Ausgabe Nummer 31 (2009)
Impfgegner wehren sich
In den Kantonen St. Gallen und Thurgau hat sich eine regionale Gruppe gebildet, welche für eine freiwillige Impfung kämpft. An einer Pressekonferenz auf dem Betrieb von Andreas Gall, Bettwiesen, wurde die Öffentlichkeit informiert.
Andreas Gall in Bettwiesen erzählt seine Erfahrungen, die er im vergangenen Jahr bei der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit gemacht hat. Nach zwei bis drei Wochen brachen bei vier Kühen starke Symptome wie Fressunlust, Immunschwäche, harte Euter, starker Milchrückgang und starke Abmagerung aus. Weitere Symptome und eine tote Kuh folgten. Zudem drohten Gall die Kunden, dass sie bei ihm kein Kalbfleisch mehr kaufen, wenn er die Tiere weiter impfe. Er schätzt den entstanden Schaden auf seinem Betrieb durch die Impfung auf rund 15 000 Franken.
Impfgegner wie Kriminelle behandelt
Unter der Führung von Biobauer Werner Ammann, Ganterschwil SG, wurde eine regionale Gruppe «St. Gallen, Thurgau» mit rund 30 Mitgliedern gegründet, die für eine freiwillige Impfung kämpft. Mit der BT-Impfung sei aus Angst vor einer möglichen Krankheit der Zwang zur flächendeckenden Impfung abgeleitet worden. «Eine völlig übertriebene Aktion», so Ammann. Die aktiven Impfverweigerer seien nur die Spitze des Eisberges. Sie nehmen den beschwerlichen und nicht ganz billigen Rechtsweg gegen die Impfdiktatoren in Kauf und werden notfalls bis vor Bundesgericht gehen. Neben der kleinen Zahl von Impfgegnern, die zur Zeit wie Kriminelle behandelt werden, gebe es eine grosse Zahl von Bäuerinnen und Bauern, welche die Impfung einfach erdulden, da ihnen sonst Verkaufssperren, Verbote der Alpung, Busse oder Haft drohen, bekräftigte Ammann.
Staat nimmt Verantwortung ab
Laut dem Sirnacher Tierarzt Andreas Schmidt (der nicht der Gruppe angehört), stellt die Impfung einen Eingriff beim Tier dar. Die Gefährlichkeit der Krankheit sei vorerst noch schwierig zu beurteilen. Schmidt zitierte den Thurgauer Kantonstierarzt aus dem Jahr 2008 mit den Worten: «Man kann daran zweifeln, ob es Staatsaufgabe ist, Tierhalter zu verfolgen, die ihre Tiere nicht schützen wollen.» Damit nehme der Staat den Bauern die Verantwortung ab, obwohl der gleiche Staat genau das von ihnen immer wieder verlange.
Bekämpfung der Blauzungenkrankheit überprüfen
Mit seinem Postulat verlangt der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller (der nicht der Gruppe angehört), dass die Strategie gegen die Blauzungenkrankheit für das Jahr 2010 neu beurteilt wird. Der Vorstoss wurde auch von SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischer Bauernverband (SBV), und FDPNationalrat Jacques Bourgeois, SBVDirektor, mitunterzeichnet. Insbesondere seien Vor- und Nachteile einer obligatorischen gegenüber der freiwilligen Impfung zu überprüfen und darzulegen.
Mario Tosato
Nicht gleicher Meinung über die Impfung zur Blauzungenkrankheit (von links nach rechts): Andreas Gall, Pia Stadler, Organisatorin, Andreas Schmidt, Walter Müller und Werner Ammann. (tos)
