Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Im Stall angekommen - alle sind drinnen

Ausgabe Nummer 33 (2017)

Drei Jahre plante Arthur Ziegler aus Herrenhof einen neuen Lämmerstall für 588 Tiere. Der Weg bis zur Vollendung beschreibt er als steinig und hart. Seine ersten vier Schafe dienten ihm als Trainingstiere für seinen Hund. Aus dem Hobby entwickelte sich in den vergangenen 12 Jahren ein gefragtes Nischenprodukt.

Ein Arbeitstag neigt sich dem Ende zu, doch die sechsköpfige Familie Ziegler steht kurz vor Feierabend vor einem grossen Moment. Arthur Ziegler öffnet den alten Stall und lässt die jungen Schafe heraus. Mit Besen ausgerüstet stehen seine Jungmannschaft und Ehefrau Gabriela bereit, um den Tieren den Weg zu weisen. Nicht auf die Weide und auch nicht in einen Transporter. Nein – den Weg in den neuen Stall, der direkt nebenan steht. Der grosse lichtdurchflutete Holzbau bietet Platz für 588 Lämmer. Schnell begreifen die rund 180 Tiere wo sie hin müssen und wirbeln blökend das frische Stroh im Stall auf. Alle sind drin – das Tor ist zu. Arthur Ziegler strahlt über das ganze Gesicht. Er schaut zufrieden auf die Tierherde, die ihr neues Heim neugierig beschnuppert und erkundet und meint erleichtert: «Jetzt bin ich angekommen am Ziel, nach einem langen, steinigen Weg.» Skeptiker, die ihm das Umsetzen erschwerten, verzögerten die Durchführung seines Bauvorhabens. Doch daran will er jetzt nicht mehr denken müssen.

Der Hund brachte ihn aufs Schaf
Seit über 31⁄2 Jahren war er am Planen für einen tiergerechten Stall für seine Lämmer. Der gelernte Zimmermann ist in der Landwirtschaft ein Quereinsteiger. Persönliche Umstände zwangen ihn vor Jahren dazu, seinen erlernten Beruf an den Nagel zu hängen. Mehr durch Zufall kam er auf das Schaf und eröffnete mit der Aufzucht von Lämmern eine Betriebslücke. Ziegler erinnert sich noch gut, wie alles begann. Ein Border Colli fand damals bei der jungen Familie ein Zuhause. «Diese Hunde sind Arbeitshunde und unser Rasti liebte Schafe», sagt Ziegler. Er absolvierte mit ihm Hirtekurse und hatte grossen Spass. Es ging nicht lange, da zogen auf dem stillgelegten Bauernbetrieb vier Skudden-Schafe ein. «Platz war genug vorhanden und mit dieser Rasse von Prospecierara konnten wir zum Erhalt einer speziellen Sorte beitragen», sagt Ziegler. Die Freude an der Landwirtschaft sowie die Herde wuchsen. Ziegler lernte Schafkäse herzustellen und vermarktete das Fleisch. Der Wunsch, die Meisterprüfung der Landwirtschaft zu absolvieren, stieg.

Ein qualitativ hochwertiges Produkt weitergeben
Er erzählt, wie er auswärts auf einem Bauernbetrieb arbeitete, der immer wieder überschüssige Milch hatte. Nebenan führte ein Landwirt ein Milchschafbetrieb und wusste zum Teil nicht wohin mit den Lämmern, die nicht für die Zucht geeignet waren. «Das Wegleeren der Milch machte mir Mühe, und so entstand die Idee, die Milch für die Lämmer aufzubereiten. » Er nahm einige der Jungtiere mit nach Hause und es funktionierte. Das machte die Runde und er erhielt immer mehr Anfragen für die Aufzucht. Aus dem Hobby wurde ein Betrieb. Ziegler erhielt von Coop eine Anfrage, um Osterlämmer aufzuziehen. «So ein Angebot erhält man nicht alle Tage», sagt er. Doch damit er die gewünschte Menge an Tieren liefern konnte, musste er Platz für 400 Tiere schaffen. Der Platz wurde enger und enger. Die Nachfrage stieg und stieg. Mit den verschiedenen Provisorien war Ziegler nicht glücklich. «Es war ein ‹Gebastel› und für die Tiere wie auch den ganzen Betriebsablauf einfach nicht ideal», sagt er. So entstand die Idee mit dem neuen Stall für das Nischenprodukt Lämmeraufzucht. Rund 700 000 Franken investierte er dafür. Ihm ist wichtig, dass die Tiere gesund aufwachsen können und er damit ein qualitativ hochwertiges Produkt weitergeben kann.
Die Sonne ist bereits untergegangen. Ziegler steht immer noch mit Blick in den Stall auf die Schafherde. Das Blöken ist verstummt. Einige Tiere haben bereits die Futterkrippe entdeckt, andere den Ausgang in den Aussenbereich und wenige stehen da und schauen sich um. Das neue Zuhause scheint allen zu gefallen.


Daniela Ebinger

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