Ausgabe Nummer 7 (2009)
In Erinnerung an Walter Ritter
Walter Ritter: 5. Oktober 1935 bis 26. Januar 2009
Am 26. Januar 2009 hat sich der Lebenskreis von Walter Ritter-Keller geschlossen. Nach kurzer, schwerer Krankheit starb der lebens- und glaubensfrohe Mann in seinem 74. Lebensjahr. Die Abdankungsfeier in der Kirche im thurgauischen Wängi geriet zu einem eigentlichen Erntedankfest, denn der Verstorbene hat mit weitem Horizont viele Felder beackert.Ein Leben für die Mitmenschen
In Steckborn am Untersee geboren und aufgewachsen, liess sich Walter Ritter am Seminar Kreuzlingen zum Primarlehrer ausbilden; diesen Beruf übte er in Berlingen und Neukirch-Egnach aus. Den Anliegen und Ideen der «Jungen Kirche» nahe, übernahm Walter Ritter in den Sechzigerjahren die Leitung der Evangelischen Jugendheimstätte in Magliaso am Luganersee. Zusammen mit Lörli Keller gründete er dort eine Familie, zu der die Kinder Cornelia, Rahel und Simon zählen. Im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung ging Walter Ritter als Jugend- und Eheberater nach Grenchen. Zwischen 1981 und seiner Pensionierung 1997 stand Walter Ritter dann im Dienst der Evangelischen Zürcher Landeskirche. Zehn regionale ökumenische Eheberatungsstellen baute er auf und betreute sie fachlich und seelsorgerlich.
Breites Wirken
Im Jahre 1973 war Familie Ritter in den Thurgau heimgekehrt. Reisen in alle Welt haben Walter Ritters Horizont geweitet. Man kannte und man schätzte den aufgeschlossenen Menschen allerorten:Als passionierter Musiker war er zugleich Komponist, als Laienprediger zugleich Literat und gefragter Kolumnist für kirchliche und weltliche Blätter, so auch für den «Thurgauer Bauer». Seine Artikel waren zwar oftmals unkonventionell, aber äusserst tiefgründig und immer ausgestattet mit einer gehörigen Portion des legendären Ritter-Humors. Sie trugen Titel wie etwa «Anregungen aus einem Ehe-WK ? Ganz ellei de Chare züche» (Februar, 2006) oder «Unter jedem Dach wohnt ein Ach» (November, 2008) im Zusammenhang mit der Hofübergabe. Sein letzter Artikel im «Thurgauer Bauer» unter dem Titel «Echte Männer schmusen nicht» erschien am 23. Januar 2009.Walter verstand es dank seiner grossen Erfahrung mit den Bauernfamilien perfekt, den Problemen und Konflikten derselben einen Spiegel vorzusetzen.
Als Berater und Wegweiser in Seminarien, Vorträgen, als Unterrichtender unter anderen am Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) der Thurgauer Landwirtschaft auf Arenenberg gewann er allenthalben eine dankbare Zuhörerschaft.
Fröhlich und humorvoll
Walter Ritter war ein fröhlicher Mensch, gesegnet mit ansteckendem Humor. Wenn er die Geschäftsstelle des Thurgauer Bauernverbandes besuchte, hatte er immer auch Anekdoten aus seinem faszinierenden Leben mit dabei, die er auf eine Art zu erzählen wusste, die nicht selten die Lachtränen in die Augen trieb.
Seine Zürcher Weggefährten erinnerten in einem von Pfarrer Christoph Naegeli an der Trauerfeier verlesenen Dankesbrief an diese Begabung: «Walter Ritter hatte eine grosse Leidenschaft für das Menschliche, für die Vielfalt des Lebens, für den Respekt vor dem Andern, für Toleranz, einander Raum zu geben».
Hans Ruedi Fischer
Hermine Hascher (TBV)
Würdigung aus Sicht des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg
Bei seinen vielen Tätigkeiten hat auch die landwirtschaftliche Berufsbildung und die Landwirtschaft generell eine wichtige Rolle gespielt. Walter Ritter unterrichtete seit dem Jahre 1981 am BBZ Arenenberg das Fach Lebenskunde und später, bis zu seiner Pensionierung, in der Betriebsleiterschule die Bereiche Selbst- und Methodenkompetenz, im Rahmen des Moduls Persönlichkeitsbildung. An vielen Veranstaltungen für Lehrmeister und Lehrlinge, an Kursen zur Hofübergabe, bei Einzelberatungen und bei Fragen des Zusammenlebens von Generationen, liess Walter Ritter Teil haben an seinem reichen Wissen und seiner grossen Lebenserfahrung. Beim Aufbau des Netzwerks «Wegweiser für Thurgauer Bauernfamilien » hat er wertvolle Beiträge geleistet.Durch sein Wirken an der Schule war er nahe bei der Jugend. Er hat ihre Fragen, ihre Sorgen und Nöte verstanden wie kaum ein anderer. Er hat weder den jungen Menschen noch den Erwachsenen Rezepte verteilt für die Lösung von Lebensproblemen aber er hat ihnen Halt gegeben und Mut gemacht, die Probleme anzugehen und den eigenen Weg für Lösungen zu finden.
Walter Ritter war eine aussergewöhnliche, eine edle und starke Persönlichkeit. Er war direkt und hat sich nie gescheut, die Dinge beim Namen zu nennen und für seine Überzeugungen zu kämpfen, auch wenn er wusste, dass er sich damit nicht nur Freunde schaffen würde. Er verstand es, positiv zu kritisieren, aufzubauen und zu stärken. Ein liebenswerter, wohlwollender und vielseitig interessierter Mensch, der mit seinen Gaben vielen etwas hat geben können. Er war geradlinig und korrekt, konnte begeistern und mitreissen. Seinen Respekt und seine Toleranz lebte er glaubwürdig vor. Er brachte aber auch Farbe und viel Humor ins Leben, er war ein fröhlicher Mensch der immer am Puls der Zeit blieb und der es mit seiner Lebensnähe verstand, viele Impulse zu setzen.
Der Thurgau, seine Wohngemeinde Wängi und seine Familie aber blieben für Walter Ritter immer der Lebensmittelpunkt. Besonders wohl fühlte er sich im Kreise der ländlichen Bevölkerung und der Landwirtschaft. Für sie hat er sich unermüdlich eingesetzt.
Walter Ritter hat dem BBZ Arenenberg und den vielen jungen Menschen, die ihm begegnet sind, viel gegeben. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Der landwirtschaftlichen Bevölkerung hat er bei vielen Gelegenheiten aufgezeigt, dass das Leben nicht nur aus «Chrampfe und Jufle» bestehen darf. Er hat vielen die Augen wieder geöffnet für die Schönheiten und die Einzigartigkeit dieses Berufs. Wir haben einen lieben Freund und Wegbegleiter verloren.
Seiner Gattin, seinen Kindern und allen weiteren Trauernden versichern wir unsere herzliche Anteilnahme. In stillem Gedenken nehmen wir Abschied von Walter Ritter. Er lebt in unseren Herzen weiter und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, Otto Balsiger

