Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Impulse für die Vermarktung und Stärkung des Saftkonsums

Ausgabe Nummer 10 (2017)

2. Ostschweizer Most-Fachtagung in Gossau SG

Die Obstfachstellen Thurgau und St. Gallen organisierten eine zweite Mostfachtagung, in deren Fokus das Referat aus dem «Mostviertel » stand.

Beat Ammann von der Halag Chemie AG thematisierte die Sauberkeit im Mostereibetrieb als Grundlage für Qualitätsprodukte. Je nachdem, welchen Zweck die Reinigung zu erfüllen hat, werden gezielt Laugen oder Säuren eingesetzt. Ebenso wichtig wie Hygiene ist die Arbeitssicherheit, gilt es doch, Haut und Augen zu schützen. In diesem Zusammenhang sei es unerlässlich, die 24-h-Notfallnummer 145 von Tox Info Suisse präsent zu haben. Beat Ammann betonte, dass es beim Verschlucken von Chemikalien nicht ratsam sei, den Betroffenen zum Erbrechen zu bringen. Es sollte genug Wasser verabreicht und sofort das Spital aufgesucht werden. Allgemein gelte es, die Anwendungsempfehlungen bei der Konzentration zu beachten. Und vor allem sollten Reinigungsmittel nur im Originalgebinde gelagert werden. Für Säuren und alkoholhaltige Laugen ist es unerlässlich, diese sorgfältig und getrennt zu lagern. Die Einhaltung der Sorgfaltspflicht vermeide Verwechslungen, die schwere rechtliche Konsequenzen mit sich ziehen können. Die Behälter dürfen im gleichen Raum auf separaten Paletten aufbewahrt werden. Der nachfolgende Referent Andreas Purt, Geschäftsführer der Mostviertel Tourismus GmbH, Niederösterreich, lieferte den Tagungsteilnehmern Impulse für die Direktvermarktung. Er hob hervor, dass die Produzenten im Mostviertel überwiegend auf Obst aus Streuwiesen setzen. Diese Anbaumethode wirke auf die Gäste authentischer, darüber hinaus sind Streuobstwiesen das Markenzeichen des Mostviertels.

Gästen Einblicke in die Produktion geben
Obstbauern und Gastronomen bieten im Mostviertel eine Erlebniswelt rund um die Mostbirne an. Von der Blüte bis ins Glas: Entlang der Moststrasse sollen die Touristen das Mostviertel mit allen Sinnen geniessen, so Andreas Purt. Kulinarische Genüsse, die Birnenmosttradition, und nicht zuletzt über 300 Birnensorten, die im milden Klima südlich der Donau gedeihen, locken jährlich eine stetig steigende Zahl von Touristen ins Land. Zu den zahlreichen Aktivitäten gehören die «Moststrassen-Heurigen». Mindestens zehn Wochen pro Jahr hat jeder Mostheurige geöffnet. Hier sitzen die Gäste mitten im Obstgarten oder in der urigen Stube, geniessen geprüfte Moste mit Gütesiegel, hausgemachte Säfte, Edelbrände und regionstypische Schmankerl. Wichtig für die Produzenten ist der Ab-Hof-Verkauf: Die Bauern lassen ihre Gäste hinter die Kulissen sehen und erzählen, wie Most gekeltert, Edelbrände destilliert oder Dörrobst getrocknet wird. Die Touristen haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Hotelangeboten oder dem Urlaub auf dem Bauernhof. Der Tag des Mostes, Mostfrühling und -herbst, Erlebnisausstellung Birnenleben, Spezerei mit Mostkultur und zahlreiche weitere Angebote beleben das Mostviertel. Eine Besonderheit sind die «Most-Barone». Diese engagieren sich für die Mostkultur, sind Qualitätsgaranten und für Veranstaltungen verantwortlich, von der Verkostung bis zum mostgraduellen Seminar.

Wertschöpfung erhöhen
Urs Müller vom BBZ Arenenberg zeigte sich von der Präsentation des Mostviertels beeindruckt. Er meinte, das Ostschweizer Mostindien sei vergleichsweise Brachland. Es bestünde noch viel Potenzial für die Realisierung ähnlicher Ideen, um den Saftkonsum zu beleben. In der Diskussion mit den Tagungsteilnehmern bestätigte Andreas Purt, dass es den Obstbauern des Mostviertels gelungen sei, ihre Erzeugnisse zu besseren Preisen anzubieten und ihnen damit eine gewisse Wertigkeit zu verleihen. Seine wichtigste Empfehlung an die Schweizer Moster: «Heben Sie die Wertigkeit Ihrer Produkte ebenfalls heraus und kommunizieren Sie diese, dann können Sie auch einen angemessenen Preis für die produzierte Qualität verlangen.» Stefan Freund interessierte, ob alle Produzenten sich bei den Aktivitäten der Moststrasse beteiligen. Andreas Purt räumte ein, dass noch nicht alle Betriebe kooperieren, aber es werden immer mehr.
Inspirierenden und auflockernden Charakter hatte die Verkostung von Cidre mit Philipp Grob, der in der Gastronomie als Bartender tätig ist. Er hatte einige Flaschen der «Cidrerie du Vulcain» eines Westschweizer Produzenten mitgebracht und überraschte unter anderem mit einem reinen Birnen-Cidre. Abschliessend gab Jonas Inderbitzin, Projektleiter Sensorik pflanzliche Produkte bei Agroscope, Empfehlungen für das Degustieren von Most. Unter anderem meinte er, wenn es viele Proben zu degustieren gelte, sei das Ausspucken vorteilhaft. Er gab einige Tipps für die Produktvermarktung und betonte die Bedeutung einer korrekten Produktbeschreibung. «Beschreiben Sie beispielsweise Ihren Apfelschaumwein mit positiven Attributen, aber veralbern Sie den Konsumenten nicht mit Übertreibungen und Floskeln.»


Isabelle Schwander







« zurück zur Übersicht