Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Imkerei und Obstbau - eine Zusammenarbeit mit Herausforderungen

Ausgabe Nummer 11 (2018)

DV Verband Thurgauer Bienenzüchtervereine

Ruedi Ritter von Apiservice, dem Branchenverband der Schweizer Imker, hielt im Anschluss an die DV des Verbands Thurgauer Bienenzüchtervereine von Anfang März in Weinfelden ein öffentliches Referat zu Imkerei und Obstbau.

Der Referent betonte die Bedeutung des sachlichen Dialogs. Dies insbesondere, wenn man sich vor Augen führe, dass in der Landwirtschaft der Erwerb im Vordergrund steht, die Imkerei hingegen für rund 99 % der Imker ein Hobby, ausgeübt in der Freizeit, bedeutet. Er thematisierte den starken Druck, der auf den Landwirtschaftsbetrieben laste. Nicht jeder Betrieb gebe freiwillig auf, und die seit geraumer Zeit eingesetzte Diskussion um eine Häufung von Suizidfällen von Bauern sei ein klares Indiz für die verschärfte Erwerbssituation. Der Beibehalt eines guten Images sei zentral wichtig: Wenn beim Produkt Honig eine Rückstandsproblematik besteht, wird auch von den Konsumenten davon ausgegangen, dass die Früchte, zum Beispiel Kirschen, ebenfalls betroffen sind. Bilder von toten, vergifteten Bienen in den Medien lösen starke Emotionen aus. Deshalb sei es unerlässlich, gute landwirtschaftliche und imkerliche Praxis einzuhalten, so Ruedi Ritter. Dies nicht zuletzt uch, weil die Produkte aus Schweizer Herkunft im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz preislich deutlich höher liegen. Der Referent veranschaulichte die Komplexität der Materie anhand von Asulam, das sich im Feld zum Antibiotikum abbaut und als solches im Honig erscheinen kann. Nicht im Sinne eines Vorwurfes, aber als Bitte an die Obstbauern, appellierte der Referent, den Wirkstoff Thiamethoxam nicht während der Blütezeit auszubringen.

Imkerei – auch wirtschaftlich von Bedeutung
Mulchmäher und Mähaufbereiter verursachen Bienenverluste von 50 bis 70 %. Kreiselmäher sind weniger gefährlich für die Bienen, bei Messerbalken liegen die Bienenverluste unter 5 %. Ruedi Ritter räumte ein, dass es unterschiedliche Zahlen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Honig- und Wildbienen gibt. Der Wert der durch Honigbienenbestäubung entstandenen Produkte liege für die Schweiz zwischen 205 bis 479 Mio. Franken. Die einzelnen Früchte- und Gemüsesorten sind unterschiedlich abhängig von der Bestäubung, bei Äpfeln und Kirschen ist diese besonders gross. Bienen helfen auch, Wildpflanzen zu bestäuben und leisten einen Beitrag zur Biodiversität. Ruedi Ritter ging auf die topographischen Besonderheiten des Kantons Thurgau ein, der von einer grossen landwirtschaftlichen Fläche (52 %) und Wald (21 %) geprägt ist. Er zog das Fazit: «Die Imker und die Landwirtschaft haben keine Wahl, sie müssen miteinander kooperieren. » Er thematisierte die Bedeutung der Trachtflächen und bemerkte zu den Buntbrachen/Ackerrandstreifen, dass diese wertvoll sind. Deshalb erachte er es als angebracht, hierfür der Landwirtschaft ein Lob auszusprechen, anstatt die dafür entrichtete Entschädigung in Frage zu stellen.


Isabelle Schwander













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