Ausgabe Nummer 28 (2006)

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Informationsanlass der Fenaco Region Ostschweiz am Strickhof Wülflingen

Vorbereitung auf den Markt der Zukunft


Die Fenaco hielt im schwierigen Landwirtschaftsjahr 2005 ihren Kurs. Der Umsatz der fenaco-Gruppe liegt mit 4,378 Milliarden Franken um 7 Prozent über dem Vorjahr. Das Unternehmensergebnis der Gruppe hat sich um 9,7 Prozent verbessert, der Eigenkapitalanteil stieg gleichzeitig auf 38,7 Prozent.
Die Fenaco steht einem Freihandelsabkommen mit der EU ablehnend gegenüber.


Mit ihrem zahlreichen Erscheinen am 4. Juli demonstrierten die Vertreter der kantonalen Ämter, Fach- und Beratungsstellen, landwirtschaftlichen Organisationen und Forschungsanstalten ihr Interesse an der Entwicklung der Grossunternehmung Fenaco. Dominik Möckli, Regionalleiter fenaco Ostschweiz, konnte über ein positives Geschäftsresultat 2005 berichten. Einzig im Agrarsegment, das den Verkauf von landwirtschaftlichen Produktionsmitteln umfasst, musste ein leichter Umsatzrückgang verzeichnet werden. (Detaillierte Geschäftszahlen der Fenaco im Geschäftsbericht 2005 unter www.fenaco.ch).

Priorität Inlandhandel
«Nur gerade 10 Prozent der Ernten werden auf dem Weltmarkt gehandelt», erklärte Willy Gehriger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco, «und landwirtschaftliche Produkte machen nicht einmal 9 Prozent der gesamthaft auf dem globalen Markt gehandelten Güter aus.» Die kleine Schweiz liege momentan als Agrarimportland an zehnter Stelle. Trotz hohem Zollschutz verzeichne die Schweiz aber den höchsten Nettoimport pro Einwohner mit wertmässig über 700 Franken. Gehriger attestierte der Schweizer Landwirtschaft gute Zukunftschancen. Wenn man bedenke, wie die Weltgetreidereserven immer stärker schrumpfen, werde der Stellenwert der Landwirtschaft in Zukunft wohl noch ansteigen. Die Ursache für die kleinen Weltgetreidereserven, die nur noch einen guten Monat ausreichen würden, sei bei der Nutzung immer grösserer Getreidemengen für die Energiegewinnung zu suchen. Gehriger rechnete die möglichen Auswirkungen des Agrarfreihandels mit der EU am Beispiel des Kartoffelbaus vor: einem Einsparungspotenzial von etwa 1000 Franken pro Hektare auf Seiten der Produktionskosten würden Ertragseinbussen von 3300 Franken gegenüberstehen, was schliesslich eine Einkommensminderung von über 2300 Franken zur Folge hätte. Auch über die gesamte Landwirtschaft gesehen, schätzte Gehriger, könne nur etwa ein Drittel der Einkommenseinbussen über tiefere Produktionskosten wettgemacht werden. Wichtig für die Zukunft der einheimischen Landwirtschaft sei bei jedem agrarpolitischen Szenario, dass der hohe Marktanteil am inländischen Konsum gehalten und die Nähe zum Konsumenten genutzt werde.

Konsument spürt wenig
Pius Eberhard, Getreide und Ölsaaten, fenaco, referierte über die Herausforderungen im Getreidesektor. Beim drohenden Preisabbau durch die Agrarpolitik 2011 werden die Landwirte die Leidtragenden sein. Während die Produzentenpreise sinken, werden die Kosten der Produktionsmittel nicht in gleichem Masse reduziert. Da die ausserlandwirtschaftlichen Kosten praktisch unverändert hoch bleiben, wird der Konsument am Ende der Kette ? vor allem bei verarbeiteten Produkten ? wenig spüren. Besonders anschaulich lässt sich dieser Prozess am Beispiel des Brotes zeigen: Der Anteil Mehlkosten am Brotpreis macht gerade einmal 19 Prozent aus. Hier wird schnell klar, dass die alleinigen Bemühungen, die Produzentenpreise zu senken, kaum bis auf den Endproduktepreis durchschlagen.

Entwicklung Weinmarkt
Die Entwicklung der Rebflächen in der EU sei leicht abnehmend, während die Flächen ausserhalb der EU tendenzmässig anstiegen. Urs Schweingruber, Volg Weinkellereien, erklärte, dass der Weinkonsum in der Schweiz in den letzten fünf Jahren etwas zurückgegangen sei. Als mögliche Gründe dafür nannte Schweingruber den veränderten Lebensstil und die Senkung der Promillegrenze. In der Schweiz werden mehr ausländische als inländische Weine konsumiert, etwa im Verhältnis 60 zu 40 Prozent. Im Gegensatz zu verschiedenen Grossverteilern, die in ihren Verkaufsregalen das gleiche Verhältnis aufweisen, vermarktet Volg einen wesentlich grösseren Anteil an Schweizer Weinen. Schweingruber zeigte sich darüber beunruhigt, dass Designweine, die ? oft auch mit hierzulande unüblichen Methoden ? speziell für den Massengeschmack kreiert werden, immer grössere Marktanteile gewinnen.

«Schwein» im Tank
Der Leiter des Bereichs erneuerbare Energie bei der Fenaco, Hansruedi Henggeler, stellte dem Publikum die «SwissFarmerPower AG» vor. Das Projekt ist durch die Gülleüberschussproblematik in der Innerschweiz entstanden. Die Initianten planen im Kanton Luzern den Bau der grössten Schweizer Biogasanlage. Jährlich sollen aus 30 000 Tonnen Gülle und Mist (entspricht 2500 DGVE) und etwa 8000 Tonnen Kosubstrat Biogas etwa 12 000 MWh Energie sowie etwa 4000 Tonnen Dünger und Bodenverbesserer gewonnen werden (weitere Informationen zum Projekt unter www.swissfarmerpower.ch). Henggeler informierte auch über den Einzug der Biotreibstoffe in das Sortiment der Agrola. An verschiedenen Standorten wird die Agrola ? vorläufig testweise ? Tankstellen mit Rapsmethylester- oder Bioethanolbeimischungen einrichten.

Andreas Rohner


Dominik Möckli, Willy Gehriger, 
Hansruedi Henggeler (von links 
nach rechts) und weitere 
Referenten informierten am 
Strickhof Wülflingen. (ro)
Dominik Möckli, Willy Gehriger, Hansruedi Henggeler (von links nach rechts) und weitere Referenten informierten am Strickhof Wülflingen. (ro)