Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. März 2019


Im Zentrum stand der Rechtsstreit mit 65 Bauern

Ausgabe Nummer 10 (2019)

An den Regionalveranstaltungen der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) in Istighofen, Pfyn, Sulgen und Wängi standen Themen, wie sich die Milchproduzenten am besten organisieren, auf dem Programm. Im Zentrum stand jedoch der Rechtsstreit mit 65 Bauern.

Einmal mehr waren die traditionellen Regionalveranstaltungen der Thurgauer Milchproduzenten gut besucht. TMP-Präsident Daniel Vetterli erklärte, dass die Gruppe von Milchproduzenten, welche bereits wegen LactoFama-Beiträgen rechtlich gegen die TMP vorging, den Verband auf zwei Millionen Franken wegen unrechtmässigen Einforderungen betreiben will. Wie berichtet wurde, fand letzte Woche ein Gespräch zwischen den Klägern und Daniel Vetterli mit TMP-Vorstandsmitglied Fritz Stettler statt. Das Gespräch blieb ohne Erfolg. Die 65 Bauern, welche zum grössten Teil nicht mehr dem TMP angehören, verlangen, dass die Marketingbeiträge für die SMP zurückbezahlt werden. Er glaubt, dass unter einer Million Franken die Kläger nicht mit sich diskutieren lassen. Wie Vetterli weiter ausführte, verliefen die Gespräche anständig. Dass man keine einvernehmliche Lösung finden konnte, sei aber sehr schade. Vetterli stellte weiter fest, dass die Ausgangslage völlig offen sei.

Schaden möglichst in Grenzen halten
Er erklärte, dass die TMP bestmöglich verhandeln wollen, um den Schaden in Grenzen zu halten. Sollten die Kläger vor Gericht Recht erhalten, hätte dies finanzielle Folgen und es würde das Verbandsvermögen erheblich schmälern. Er bedauert auch den Imageverlust, welchen der Verband und die gesamte Thurgauer Milchbranche erneut erleiden. Vetterli erklärte auch das Interesse der TMP an weiteren Hochdorf-Aktien. Er hofft, dass die TMP-Mitglieder dem Vorstand ein Mandat zu Verhandlungen um Hochdorf-Aktien erteilen. Hochdorf führe in Sulgen einen grossen, modernen Betrieb und sei zudem ein grosser Abnehmer von Thurgauer Milch. Wenn die von Hochdorf lancierten Produkte im Baby-Food-Bereich erfolgreich werden, seien diese auch für die Thurgauer Milchproduzenten gut.

Silofreie Milch und Bio-Milchproduktion gefragt
Pierre-André Pittet, Vizedirektor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), stellte fest, dass die Zunahme der silofreien Milch und die Bio-Milchproduktion deutlich höher seien als die konventionelle Milchproduktion mit Silage-Fütterung. Die Menge der konventionellen Silomilch bleibe dabei unverändert. Pierre-André Pittet erklärte weiter, dass beim Käse- Import im Januar 2019 eine erfreuliche Zunahme von 6,1 % festgestellt wurde. Im Januar 2018 wurden 10 000 weniger Milchkühe als im Januar 2017 und bei den Jungtieren der Altersgruppe 1 bis 2 Jahren 6195 Jungtiere weniger registriert. Im Vergleich Januar 2019 gegenüber dem Januar 2012 wurden rund 50 000 weniger Milchkühe gehalten. In der EU sei ein starkes Wachstum bei Milchprodukten auf dem Bio-Markt festgestellt worden. Der Referent wies darauf hin, dass die EU-Magermilchpulverlager aufgebraucht seien und die Preise leicht ansteigen.

Thurgau liefert 8 % der Schweizer Milchmenge
Pierre-André Pittet wies darauf hin, dass der Thurgau knapp 8 % der Schweizer Milchmenge liefere. Kleinere Betriebe finden sich in den Bergen, grössere im Mittelland. Der Thurgau liege über dem Schweizer Niveau bezüglich Milchkuh pro Betrieb. Der Thurgau verfüge über eine vielseitige Milchverarbeitung. Hauptmerkmal sei die dezentrale Milchverwertung in gewerblichen Käsereien, die als Familienbetriebe geführt werden. Die Milch der Thurgauer Produzenten sowie etwa 50 Millionen Kilogramm zugeführte Milch werden in rund 50 Betrieben im Kanton Thurgau verarbeitet. Die drei grössten Betriebe sind dabei die Hochdorf Nutritec AG, Werk Sulgen, die Molkerei Biedermann AG, Bischofszell, und die Strähl Käse AG, Siegershausen. Die aktuellen Milchpreise für konventionelle Molkereimilch liegen leicht unter dem Vorjahr.

Thurgau im schweizerischen Durchschnitt
Wie Pierre-André Pittet weiter feststellte, liegen die Erstmilchkäufer von Molkereimilch aus dem Thurgau im schweizerischen Durchschnitt. Thurgauer Käsereien liegen aber gut 8 Rp. / kg tiefer. Der Milchpreis im Gebiet TMP für 2018 für Molkereimilch liege auf Schweizer Niveau. Die Bandbreite der Milchpreise liege mit 80,3 Rp. / kg (mooh) bis 84,7 Rp. / kg (Züger). Generelle Ansätze für bessere Milchpreise liegen im Bereich «Käse aus silofreier Milch». Wichtig sei eine gute Zusammenarbeit unter den Milchproduzenten und den Milchkäuferverbänden. Abschliessend erklärte Pittet, dass die Milchmenge den Milchpreis und der Milchpreis die Milchmenge mache. Die allgemeine Marktlage sei in der Schweiz und in Europa zurzeit für die Milchpreise positiv. Der Milchpreis hänge aber von der «Qualität» der Akteure und ihren strategischen Investitionen, welche zu unterschiedlichen Milchpreispotenzialen führen, ab.


Mario Tosato







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