Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Inlandproduktion statt Sojaimporte

Ausgabe Nummer 39 (2017)

Gründungsversammlung der «IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen»

Die Gründung einer Interessensgemeinschaft soll dem Anbau von einheimischen, eiweisshaltigen Futterpflanzen Schub verleihen.

Der Anbau von Weissklee oder Klee-Gras-Mischungen zur Herstellung von Pellets als Ersatz für Soja in der Nutztierfütterung ist an sich nichts Neues. Bereits 2009 starteten Daniel Nyfeler, Jakob Rohrer und Christoph Baumgartner vom BBZ Arenenberg das Projekt «Futtereiweiss aus einheimischer Produktion ». Nach Vorversuchen mit vielversprechenden Resultaten fanden im Frühjahr 2011 erste Feldversuche statt. Im Herbst 2011 folgte der Übergang auf den Anbau in der Praxis. Obwohl das Projekt aus ökologischen und ethischen Gründen Sinn macht, ist es eine Nische geblieben.

Es fehlten die Strukturen
Zwar wurde damals eine IG Weissklee gegründet, sie war allerdings nur ein lockerer Zusammenschluss von Interessierten. Das will eine Gruppe von Pionieren unter Federführung von Andy Vogel und Heinz Brauchli, beides Produzenten der ersten Stunde, und Daniel Fröhlich, Bioberater am BBZ Arenenberg, nun ändern. «Die Hauptakteure versuchten bis anhin als Spurgruppe die Sache am Laufen zu halten. Dabei ist die Erkenntnis gereift, dass es einen Verein und Strukturen braucht», sagte Vogel letzten Freitag an der Gründungsversammlung der «IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen».
Die IG soll eine Plattform sein für Produzenten, Verarbeiter und Abnehmer. Einerseits erhoffen sich die Verantwortlichen durch die Vereinsgründung mehr Beachtung. Andererseits ermöglicht die IG eine Bündelung der Interessen, was die Weiterentwicklung zum Beispiel bei der Erntetechnik vorantreibt.

Erträge höher als bei Soja
Für Daniel Fröhlich gibt es verschiedene Gründe, weshalb es die IG braucht. Da ist in erster Linie der Sojaimport aus Übersee, der bei den Konsumenten Fragen aufwirft. «Der Anbau von einheimischen Futterleguminosen ist eine sinnvolle Alternative dazu. Und vor den Erträgen brauchen wir uns nicht zu verstecken. » Das zeigten auch die von ihm präsentierten Zahlen. Bei Weissklee liegen die Erträge bei 105 dt TS/ha (23 Prozent Rohproteingehalt in den Pellets) und bei Klee-Gras-Mischungen bei 145 dt TS/ha (18 Prozent Rohprotein). Im Vergleich dazu rechnet man bei Sojabohnen mit Erträgen von 26 dt TS/ha (41 Prozent Rohprotein).

Es fehlen Trocknungsstellen
Andy Vogel kündigte an, dass man für 2018 schon Einiges geplant habe. Es sollen Flurgänge zur Produktionstechnik mit Maschinendemos stattfinden. Ein Thema, wo man gemäss Vogel «am Ball bleiben muss», ist der hohe Energieverbrauch bei der Trocknung. Optimierungsmöglichkeiten sieht er, wenn man Pelletieranlagen an Biogasanlagen koppeln könnte. Ein weiterer Punkt betrifft die Trocknungsstellen. Davon gibt es heute zu wenig. Vogel weiss: «Gerade im Kanton Schaffhausen und im Weinland ist ein grosses Interesse vorhanden. Da aber Trocknungsanlagen fehlen, müsste das Gut nach Frauenfeld oder Märstetten transportiert werden, was die Sache eher in Frage stellt.»

Brennnesseln für die Schafe
Keine Weissklee-, sondern Brennnesselpellets verfüttert Urs Maier aus Iselisberg seinen 400 Milchschafen. Wie es dazu kam, erläuterte er in einem Kurzreferat im Anschluss an die Gründungsversammlung. «Ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, dass Brennnesseln gut für die Verdauung der Tiere sind. Also begann ich, Brennnesseln zu sammeln, zu trocknen und den Schafen zu verfüttern.» Mit dem steigenden Tierbestand, war es dann irgendwann nicht mehr möglich, die nötigen Mengen von Hand zu sammeln.
Maier, der laut eigenen Aussagen gerne Neues wagt und das Risiko nicht scheut, entschloss sich kurzerhand ein Brennnesselfeld anzulegen. «Ich habe für 10 000 Franken Brennnesselsetzlinge bestellt und diese gesetzt.» Er machte keinen Hehl daraus, dass sie fast verzweifelt seien, bis die Setzlinge endlich im Boden waren.

Als Pellets und Tee
Aus dem zwei Hektaren grossen Brennnesselfeld produziert Urs Maier rund zehn Tonnen Pellets pro Jahr. Etwa die Hälfte verfüttert er seinen Schafen in Form von Pellets oder als Brennnesseltee, der übers Futter gegossen wird. Jeden Tag rühren Maiers aus Wasser und Pellets 100 Liter Tee an. Den anderen Teil verkauft Maier an Berufskollegen.
«Wunder vollbringen können die Brennnesseln sicher nicht. Wenn die Fütterung schon vorher stimmte, sind die Unterschiede fast nicht sichtbar», stellte Maier klar. «Was ich jedoch konkret festgestellt habe, ist, dass sich die Melkbarkeit verbessert hat.» Die Pflanze habe zudem positive Auswirkungen auf die Verdauung, die Klauengesundheit und den Stoffwechsel der Schafe.

Auf dem richtigen Weg
Im Hinblick auf die Sojaimporte und den schwierigen Stand von einheimischen Leguminosen als deren Ersatz ist Urs Maier überzeugt: «Solange Soja nicht verboten wird, wird sie in der Fütterung eingesetzt. Erst dann kommt auch die IG Eiweissfutter so richtig in Gang.» Aber bereits heute brauche es Pioniere, die alternative eiweisshaltige Kulturen anbauten. «So sind wir einen Schritt voraus und bereit für die Zukunft.»


Stefanie Giger
Redaktorin «BauernZeitung»

Auskünfte erteilen:
Daniel Fröhlich, Telefon 071 663 33 72
E-Mail: daniel.froehlich@tg.ch
und
Andy Vogel, Telefon 076 414 28 82
E-Mail: betrieb@ cyberstep.ch










« zurück zur Übersicht