Ausgabe Nummer 35 (2006)

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Internationale Beerentagung in Bruson VS


Am 22. Juli 2006 fand auf dem Versuchsbetrieb der Agroscope Changins-Conthey, unter dem Vorsitz von Dr. Christoph Carlen, eine internationale Tagung statt. An dieser Tagung ging es um Himbeersortenversuche, Bekämpfung von Himbeerrutenkrank- heiten, Johannissbeersortenvergleiche, Schnittversuche bei Johannisbeeren und um die Be-kämpfung des Glasflüglers.

1. Himbeersorten (Die wichtigsten Resultate von André Ancay)
Tulameen, als Sommersorte, ist die interessanteste Sorte in Bezug auf die Fruchtgrösse (3,8 bis 4,6 g) und die geschmacklichen Eigenschaften. Hingegen sind in den letzten Jahren grosse Probleme beim Austrieb im Frühling festgestellt worden, was sich stark auf den Ertrag auswirkt.
Himbo Top, als Herbstsorte, weist eine sehr interessante Fruchtgrösse auf (4,1 bis 5,0 g). Der Ertrag ist gut und die Früchte haben einen angenehmen Geschmack und sehen sehr gut aus. Die Sorte ist sehr wuchskräftig, was eine Anpassung der Stütz-strukturen verlangt.
Polka hat ebenfalls eine sehr interessante Fruchtgrösse (4,3 bis 4,9 g). Der Ertrag ist in Conthey mit dem von Himbo Top vergleichbar, in Bruson jedoch geringer als der von Himbo Top. Die Qualität ist geringfügig besser als die von Himbo Top. Die Wuchskraft ist mittelmässig. Die Fruchtzweige sind relativ kurz, was die Erntear-beit erschwert, da die Früchte im Blattwerk versteckt sind.

2. Bekämpfungsstrategien gegen die Rutenkrankheiten (nach Vincent Mi-chel)
Die durch die Pilze Leptosphaeria coniothyrium und Didymella applanata verursachten Rutenkrankheiten der Himbeere können im Falle eines starken Befalles zum Absterben der Ruten vor der Ernte führen. Alle zugelassenen Fungizide haben nur eine Teilwirkung und wirtschaftliche Verluste sind oft bedeutend. Schottische und deutsche Forschungsarbeiten aus den 70er und 80er Jahren zeigten auf, dass die Infek-tionsrisiken im Juni bis August am grössten sind. Zu diesem Zeitpunkt entstehen Wachstumsrisse und die Ruten sind noch nicht verholzt. Diese zwei Bedingungen be-günstigen die Entwicklung der zwei Krankheitserreger in den Jungruten, welche als Folge davon im nächsten Jahr absterben. Unglücklicherweise ist der Einsatz von Fun-giziden in diesem Zeitpunkt nicht möglich, da er mit der Ernteperiode zusammenfällt.

Zurzeit ist in Bruson ein Feldversuch im Gange. Darin werden verschiedene Bekämpfungs-strategien, welche sich durch verschiedene Behandlungszeitpunkte unterscheiden, untersucht. Behandlungszeitpunkte mit Euparen: 1. Behandlung anfangs Vegetation, 2. Be-handlung vor der Blüte, 3. Behandlung zur Blüte, 4. Behandlung nach der Ernte.

3. Rote Johannisbeeren (nach André Ancay)

Folgende Sorten wurden miteinander verglichen: Detvan, Maraton, Rolan, Tatran und Rovada.
Ertragsmässig waren die interessantesten Sorten Tatran (11 kg/Strauch) und Detvan (10 kg/Strauch). Die übrigen Sorten wiesen einen Ertrag von weniger als 8 kg/Strauch auf. Geschmacklich schnitt die zuckerreiche Sorte Rovada am besten ab. Die Sorten mit den längsten Trauben sind Detvan (15 cm), Tatran (12,7 cm) und Rolan (12,3 cm). In den Sortenvergleichen bei Cassis waren die folgenden Sorten am ertrag-reichsten: Titania (1,6 kg/m2), Ceres (1,4 kg/m2), Viola (1,2 kg/m2) und Eva (1,2 kg/m2). Die anderen Sorten wiesen einen ungenügenden Ertrag auf. Mit mehr als 5 kg/Stunde war die Erntegeschwindigkeit bei den Sorten Titania und Ojebin am höchs-ten.

4. Schnittversuche bei Johannisbeeren (Ergebnisse von Roger Carron)
Das Kontrollverfahren mit einer Pflanzendichte von 43 Sträuchern/Are hatte im Ver-gleich mit den Verfahren mit einer Pflanzendichte von 29 Sträuchern/Are einen klar höheren Ertrag pro m2 (+ 300 g/m2). Dafür ist die Anzahl Trauben pro Fruchtzweig bei diesem Verfahren mit einer höheren Pflanzendichte tiefer, was eine geringere Ern-tegeschwindigkeit zur Folge hat.
Dies kann dadurch erklärt werden, dass, bedingt durch den geringeren Pflanzenabstand von 1 m in der Linie, die Blattmasse zu gross ist. Dies führt zu einem Lichtmangel, welcher die Photosynthese und die Fruchtbildung negativ beeinflusst. Das Verfahren «Knospenausbrechen + Ausdünnen» ergab die schlechtesten Ergebnis-se sowohl in Bezug auf den Ertrag wie auch auf die Homogenität und die Erntege-schwindigkeit. Das durch das Ausdünnen bedingte Entfernen von neuen Trieben im Verlauf des Sommers führt zu einer Verringerung der Blattmasse, was der Fruchtbil-dung schaden könnte und schlussendlich auch noch die Erntegeschwindigkeit verrin-gert.
Das Verfahren «Knospenausbrechen + Verdrehen» scheint eine vermehrte Bildung von Trauben wie auch deren regelmässige Verteilung auf den Fruchtzweigen zu be-wirken und stellt die besten Resultate dar.

5. Erfolgreiche Bekämpfungsmethode gegen den Glasflügler (nach Catherine Baroffio)
Der Johannisbeerglasflügler (Synanthedon tipuliformis Clerck) , eine Schmet-terlingsart der Familie der Sesiidae, kann bedeutende Schäden an roten und schwarzen Johannisbeerkulturen verursachen. Bis zu 90 % der Haupttriebe können befallen sein. Deutsche Studien berechneten eine Schadschwelle von 10 bis 15 % raupenbefallener Zweige, was 0,1 bis 0,15 Raupen pro Zweig entspricht. In der Schweiz ist die chemi-sche Bekämpfung des Johannisbeerglasflüglers verboten, weil der Flug dieses Schäd-lings während der Ernteperiode stattfindet. Eine mögliche Bekämpfungsmethode hingegen ist die sexuelle Verwirrungstechnik. Zwei Versuche mit der Verwir-rungstechnik wurden zwischen 2002 und 2005 in den Kantonen Thurgau und Genf bei roten Johannisbeeren durchgeführt. Die Lockstoffe (Pheromone), welche die Männ-chen auf der Suche nach Weibchen irreführen, werden mit Dispensern des Modells Isonet-Z ausgebracht. Die Wirksamkeit der Verwirrungstechnik wurde durch eine Probenahme im Winter bestimmt. Dazu wurden 25 Haupttriebe pro Parzelle entnom-men und auf den Befall mit Glasflüglerraupen untersucht.
Die Befallsresultate in diesen Versuchen mit 600 Dispensern pro Hektare haben eine gute Wirkung der sexuellen Verwirrungstechnik gegen den Johannisglasflügler ge-zeigt. Die Lockstoffe wurden im Frühling 2006 zugelassen und die «Isonet-Z»- Dispenser werden nun von der Firma Andermatt Biocontrol AG vertrieben.

Peter Konrad, LBBZ Arenenberg


Schadensbild der Rutenkrankheit Leptosphaeria (LBBZ)
Schadensbild der Rutenkrankheit Leptosphaeria (LBBZ)