Ausgabe Nummer 6 (2009)

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Informationsveranstaltung über die Blauzungenkrankheit

Bauern fordern freiwillige Impfung

Direkt betroffene Bauern wollen in diesem Jahr ihre Tiere gegen die Blauzungenkrankheit nicht mehr impfen. Behörden halten am Obligatorium fest.

In weiser Vorahnung mahnte Moderator Rolf Gerber, Chef Amt für Landwirtschaft und Natur, die weit über 400 Besucher der Informationsveranstaltung «Blauzungenimpfschäden und kein Ende» am Strickhof in Wülflingen zu fairen Diskussionen. Lukas Perler, Bundesamt für Veterinärwesen, Leiter Sachbereich Tiergesundheit, stellte fest, dass in Frankreich 24041 Fälle, in Deutschland 2642 Fälle und in Schweiz 40 Blauzungen- Krankheitsfälle bekannt wurden. Er betonte, dass mit der obligatorischen Impfung die Blauzungenkrankheit in der Schweiz eingedämmt werden konnte. Der Impfstoff sei auf seine Zulässigkeit geprüft worden. Laut Perler wurden 3,5 Millionen Impfungen vorgenommen. Auf rund 14000 Impfungen sei je eine Meldung über Frühgeburt,Verwerfen, Fruchtbarkeit und Zellzahlen eingegangen.Auch bei den Zellzahlen seien keine signifikanten Veränderungen festgestellt worden.

Behandlungen verursachten grosse Kosten
Diesen Argumenten widersprachen direkt betroffene Bauern wie Andreas Peter, Schlatt, Siegfried Bertschinger, Dübendorf, Franz Abächerli, Edlibach, Max Zollinger, Uster, und Thomas Jucker, Dettighofen vehement. So berichtete Peter, der einen Hof mit 50 Kühen bewirtschaftet und einen Stalldurchschnitt von 9400 Kilogramm Milch ausweist, von Kühen, die nach der Impfung zu früh kalbten und von extremer Mastitis befallen wurden. «Bei vielen Tieren waren alle weichen Organe wie Leber und Lunge kaputt.» Die Blauzungenkrankheit habe auf seinem Hof viel Arbeit, Stress und Kosten von 76000 Franken ausgelöst.

Bauern verlangen die freiwillige Impfung
«Ich habe bei der Impfung von Beginn weg nie ein gutes Gefühl gehabt», erzählte Siegried Bertschinger. Vom Tierarzt seien die Probleme heruntergespielt worden. Auch sonst habe er von keiner Seite Hilfe erhalten. Er appellierte an die Behörden, die Blauzungenimpfung künftig auf freiwilliger Basis durchzuführen. Franz Abächerli, der in seinem Stall unter anderem sechs Kühe hat, die eine Lebensleistung von 100000 Kilogramm Milch ausweisen, sprach von Kälbern, die fast nicht stehen konnten, Euterentzündungen und schlechten Zellzahlen. Einig waren sich die betroffenen Bauern, dass sie in diesen schwierigen Situationen praktisch keine Unterstützungen erhielten. Neben den finanziellen Schäden habe auch das Familienleben unter dieser extremen Stresssituation gelitten. Die meisten von ihnen werden in diesem Jahr ihre Tiere nicht mehr gegen die Blauzungenkrankheit impfen und nehmen so bewusst eine Busse bis zu 20 000 Franken in Kauf.

Impfobligatorium bleibt bestehen
Betroffen von den Schilderungen zeigte sich Kantonstierärztin Regula Vogel. Die Meldungen über unerwünschte Wirkungen seien nur spärlich eingetroffen. Um die obligatorische Impfung in diesem Jahr zu verbessern, wird den Tierhaltern eine Broschüre abgegeben. Die gesetzlichen Grundlagen lassen es nach Vogels Aussagen nicht zu, Schäden auf den Betrieben finanziell zu entschädigen.Auch halte der Kanton am Impfobligatorium fest.

Kanton soll Schäden bezahlen
«Was sich hier abspielt, ist ein richtiger Blauzungen-Impfskandal. Behörden und ein Grossteil der Presse haben nur mangelhaft informiert», empörte sich der grüne Kantonsrat Urs Hans, Turbenthal. Nach dem Motto «wer befiehlt zahlt», müsse der Kanton die Schäden bezahlen. Er forderte eine sofortige Aufhebung des Impfzwanges, die sofortige Einführung einer unabhängigen Meldestelle sowie die rasche Entgeltung der geschädigten Tierhalter durch den Kanton. Er verlangt zudem eine Tierkrankenkasse. Viel Verständnis für die betroffenen Bauern zeigte Hans Staub, Präsident des Zürcher Bauernverbandes. In Arbeitsgruppen mit allen Akteuren sollen die anstehenden Probleme effizient gelöst werden.

Mario Tosato