschaft, die seit 2003 besteht. Daneben sind sie unter anderem mit der eigenen Imkerei (rund 40 Völker) sowie der Früchtetrocknungsanlage beschäftigt. «Hier verarbeiten wir einen Teil unserer Früchte, welche wir für unser Früchtebrot verwenden, ebenso Beeren, Kräuter und auch Blüten. Für den Verkauf unserer Produkte können wir auch auf die gute Zusammenarbeit mit unserem Dorfladen in Wuppenau zählen», so Schweizer. Daneben amtet er auch noch als Geschäftsstellenleiter der LQ Projekte Thurgau.

Mehr Zeit dank THG
Dank der Tierhaltergemeinschaft kann sich Peter Schweizer seine Zeit besser einteilen. «Wir haben jedes zweite Wochenende frei und können Ferien ohne riesigen Organisationsstress planen. Neben arbeitswirtschaftlichen Vorteilen bringt die THG auch betriebswirtschaftlichen Nutzen durch Kosteneinsparungen für Maschinen- und Gebäudeunterhalt. Was immer möglich ist, reparieren oder bauen wir selbst». Seit April dieses Jahres ist Schweizer auch Vorstandsmitglied des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL. Eine Aufgabe, für die er sich bewusst entschieden hat: «Als Landwirt und Umweltingenieur sind mir die Vorstellungen, wie eine Landwirtschaft aussehen soll, von beiden Seiten bekannt. So sehe ich mich als Vermittler oder Brückenbauer. Die Kommissionen, welche ich übernehmen durfte, decken sich auch mit meinen persönlichen Interessen. Im Übrigen erachte ich es als wichtig, dass auch die Bioproduzenten im Vorstand vertreten sind», sagt Schweizer, der ausserdem auch Vorstandsmitglied von Bio Ostschweiz ist.

Nicht nur pro oder kontra
Die Aussage mit dem Brückenbauer nimmt er wörtlich. Es freut ihn, wenn er Nichtlandwirten die Landwirtschaft näher bringen und bei Bauern das Interesse für die Biodiversität und Landschaftsqualität wecken kann. Dabei hat die Produktion für ihn einen hohen Stellenwert. «Ich vertrete nicht den Standpunkt pro oder kontra Produktion/Biodiverstität. Auf den Betrieben hat beides Platz» ist Schweizer überzeugt, « Biodiversität und Landschaftsqualität sind als Betriebszweige zu betrachten. Je nach Standort und Neigung des Betriebsleiters ist die Verteilung von Produktion/Biodiversität unterschiedlich».

Unverständnis abbauen ist wichtig
Und das Brückenbauen muss weitergehen; das Un- oder geringe Verständnis der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft bereitet ihm manchmal etwas Sorgen. Vor allem dann, wenn er die Kommentarspalten zu landwirtschaftlichen Themen in Newsportalen liest, wird ihm schon mal ein wenig mulmig. «Ich bin aber überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wenn wir uns nicht verschliessen, sondern mit den Menschen Kontakt und das Gespräch suchen», so Schweizer.

Reisen hat Weltansicht geprägt
Wenn es die Zeit erlaubt, lehnt sich Peter Schweizer gerne mal mit einem Buch zurück, beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte unserer Landschaft oder geht auf Reisen. Sehr gerne unternimmt die Familie Wanderungen, aktuell sind sie auf dem Jakobsweg unterwegs und von Konstanz aus in Etappen nun auf dem Brünig angekommen. Was er in zehn Jahren macht? «Schwierig zu sagen. Wenn ich mich irgendwo engagiere, nehme ich mir genügend Zeit dafür. Ich denke aber, dass ich in zehn Jahren mehr Spielraum habe, zumal die Kinder grösser sind und zunehmend eigene Wege gehen». Vielleicht reicht es dann sogar wieder für eine grössere Reise, wie sie Schweizers 2004 unternommen hatten. In zwei Etappen fuhren sie mit dem Motorrad vom Thurgau über Iran bis nach Kirgistan, ein Jahr später über Kasachstan und Russland wieder zurück. «Dies hat uns bezüglich Weltansicht und Lebensvorstellungen sehr geprägt», erklärt Peter Schweizer. So sehen wir zum Beispiel auch die zunehmenden Flüchtlinge überall auf der Welt oder die Diskussionen um Glaubensfragen mit etwas anderen Augen als dies manche tun.


Daniel Thür













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