Ausgabe Nummer 30 (2007)
IG Bio-Ei Suisse testete Geflügelbetäubungsgerät
Lange Transportwege ausschalten
Legehennen soll der lange Transport vor der Schlachtung erspart bleiben. Oberstes Ziel soll aber die bessere Nutzung des Hühnerfleisches sein.Als Bioproduzent stehe er für die Ethik der Bioproduktion von Schweizer Eiern ein, sagt Andreas Zollikofer, Vizepräsident der Interessengemeinschaft (IG) Bio-Ei Suisse, Märstetten. Heute erfolge bei Legehennen eine Aufzucht von rund 18 Wochen. Darauf produzieren die Legehennen während rund einem Jahr Eier nach den Bionormen, ehe sie geschlachtet werden. Die Legehennen können heute nur in Zell LU und Courtepin FR geschlachtet werden. Wegen der kleinen Nachfrage werden nur 20 Prozent des Fleisches von Legehennen verwertet, der Rest werde der Verbrennung zugeführt, erklären Andreas Zollikofer und Sepp Rüegg, Inhaber der Geflügelzucht Gallipor AG Geisbühl, Märstetten. Nach dem Diktat der Schlachthöfe können die Legehennen erst bei Tageslicht verladen werden. Die Hühner werden durch die halbe Schweiz transportiert. Danach erfolge die Schlachtung erst nach 18.30 Uhr. Dies stresst die Hühner, sind die beiden Legehennenhalter überzeugt. Da die IG Bio-Ei Suisse mit der heutigen Situation nicht zufrieden sei, sei sie selber aktiv geworden, betont Zollikofer. Sie suche nun mit Bio Suisse, dem Schweizer Tierschutz (STS) sowie den zuständigen Behörden nach neuen Möglichkeiten.
In Deutschland erprobt
Der STS vermittelte den beiden Hühnerhaltern ein Geflügelbetäubungsgerät (Siepmann), das in Deutschland verwendet wird und von Experten für tierschutzgerechte Betäubung entwickelt wurde. Dieses Gerät eigne sich für den direkten Einsatz auf den Betrieben. So kann den Tieren der lange Transportweg erspart werden. Auch der normale Tagesrhythmus der Legehennen kann bei der «Ausstallung » eingehalten werden. Mit dem Geflügelbetäubungsgerät wird die Betäubungsspannung in Sekundenbruchteilen ausgelöst. Da die toten Hühner nicht der Lebensmittelproduktion zugeführt werden, kann die Tötung der Legehennen auf den Betrieben erfolgen. Das Geflügelbetäubungsgerät kostet rund 2500 Franken und könnte von mehreren Hühnerhaltern genutzt werden.
Hühnerfleisch besser verwerten
Vor wenigen Tagen wurde das Geflügelbetäubungsgerät im Beisein von Aurelia Zimmermann, STS, Kantonstierarzt Paul Witzig, Veterinäramt Thurgau, Jörg Cadisch, Tierschutzbeauftragter des Kantons Thurgau, und Rudolf Müller, Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), an rund 1000 Legehennen getestet. Dabei wurde der Test ? dem Tagesablauf der Legehennen entsprechend ? nach 21 Uhr durchgeführt. Andreas Zollikofer, Sepp Rüegg und Paul Witzig sind der Ansicht, dass mit dieser Methode den Tieren Stress und der unnötige Transport erspart bleibe. Heute werden die toten Legehennen der Verbrennung zugeführt. Ziel müsse es aber sein, dass das Fleisch der Legehennen nicht der Verbrennung, sondern der Nahrungsmittelkette zugeführt werde. In Deutschland werde das Fleisch der Legehennen weiterverarbeitet und konsumiert.
Mario Tosato

Sepp Rüegg (links) und Andreas Zollikofer mit dem deutschen Geflügelbetäubungsgerät, das getestet wurde. (tos)
