Ausgabe Nummer 38 (2006)

zurück zur Übersicht

Internationaler Arbeitskreis für Substratkulturen

7. Jahrestagung am Arenenberg


Vom 31.8.- 1.9.06 trafen sich 62 Gemüseproduzenten mit Substratkulturen unter Glas, Versuchsbeauftragte und Berater aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Fachaustausch. Eine Exkursion führte sie in zwei Thurgauer Tomatenglashausbetriebe sowie zu drei Gurkenproduzenten auf der Insel Reichenau. Geleitet wird das Fachgremium von Dr. Christoph Andreas, Gartenbauzentrum Nordrhein-Westfalen in Straelen. Vor Ort organisiert haben Peter Konrad, LBBZ Arenenberg, sowie Ulrike Schmidt, Reichenau Gemüse e.G.

Die Tagung begann mittags im LBBZ Arenenberg mit Erläuterungen über den Thurgauer Gemüsebau, insbesondere unter Glas. Dr. Andreas Teichert vom LVG Heidelberg berichtete kurz von aktuellen Versuchsergebnissen im Bereich Gurken und Tomaten. Der Erfahrungsaustausch über den heurigen Kulturverlauf stimmte die Teilnehmer auf die sehr interessante Fachexkursion ein.
Der Betrieb Peter und Martin Kellermann, Ellikon a. d .Thur kultiviert 4,2 ha Tomaten unter Hochglas im Grodan-System auf Hängetischen und 1,2 ha Hochfolien-Tunnel. Hauptkulturen sind Rucola, Nüsslisalat, Radies und Kresse. Dazu kommen 60 ha Freiland mit Karotten, Salaten, Broccoli und Blumenkohl. Eigene Vermarktung und eine Convenience-Produkte-Linie mit diversen Salaten geben 50 Festangestellten und 50 Saisoniers Arbeit. Die Besichtigung bei Erwin Gamper, Stettfurt zeigte 0.6 ha Tomaten unter Glas im selben System. 40 ha Freilandgemüse mit Salaten, Broccoli, Kohlrabi und Fenchel werden mit 60 Mitarbeitern gepflegt. Eine hochmoderne Chicorée-Treiberei produziert jährlich über 1000 t Chicorée. Im Auto fuhren die Teilnehmer zurück auf den Arenenberg, wo sie vor dem Essen einen Apéro, gestiftet vom LBBZ Direktor Otto Balsiger, genossen. Die Gemüsegärtner widmeten sich interessiert dem gegenseitigen Fachaustausch bis zu später Stunde. Intensiv wurde die Energiesituation besprochen. Billigere Alternativenergien werden von den höheren Investitionen bei technischen Installationen neutralisiert.
Am Freitagmorgen fuhr der Tross auf die Insel Reichenau, wo der erste Betrieb Rainer Wedelich mit 1.4 ha Gurken in Kokos besichtigt wurde. 2003 begann er mit Substratkultur im Haus mit Energieschirm und CO2-Düngung. In Bodenkultur hatte er früher 40 Gurken/m2. Letzte Saison erntete er 84 Gurken/m2. Gegenwärtig stehen auf der Reichenau 6.7 ha Gurken und 1.4 ha Tomaten im Glashaus als Substratkultur. Sie stehen auf Kokos wegen einer Umweltauflage. Etwa 150 Gemüsegärtner besorgen 50 ha Glaskulturen und 100 ha Freilandgemüsebau, erläuterte Ulrike Schmidt. Der Betrieb von Thomas Huber kultiviert 0.9 ha Gurken in älteren Glashäusern. Er investierte in ein neues aufwendiges Bewässerungssystem. Die UV-Desinfektion des Giesswassers (Phytumsporen etc.) geschieht mit 3x1000 Watt-Lampen, die jährlich 500 ? Strom verbrauchen. Der Gurken-Sortenversuch in seinem Haus wurde ausgiebig erläutert und diskutiert.
Der dritte Betrieb, Philipp Wurz hat neben 1 ha Gurken im Glashaus noch 0.4 ha Bodenkultur im Folienkalthaus mit der zweifüssig veredelte Sorte Torion, die sich sehr vital zeigt. Mit den Sorten Schila und Burnant kommt er auf 110 Gurken/m2 in zwei Kulturen. Das Arbeiten an der Pflanze gewinnt ihr höhere Erträge ab. Die Gurkensortiermaschine wird überbetrieblich eingesetzt. Vier bis fünf Personen sortieren 5000 bis 6000 Gurken/h. Die gut organisierte Fachexkursion hinterliess bleibende Eindrücke bei den ?Substrat-Spezialisten? wobei der persönliche Austausch auch nicht zu unterschätzen ist. Die nächste Jahrestagung des Arbeitskreises für Substratkulturen wird Ende August 2007 in Wien stattfinden.

Paul Wirth


Rainer Wedelich, Gemüseproduzent auf der Insel Reichenau, mit 1,4 Hektaren Gurken in Kokos unter Glas. (P.Wirth)
Rainer Wedelich, Gemüseproduzent auf der Insel Reichenau, mit 1,4 Hektaren Gurken in Kokos unter Glas. (P.Wirth)